Politik

Bannon im Beraterstab Trump lädt die Wut ins Weiße Haus ein

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Stephen Bannon wird der Chefstratege von Donald Trump.

REUTERS

Mit einer aggressiven Kampagne gewinnt Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl. Dahinter steckt vor allem Stephen Bannon. Der Medienunternehmer ist offen rassistisch und antisemitisch. Nun macht ihn Trump zum Chefstrategen.

Die Macher der "Simpsons" geben sich erschüttert. Vor 16 Jahren haben sie einen Wahlsieg von Donald Trump als US-Präsident vorhergesagt. Ein Scherz, eine Utopie – aber schnell erledigt. Denn dort wird der pöbelnde Unternehmer durch Lisa, den personifizierten Gutmenschen der Comic-Serie, abgelöst. Das Gute siegt. Das Böse fliegt.

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Doch was Trump nun macht, übertrifft die Vorstellungen der Comiczeichner aus dem Jahr 2000. Der nächste US-Präsident holt sich einen ultrarechten Demagogen ins Haus: Stephen Bannon, 62 Jahre alt, Gehirn der aggressiven Wahlkampf-Kampagne wird neuer Chefstratege im Weißen Haus.

Gemeinsam mit dem bisherigen Republikaner-Parteichef Reince Priebus ist Bannon der erste, den Trump in seinen Beraterstab beruft. "Steve und Reince sind hochqualifizierte Führungspersönlichkeiten, die gut in unserer Kampagne zusammengearbeitet und uns zu einem historischen Sieg geführt haben", sagte Trump. "Jetzt werde ich sie beide bei mir im Weißen Haus haben, wenn wir daran arbeiten, Amerika wieder groß zu machen."

Nimmt man Bannons bisherige politische Äußerungen und seine Weltanschauung als Maßstab, so wird dieses Amerika ein Land des "wütenden weißen Mannes" sein – und nicht ein Land der Muslime, Einwanderer, Frauen, Homosexuellen. "Die rassistische, faschistische, extremistische Rechte ist nur ein paar Schritte vom Oval Office entfernt. Sei sehr wachsam, Amerika.", twittert John Weaver, der politische Berater des republikanischen Ex-Präsidentschaftsbewerbers John Kasich.

Rassistischer Investmentbanker

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Bannon verkörpert das, womit Trump seinen erfolgreichen Wahlkampf führte: Kampf gegen das politische Establishment und Ausgrenzung von Minderheiten. Bis zu seinem späten Einstieg ins Team von Trump im August 2016 betrieb er die rechtspopulistische Seite "Breitbart News" – ein Sprachrohr für die alternative Rechte ("alt-right") Amerikas. Rassistische und antisemitische Schlagzeilen gehören ebenso zum Programm von "Breitbart" wie Verschwörungstheorien.

Seinen Kreuzzug gegen Minderheiten und die politischen Eliten begann Bannon jedoch als Unternehmer im Filmgeschäft. Nach dem Studium an der Georgetown University sowie der Harvard Business School finanzierte der ehemalige Goldman-Sachs-Investmentbanker Hollywoodfilme sowie Dokumentationen über Ronald Reagan, Sarah Palin und die Tea-Party-Bewegung.

Skandale ohne Konsequenzen

Ehemalige Weggefährten beschreiben Bannon als launisch und egomanisch. "Er ist eine rachsüchtige, böse Figur - dafür berüchtigt, vermeintliche Freunde zu beleidigen und Feinde zu bedrohen", schreibt Ex-Breitbart-Mitarbeiter Ben Shapiro.

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Bannons zweite Ehefrau warf dem ehemaligen Soldaten der US Navy nicht nur häusliche Gewalt vor, sondern unterstellte ihm auch Antisemitismus. Demnach sei Bannon dagegen gewesen, seine Zwillingstöchter gemeinsam mit Juden auf eine Schule gehen zu lassen.

Und der "Guardian" berichtet, dass Bannon während der Präsidentschaftswahlen gegen das Wahlgesetz von Florida verstoßen habe. Demnach habe er sich in dem Swing State als Wähler registrieren lassen, obwohl er dort gar nicht, wie es das Gesetz vorsieht, seinen Wohnsitz hat. Dieser liegt mehr als 1000 Kilometer entfernt – in Washington D.C. Trotz der Skandale hält Trump an dem Mann fest, dessen Webseite Werbung für ihn gemacht und dessen Wahlkampfstrategie ihm schließlich den Weg zum Sieg geebnet hat: "Ich bin begeistert, dass ich mein sehr erfolgreiches Team weiter dabei habe, um unser Land zu führen."

Drohende Signalwirkung

In einem Porträt bezeichnete "Bloomberg" Bannon als "gefährlichsten politischen Strategen Amerikas". In weiten Teilen der Bevölkerung wird eine von der Nominierung Bannons ausgehende Signalwirkung befürchtet, die erzkonservativer Ideen und einem vergifteten gesellschaftlichen Klima die Tür öffnen könnte. "Es ist leicht zu verstehen, warum der Ku-Klux-Klan Trump als seinen Helden ansieht, wenn Trump einen der führenden Vertreter von Ideologien weißer Überlegenheit und Rhetorik zu seinem Top-Berater ernennt", sagte der Vorsitzende der Demokraten im Senat, Harry Reid.

Noch sind weder Donald Trump noch Stephen Bannon im Amt. Doch die Sorge vor einem deutlichen Rechtsruck in der Politik und in der Gesellschaft treibt bereits jetzt viele Amerikaner um – und auf die Straßen. Mit Blick auf die Demonstrationen gegen seine Wahl versuchte Trump, seine Kritiker zu beschwichtigen. In seinem ersten TV-Interview nach dem Wahlsieg sagte er: "Habt keine Angst."

Und die Zeichner der "Simpsons"? Sie zeigen sich nun reuig für das Wahrwerden ihrer Vorhersage. Wie zur Entschuldigung veröffentlichten sie einen Internet-Clip, in dem Bart Simpson, Lisas Bruder, an eine Tafel schreibt: "Recht zu haben ist scheiße."

Quelle: n-tv.de

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