Politik

Wahlergebnisse auf der Landkarte So blau leuchtet Großbritannien

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Wahlberichterstattung der BBC: Mit einer bunten Projektion auf der Fassade der Sendezentrale in London schlüsselt die Medienanstalt die politische Farbenlehre Großbritanniens auf.

(Foto: Jeff Overs/BBC via REUTERS)

Der Wahlsieg der Tories verschiebt auf der politische Landkarte Großbritanniens die Farben: Am Morgen nach der Wahlnacht leuchten weite Flächen der Insel im tiefen Blau der Konservativen auf. Selbst traditionelle Labour-Hochburgen wechseln die Seiten.

Die vorgezogene Parlamentswahl führt zu tiefgreifenden Veränderung in den politischen Machtverhältnissen in Großbritannien: Das Brexit-Versprechen, mit dem Tory-Spitzenkandidat Boris Johnson für die Konservativen im Wahlkampf um Stimmen warb, entwickelte offenbar Zugkraft: Seine Party konnte sich in mindestens 364 der insgesamt 650 Wahlkreise eine Mehrheit sichern. Die Schwelle zu absoluten Mehrheit liegt bei 326 Sitzen.

Der Blick auf die Ergebnisse aus den Wahlkreisen zeigt, wie stark sich die politischen Machtverhältnisse im Land bei dieser letzten großen Wahlentscheidung des zu Ende gehenden Jahrzehnts zugunsten der Konservativen verändert haben:

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Am Morgen nach dem mit Spannung erwarteten Votum wird damit das ganze Ausmaß von Johnsons Wahlsieg deutlich: Die Tories gewinnen 46 Sitze im Unterhaus dazu und können ihr stärkstes Ergebnis seit der Ära von Ex-Premierministerin Margaret Thatcher in den 1980er Jahren feiern. Die oppositionelle Labour-Partei von Jeremy Corbyn erlitt dagegen dramatische Verluste.

Labour muss nach Auszählung fast aller Stimmen einen Verlust von 59 Parlamentssitzen hinnehmen. Künftig wird die stärkste Oppositionspartei im Londoner Unterhaus nur noch 203 Abgeordnete stellen. Parteichef Corbyn reagierte "sehr enttäuscht" und kündigte persönliche Konsequenzen an. Bei künftigen Wahlen werde er nicht mehr als Spitzenkandidat antreten, sagte er.

Die dramatische Wahlniederlage von Labour hängt Beobachtern zufolge mit den sehr niedrigen Beliebtheitswerten Corbyns in der Bevölkerung und dem dezidiert linksgerichteten Programm zusammen. Sein eigenes Mandat im Wahlkreis Islington North im Norden der Londoner Innenstadt konnte Corbyn immerhin verteidigen. Labour kam hier auf 64,3 Prozent der Stimmen. Das sind 8,7 Prozent weniger als bei der Unterhauswahl 2017.

Johnson wiederum holte erneut sein Mandat im Westlondoner Wahlkreis Uxbridge and South Rislip. Ausgestattet mit Amtsbonus und einer schillernden Persönlichkeit holte der Spitzenkandidat der Konservativen hier eine lokale Mehrheit von 52,6 Prozent. Sein örtlicher Gegenkandidat Ali Milani erreichte in der Wohngegend am Londoner Stadtrand ein Ergebnis von 37,6 Prozent.

Schottland wählt mehrheitlich SNP

Auf der Wahlkreiskarte zur Unterhauswahl sind neben dem Absturz von Labour und der neuen konservativen Stärke allerdings noch weitere wichtige Bewegungen zu erkennen: Die Liberaldemokraten konnten bei der Wahl trotz ihres eindeutig pro-europäischen Kurses nicht zulegen. Parteichefin Jo Swinson verlor sogar ihren Sitz im Unterhaus.

In Swinsons schottischen Wahlkreis Dunbartonshire East zog SNP-Kandidatin Amy Callaghan von den schottischen Nationalisten an ihr vorbei. Callaghan lag nach Auszählung der Stimmen mit einem Ergebnis von 37,1 Prozent knapp vor Swinsons Stimmanteil von 36,8 Prozent. Die Liberaldemokraten, die im Parlament künftig mit elf Abgeordneten vertreten sind, kündigten bereits an, im neuen Jahr eine neue Parteispitze wählen zu wollen.

Die Schottische Nationalpartei (SNP), die im Wahlkampf für ein zweites Brexit-Referendum sowie ein zweites Unabhängigkeitsreferendum eingetreten war, legte den bisherigen Ergebnissen nach deutlich zu und kam auf 48 Sitze. Ihre Hochburgen liegen allesamt im Norden. Die Konservativen konnten sich dort lediglich vier Wahlkreise sichern. Labour gewann in Schottland einzig den seit den 1980er Jahren sozialdemokratisch dominierten Stimmbezirk Edinburgh South.

Grün steht nicht nur für Öko

Neu für britische Verhältnisse ist die weitere Auffächerung der Parteienlandschaft in der Mitte: Die Grünen eroberten unter ihrer Doppelspitze Siân Berry und Jonathan Bartley aufgrund des britischen Mehrheitswahlrechts zwar nur einen Parlamentssitz, erzielten aber landesweit einen Stimmanteil von immerhin 2,7 Prozent.

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Der einzige hellgrün gefärbte Wahlkreis ist auf der Karte kaum zu erkennen. Das Ergebnis belegt die Exotenrolle, die die britische Öko-Partei derzeit spielt: Der Parlamentssitz geht auf den lokalen Erfolg der Green-Party-Kandidatin und Ex-Parteichefin Caroline Lucas zurück. In dem weltoffenen Badeort an der sonnenverwöhnten Südküste Englands ließ die prominente Grüne mit einem Wahlergebnis von 57,2 Prozent der Stimmen ihre Gegenkandidaten von Labour, Konservativen und Brexit-Partei weit hinter sich.

Die Grüntöne in Wales und Nordirland können leicht Verwirrung stiften: Hier setzten sich jeweils die walisische Mitte-Links-Partei Plaid Cymru beziehungsweise die nordirische DUP in einzelnen Wahlkreisen durch. Der bisherige Fraktionsvorsitzende der DUP, Nigel Dodds, hat sein Mandat jedoch verloren. Er war im Wahlkreis North Belfast angetreten, musste sich aber John Finucane von Sinn Féin geschlagen geben.

Nigel Farages "Brexit Party" ging bei der Parlamentswahl unter dem Strich leer aus. Der prominente Befürworter eines kompromisslosen EU-Ausstiegs zeigte sich schwer enttäuscht. Landesweit erzielte seine Partei einen Stimmanteil von nur zwei Prozent. Der Einfluss der Brexit-Hardliner gehe zurück, meinte Farage. "Es wird Brexit heißen, aber eigentlich keiner sein", sagte er mit Blick auf Johnsons Pläne.

Quelle: ntv.de