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"Haben eine ähnliche Technik" Trump nennt Atomunfall "lehrreich"

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Oberbefehlshaber des US-amerikanischen Nukleararsenals: Donald Trump, hier bei einem Besuch auf dem US-Flugzeugträger "Gerald R. Ford" (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Der tödliche Nuklearunfall auf einem russischen Militärstützpunkt offenbart die Risiken eines neuen Rüstungswettlaufs. In einem Kommentar deutet Präsident Trump an, dass auch die USA über solche Raketen verfügen. Ein Rüstungsexperte hält diese Behauptung für "bizarr".

US-Präsident Donald Trump hat den nuklearen Zwischenfall bei einem mutmaßlichen Raketentest auf einem russischen Militärstützpunkt als lehrreich für die USA bezeichnet und nebenbei womöglich ein hochgeheimes Rüstungsprojekt verraten. Die Vereinigten Staaten "lernten viel" von dieser "Raketenexplosion", erklärte Trump auf Twitter mit Blick auf den tödlichen Atomunfall vom vergangenen Donnerstag. Seinen Angaben zufolge verfügen die USA über vergleichbare Waffensysteme. "Wir haben eine ähnliche Technologie", behauptete er. "Allerdings ist unsere Entwicklung weiter vorangeschritten."

Die russische Atombehörde Rosatom hatte zuvor bestätigt, dass die fünf am Donnerstag ums Leben gekommenen Rosatom-Rüstungsexperten auf dem Raketentestgelände Nyonoska bei Sewerodwinsk tatsächlich an "neuen Waffen" gearbeitet hatten. Allerdings legte Rosatom keinerlei konkrete Angaben dazu vor, um welchen Waffentyp es sich dabei handelte.

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US-Experten gehen davon aus, dass bei dem Vorfall im Nordwesten Russlands ein Test eines neuartigen Marschflugkörpers vom Typ 9M730 Burewestnik außer Kontrolle geriet. Die Rakete mit dem Nato-Codenamen "Skyfall" soll nach Einschätzung von Experten tatsächlich mit einem Nuklearantrieb ausgestattet sein. Ein Unfall bei Experimenten mit einem solchen Antrieb könnte zumindest den kurzzeitigen Anstieg der radioaktiven Strahlung in der Region nahe der Großstadt Archangelsk erklären.

Zweifel an Trumps Andeutungen

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Das Waffensystem, das über eine faktisch unbegrenzte Reichweite verfügen soll, war im Frühjahr von Russlands Staatschef Wladimir Putin vorgestellt worden. Putin bezeichnete die neue Waffe als "unbezwingbar" und für die gegnerische Luftabwehr als "nicht aufspürbar".

In welchem Entwicklungsstadium sich das atomar angetriebene Fluggerät befindet, ist unklar. Bekannt ist allerdings, dass das russische Militär auch mit Hyperschall-Antischiffsraketen und mit nuklearen Unterwasserdrohnen experimentiert. Die USA hatten in den 1960er Jahren zeitweise ähnliche Pläne verfolgt, diese Überlegungen dann aber als kaum praktikabel verworfen.

Trumps Hinweis, dass die USA aktuell angeblich über ähnliche Waffensysteme verfügten, wurde von einem US-Experten umgehend in Zweifel gezogen. Die Mitteilung des Präsidenten sei "bizarr", twitterte der Experte für Rüstungsangelegenheiten, Joe Cirincione.

Die USA hätten derzeit kein Programm für atomar betriebene Raketen, betonte er. Seiner Einschätzung nach handelt es sich bei Trumps Worten lediglich um eine kühne Behauptung - und nicht etwa um die versehentliche Aufdeckung eines militärstrategischen Top-Secret-Programms.

Cirincione leitet die Stiftung Plougshares Fund, die sich für einen globalen Abbau von Atomwaffen einsetzt. Die Idee, Marschflugkörper mit einem Nuklearantrieb auszustatten, bezeichnete er schlicht als "verrückt".

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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