Politik

Moskau hat Redebedarf Syrien beklagt "Massaker" durch US-Militär

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Das syrische Assad-Regime wirft der von den USA geführten Anti-IS-Koalition äußerste Aggression vor.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Nach dem verheerenden Militärschlag der Anti-IS-Koalition beklagt das syrische Assad-Regime zahlreiche Tote und wirft den USA Kriegsverbrechen vor. Der Verbündete Russland will den Vorfall noch nicht bewerten, hat aber "eine Menge Fragen" an die USA.

Die syrische Regierung hat der von den USA geführten Anti-IS-Koalition Kriegsverbrechen und Terrorunterstützung vorgeworfen. Mit ihrem Angriff auf regierungstreue Truppen habe die Koalition ein "brutales Massaker" veranstaltet, hieß es in einem Brief des syrischen Außenministeriums an den UN-Generalsekretär und den Präsidenten des UN-Sicherheitsrates. "Diese neuerliche Aggression bestätigt die niederen Beweggründe gegen die Souveränität Syriens", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana aus dem Brief.

Die Anti-IS-Koalition hatte die regierungstreuen Truppen von Präsident Baschar al-Assad nach eigenen Angaben in Selbstverteidigung angegriffen. "Es war Selbstverteidigung", sagte US-Verteidigungsminister Jim Mattis. "Wir schalten uns nicht in den syrischen Bürgerkrieg ein." Demnach hatten die Regierungsanhänger im Euphrattal das Gebiet um ein Hauptquartier der kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) mit Panzer und Artillerie angegriffen. Mattis nannte den Vorfall "verwirrend" und sagte, er könne sich nicht erklären, warum die regierungstreuen Truppen die SDF-Stellungen angegriffen hätten, an denen sich auch US-Spezialkräfte aufgehalten hätten.

Aus syrischen Militärkreisen hieß es, mehr als 150 regierungstreue Kämpfer seien bei dem Angriff getötet oder verletzt worden. Unter den Toten seien auch afghanische Kämpfer gewesen. Das US-Militär schätzte die Zahl der Toten nach Angaben des Senders CNN auf mehr als 100. Das Pentagon wollte zunächst keine Zahlen bestätigen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete mindestens 45 getötete Regierungskräfte.

Russland hat "eine Menge Fragen"

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Bei Luftangriffen der syrischen Luftwaffe auf die Region Ost-Ghuta sind zahlreiche Zivilisten getötet worden.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Russlands Militär sprach abweichend von nur 25 Verletzten aufseiten der regierungstreuen Kräfte, nicht von Toten. Das Vorgehen der Milizen gegen die SDF sei nicht mit Russland abgestimmt gewesen, hieß es in einer Mitteilung. Moskau habe wegen des Vorfalls "eine Menge Fragen" an die USA, sagte Maria Sacharowa, Sprecherin des Außenministeriums. Sie hielt sich mit einer Bewertung zurück. Man sammle noch Informationen, sagte sie der Agentur Interfax zufolge. Moskaus Soldaten, die die Assad-Truppen im Bürgerkrieg unterstützen, seien nicht in der Region gewesen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Die Anti-IS-Koalition erklärte, sie habe mit ihrem russischen Gegenüber vor, während und nach dem abgewehrten Pro-Regime-Angriff in regulärem Kontakt gestanden.

Das Gebiet um die frühere Extremistenhochburg Dair as-Saur nahe der Grenze zum Irak ist strategisch wichtig. Hier stehen sich SDF und Regierung gegenüber. Zudem liegen im Euphrattal wichtige Ölvorräte des durch den Bürgerkrieg schwer geschädigten Landes. Syriens Regierungskräfte konnten in den vergangenen Monaten große Geländegewinne erzielen. Der Zwischenfall zeigt jedoch, wie weit das unter verschiedenen Gruppen aufgeteilte Land von einem Frieden entfernt ist.

Erdogan bezeichnet Assad als "Mörder"

Unterdessen setzte Syriens Luftwaffe ihre schwere Bombardierung eines islamistischen Rebellengebietes nahe der Hauptstadt Damaskus fort und tötete Aktivisten zufolge mindestens 38 Zivilisten. 135 Zivilisten seien bei Luftangriffen auf die Region Ost-Ghuta verletzt worden, meldeten die Menschenrechtsbeobachter. Demnach sind innerhalb von 72 Stunden mehr als 150 Zivilisten gestorben. Regierungstruppen haben das Gebiet seit langem eingeschlossen. Rund 400.000 Menschen sind fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten.

Die humanitäre Lage ist dramatisch. Es herrscht akuter Mangel an Lebensmitteln und medizinischer Versorgung. In Ost-Ghuta scheiterte auch der Versuch Russlands, des Irans und der Türkei, die Lage zu deeskalieren. Im Bemühen um ein Ende der Gewalt in Syrien wollen die Staatschefs der drei Länder zu einem weiteren Gipfel zusammenkommen. Teheran ist neben Moskau wichtigster Verbündeter der Regierung, Ankara unterstützt die Rebellen. Die drei Mächte hatten sich im vergangenen Jahr auf sogenannte Deeskalationszonen für Syrien geeinigt, wo seit Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 mehr als 400.000 Menschen ums Leben kamen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nannte Syriens Machthaber Assad nun erneut einen "Mörder" und schloss Gespräche mit ihm aus. "Was sollen wir mit einem Mörder reden, der eine Million seiner Bürger getötet hat?", sagte er in Ankara.

Quelle: n-tv.de, cri/dpa/AFP

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