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Konsequenz aus Unglück in Bangladesch Textil-Konzerne wollen Arbeiter schützen

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Die Hinterbliebenen des Fabrikeinsturzes trauern.

(Foto: AP)

Eine ganze Reihe an Kleidungs-Händlern verpflichtet sich auf bessere Arbeitsbedingungen bei ihren Lieferanten. Ein Unglück wie das in Bangladesch, bei dem mehr als 1000 Menschen starben, soll so verhindert werden. Aber nicht alle großen Ketten machen mit.

Drei Wochen nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch ist ein Abkommen von mehr als 30 Handelskonzernen für mehr Sicherheit in den Textilfabriken des Landes in Kraft getreten. "Dies ist ein Wendepunkt", erklärte der internationale Gewerkschaftsdachverband UNI Global Union. "Die Umsetzung beginnt jetzt." Die Vereinbarung soll Millionen Arbeiter in den Produktionsstätten besser schützen. Damit reagieren die Unternehmen auf Forderungen der Gewerkschaften nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes am 24. April nahe Dhaka mit mehr als 1100 Toten.

Das bislang nur für Bangladesch geltende Abkommen für besseren Arbeitsschutz soll nach dem Willen von Gewerkschaften auf andere Länder erweitert werden. Dazu seien die Arbeitnehmervertreter auch angesichts der jüngsten Nachrichten über einen Dacheinsturz auf einem Fabrikgelände in Kambodscha entschlossen, erklärten die Gewerkschaftsdachverbände IndustriALL und UNI Global Union.

"Ziel ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und des Lebens der am meisten ausgebeuteten Arbeitskräfte der Welt, die unter gefährlichen Verhältnissen 38 Dollar im Monat verdienen", sagte IndustriALL-Generalsekretär, Jyrki Raina. Die Konzerne verpflichten sich, den Brandschutz und die Gebäudesicherheit in den Fabriken zu erhöhen.

Auch Aldi ist dabei

Insgesamt sind in das Abkommen laut Gewerkschaftsangaben mehr als 1000 Zulieferbetriebe und Zwischenhändler und damit ein großer Teil der rund vier Millionen Textilarbeiter in Bangladesch eingebunden. Unter dem Eindruck der jüngsten Katastrophe in Bangladesch schlossen sich innerhalb weniger Tage die meisten der großen Handelsketten – darunter H&M, C&A, Tschibo, Otto, Primark, Aldi, Zara, Benetton und Abercrombie & Fitch – der Vereinbarung an.

Die US-Konzerne Gap und Walmart – das weltgrößte Einzelhandelsunternehmen – hätten sich jedoch bislang geweigert, erklärte Philip Jennings, Generalsekretär von UNI Global Union. Dies sei "ein Fehler, den die Konsumenten nicht vergessen werden", sagte er. Walmart teilte mit, der Konzern werde eigene Kontrollen in allen 279 Fabriken durchführen, die in Bangladesch für ihn produzieren.

Die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) kritisierte, auch deutsche Unternehmen hätten das Abkommen nicht unterzeichnet. "Sie wollen an bestehenden Konzepten festhalten." Gisela Burckhardt von der CCC sagte, die jüngste Katastrophe in Bangladesch habe gezeigt, "dass bisherige Kontrollen die Probleme mehr vertuschen als offenlegen. Wir fordern die Verweigerer auf, ihre Entscheidung zu überdenken und zu berücksichtigen, dass ihr Vorgehen Menschleben gefährdet."

Dacheinsturz in Kambodscha

In Kambodscha brach unterdessen auf dem Gelände einer riesigen Schuhfabrik ein Dach ein. Dabei kamen nach Angaben von Augenzeugen zwei Menschen ums Leben. Sieben wurden verletzt, zwei lebensgefährlich, sagte Dave Welsh von der US-Organisation ACILS, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in Fabriken einsetzt.

Die taiwanesische Fabrik rund 50 Kilometer südwestlich von Phnom Penh näht Sportschuhe für den japanischen Hersteller ASICS. In Kambodscha sind Textil- und Schuhfabriken zusammen die größten Arbeitgeber im Land.

Quelle: n-tv.de, dpa

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