Politik

Neue Taktik Trump beleidigt nicht mehr, er macht Politik

In der zweiten Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber steht wieder Donald Trump im Mittelpunkt. Dabei sorgt er für eine Überraschung: Er verteilt keine Beleidigungen, sondern verteidigt politische Konzepte.

Auf den ersten Blick wirkt die Szene wie aus einem Hollywoodfilm. Elf Republikaner, die alle Präsident der USA werden wollen, stehen in der Ronald-Reagan-Präsidentenbibliothek in Kalifornien, vor der "Air Force One", die Reagan in seiner Amtszeit von 1981 bis 1989 benutzt hatte. Doch das Flugzeug fliegt nicht mehr, es steht.

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Seit Juli führt Trump das Feld der republikanischen Bewerber an.

(Foto: AP)

Genauso geht es den meisten Präsidentschaftsbewerbern auf der Bühne. Ihre Umfrageergebnisse heben nicht ab, sondern kleben im einstelligen Bereich – oder sind gar, wie bei Präsidentensohn und -bruder Jeb Bush, aus dem zweistelligen in den einstelligen Bereich abgestürzt.

Zweistellig sind nur der Milliardär Donald Trump und neuerdings auch der pensionierte Neurochirurg Ben Carson. Trump führt das Feld der Bewerber weiterhin an, Carson, der einzige Afroamerikaner auf dem Podium, hat in den letzten zwei Wochen zugelegt. Beide haben eines gemein: Sie kommen von außen, waren nie Politiker. Genau das, sagt ein CNN-Moderator, erkläre ihren Erfolg: Derzeit interessiere sich die republikanische Basis nicht fürs Regieren, sie interessiere sich fürs Stören.

Allerdings: Trump stört gar nicht mehr. Er hat seinen Ton gemäßigt. Dabei fällt auf, dass der Populist weniger konservativ ist als viele seiner Mitbewerber. Sein noch reichlich vages Steuerkonzept muss er gar gegen den Vorwurf verteidigen, es sei "sozialistisch", von Reichen einen höheren Steuersatz zu fordern. Das sei nicht sozialistisch, sondern gängige Praxis in den USA, kontert Trump. Außerdem sei es gerecht. Trump will die Mittelschicht entlasten und Hedgefondsmanager stärker belasten – Steuererhöhungen, egal für wen, sind für Republikaner eigentlich ein Tabu.

Den Irak-Krieg hält Trump für falsch

In der Außenpolitik macht Trump keinen Hehl aus seinen Defiziten. Er werde mehr über die Probleme dieser Welt wissen, wenn er im Amt sei. Zum Irak-Krieg von George W. Bush hat er dennoch eine klare Position: Er hält ihn für einen Fehler: "Ich bin eine sehr militaristische Person, aber man muss wissen, wann man das Militär einsetzt." Jeb Bush weist diese Kritik an seinem Bruder zurück. Der habe die USA "sicher" gemacht. Darauf Trump mit Blick auf die Terrormiliz Islamischer Staat: "Ich fühle mich nicht sicher." Auf dem Podium ist er mit dieser Position in der Minderheit. Bis auf den libertären Außenseiter Rand Paul sehen alle Republikaner die Verantwortung für die Kämpfe in Syrien und im Irak beim demokratischen Amtsinhaber Barack Obama.

Trumps wichtigstes Thema ist allerdings ein anderes. Mehrfach betont er, dass seine Konkurrenten gar nicht über illegale Einwanderung diskutieren würden, wenn er das Thema nicht so vehement angestoßen hätte. Trump fordert, alle undokumentierten Einwanderer abzuschieben und eine Mauer an die Grenze nach Mexiko zu bauen. Migranten aus diesem Land hat er bereits als Vergewaltiger bezeichnet.

Damit hat er den Ton vorgegeben, dem sich die anderen zunehmend beugen. Carson beispielsweise hatte gesagt, es sei nicht möglich, elf bis zwölf Millionen illegale Einwanderer außer Landes zu bringen. Jetzt relativiert er diesen Satz: Wenn jemand sage, er wisse, wie man das mache, dann sei er bereit zuzuhören. Dieses Einknicken steht für die Atmosphäre des ganzen Abends: Nicht ein einziges Mal kommt Trump ernsthaft in die Defensive.

Bush hat mal gekifft

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Die Kandidaten diskutierten in der von Ronald Reagan gestifteten Präsidentenbibliothek vor der "Air Force One".

(Foto: AP)

Von Jeb Bush dagegen bleibt nur sein Geständnis in Erinnerung, in der High School Marihuana geraucht zu haben, von den anderen gar nichts. Mit Ausnahme von Rand Paul sondern die Herren Berufspolitiker die immer gleichen Phrasen ab – wie großartig Amerika sein könne, wie schlecht es dem Land gehe, wie wichtig es sei, sich um die hart arbeitenden Amerikaner zu kümmern.

Mittlerweile kann Trump es sich sogar leisten, auf seine aggressiven Attacken zu verzichten. Vergeblich versuchen Bush und der Gouverneur von Wisconsin, Scott Walker, Trump als unerfahrenen Anfänger darzustellen. Genau das sieht Trump als Vorteil: Er werde es als Präsident nicht machen wie die Politiker, die "nur reden und nicht handeln". Dass er erfolgreich sein wird, steht für ihn außer Frage: "Alles, was ich gemacht habe, war ein großartiger Erfolg." Sein Ziel: "Ich will, dass wir alle ein tolles Leben haben."

Einzig der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, greift Trump hart an. "Lasst uns aufhören, Donald Trump wie einen Republikaner zu behandeln", fordert er. Jindal hält es für gefährlich, wenn ein "instabiler Narziss" die Nuklearwaffen der USA kontrolliere. Aber seine Kritik kann er nicht auf der großen Bühne äußern. Seine Umfrageergebnisse sind so schlecht, dass er, mit drei anderen Bewerbern, nur als eine Art Vorband auftreten darf.

Als zweite Siegerin des Abends dürfte sich die ehemalige Hewlett-Packard-Managerin Carly Fiorina fühlen. Sie gehört zwar zum Feld der Einstelligen, hat aber in den letzten Wochen so stark zugelegt, dass CNN sie im Hauptprogramm mitdiskutieren lässt. Dort wirkt sie zwar extrem steif – sie lächelt nicht ein einziges Mal. Aber ein paar Punkte macht sie doch. Zum Beispiel, als sie auf eine Beleidigung von Trump angesprochen wird. Der Zeitschrift "Rolling Stone" hatte Trump gesagt: "Schaut euch das Gesicht an! Wird irgendwer dafür stimmen? Kann man sich das vorstellen als Gesicht des nächsten Präsidenten?" Fiorina lehnt es ab, diese Sätze mit einem Gegenangriff zu kontern. "Die Frauen in diesem Land haben sehr deutlich gehört, was Herr Trump gesagt hat." Der entschuldigt sich daraufhin zwar nicht – es würde ja auch nicht zu seinem Typ passen. Aber er macht ihr ein Kompliment: Fiorina habe "ein wunderschönes Gesicht" und sei "eine wunderschöne Frau". Nach den Gesetzen dieses Vorwahlkampfes müsste er damit durchkommen. Seine Umfragewerte dürften immer höher fliegen.

Quelle: ntv.de