Teheran droht mit GegenschlägenTrump erwägt Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur

Das US-Militär könnte den Iran noch an diesem Wochenende erneut angreifen, melden mehrere Medien. Demnach denkt Trump auch über eine Ausweitung der Ziele nach. Teheran warnt und spricht von einem "Akt des Wahnsinns".
US-Präsident Donald Trump erwägt US-Medienberichten zufolge bereits an diesem Wochenende neue Angriffe auf Ziele im Iran. Das berichteten etwa der US-Sender CBS News und das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Dem Bericht von CBS News zufolge könnte dabei Israel wieder in den Krieg einsteigen. Zuletzt hatten sich Israel und der Iran Anfang Juni gegenseitig angegriffen. Laut der Nachrichtenseite "Axios" könnten die neuen Attacken wiederum die Energieinfrastruktur im Iran ins Visier nehmen. Eine finale Entscheidung habe Trump noch nicht getroffen.
Für den Fall neuer Angriffe kündigte Teheran Gegenschläge an. Diese könnten auf Einrichtungen der kritischen Infrastruktur in Israel und den Golfstaaten treffen, berichteten die iranischen Nachrichtenagenturen Tasnim und Fars unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die USA müssten sich bewusst sein, dass Energieanlagen von weltweiter Bedeutung in Saudi-Arabien und in Katar innerhalb der Reichweite iranischer Raketen lägen, hieß es bei Fars weiter. Auch Anlagen in Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden genannt.
Es gebe einen umfassenden Plan für Gegenschläge, zitierte Tasnim einen ranghohen iranischen Sicherheitsbeamten. Irans Militär habe bereits zuvor demonstriert, dass es die Fähigkeit und die Entschlossenheit für Gegenangriffe habe. Sollte es zu amerikanisch-israelischen Angriffen auch auf Infrastrukturziele im Iran kommen, sei dies ein Akt des Wahnsinns.
Luftabwehr könnte an ihre Grenzen kommen
Teheran hat seit Kriegsbeginn Ende Februar als Reaktion auf US-Angriffe immer wieder mit Raketen und Drohnen Ziele in den Golfstaaten angegriffen, in denen sich US-Militärstützpunkte befinden. Dabei wurden vereinzelt auch wichtige Energieeinrichtungen getroffen, etwa Katars Anlagen zur Herstellung und Verschiffung von Flüssiggas oder Ölanlagen in Kuwait.
Die Luftabwehr der Golfstaaten konnte bislang viele ballistische Raketen des Irans abschießen - zuletzt wuchs aber die Sorge, dass die Vorräte an Luftabwehrraketen insbesondere für das Patriot-System zur Neige gehen könnten. Auch die US-Bestände sind Medienberichten zufolge inzwischen deutlich geschrumpft, was auch ein Grund dafür sein könnte, dass die USA ihre jüngste Angriffsserie am vergangenen Wochenende nach 13 Nächten in Folge abgebrochen hatten.
Sollten dem Iran neue Schläge auf die Energieinfrastruktur der Golfstaaten gelingen, dürften die Weltmarkpreise für Öl und Gas weiter steigen, was Teheran als Druckmittel gegen Trump nutzt. Zudem kontrolliert der Iran auch weiterhin die Straße von Hormus. Das US-Militär hat inzwischen als Druckmittel seine Seeblockade erneuert, um wiederum den Iran von Einnahmen aus dem Export von Rohöl abzuschneiden.
Experte: Auch neue Angriffe dürften Iran nicht in die Knie zwingen
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, auch Angriffe auf Irans zivile und wirtschaftliche Infrastruktur dürften die Machthaber in Teheran nicht zum Einlenken bewegen. Mit Blick auf mögliche Gegenangriffe auf Ziele in den Golfstaaten schrieb er weiter: "Iran wird sicherlich heftige wirtschaftliche Schäden erleiden, aber es ist genauso wahrscheinlich, dass der Iran im Gegenzug die Kosten für seine Gegner erhöhen wird."
Auch werde der Iran als Druckmittel die Straße von Hormus weiter kontrollieren und über seine Verbündeten im Jemen, die Huthi-Miliz, den Druck auf die Meerenge Bab al-Mandab am Eingang des Roten Meeres verstärken. "Es gibt keine militärische Wunderwaffe für die Herausforderung, die der Iran darstellt", schrieb Citrinowicz.
Trump frustriert über diplomatische Bemühungen
Trump hatte zu Beginn des Kriegs gesagt, der Konflikt werde nur wenige Wochen dauern. Inzwischen geht der Konflikt in den sechsten Monat und eine Lösung scheint so wenig in Sicht wie fallende Öl- und Gaspreise.
Bei einer Kabinettsitzung auf dem Landsitz Camp David am Freitag sprach Trump bereits von weiteren Angriffen auf den Iran. "Wir werden sie sehr hart treffen", sagte er, ohne einen zeitlichen Rahmen dafür zu nennen. "Wissen Sie, irgendwann werden sie es nicht mehr aushalten können." Der Iran hätte nach den bisherigen Angriffen noch etwas militärische Kapazitäten, bald jedoch nicht mehr, sagte Trump.
Mit Blick auf diplomatische Bemühungen zur Beilegung des Kriegs gab Trump sich frustriert. Die Iraner hielten sich oft nicht an das Verabredete und würden Gesprächsinhalte öffentlich falsch darstellen, kritisierte er erneut. "Alles, was sie tun, ist, mich wütend zu machen."
Die US-Regierung will unter anderem eine Wiederöffnung der Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt erreichen und sicherstellen, dass der Iran keine Atombomben herstellen kann. Seit Wochen sind bei den Vermittlungsbemühungen zwischen Washington und Teheran zumindest öffentlich keine Fortschritte zu erkennen.