Politik

USA fliegen Waffen nach Kobane Türkei öffnet Grenze für Peschmerga

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Peschmerga-Kämpfer werden von der Bundeswehr ausgebildet: Die Türkei will sie nach Syrien bringen.

(Foto: dpa)

Überraschender Kurswechsel in Ankara: Die Türkei will die Verteidiger von Kobane nun offenbar doch unterstützen - allerdings nicht mit Waffen. Die Regierung von Erdogan bietet kurdischen Peschmerga aus dem Nordirak freies Geleit über die Grenze.

Die Türkei will den Peschmerga-Milizen aus dem kurdischen Nordirak Zugang zu den kurdischen Kämpfern in der eingeschlossenen syrischen Stadt verschaffen. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte in Ankara, man helfe den Peschmerga beim Grenzübertritt. Die Türkei habe kein Interesse daran, dass Kobane in die Hand von Dschihadisten falle.

Kurdische Kämpfer wehren seit Wochen den Ansturm der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf Kobane ab. Die Hauptlast tragen dabei bisher die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), die mit der von der Türkei als Terrororganisation bekämpften Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbündet sind. Der Schritt kommt überraschend: Bisher weigerte sich die türkische Regierung, kurdischen Kämpfern von YPG und PKK den Zugang über türkisches Gebiet nach Kobane zu ermöglichen.

USA fliegt Waffen direkt nach Kobane

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Mit solchen Transportflugzeugen vom Typ Hercules C-130 haben die US-Amerikaner die Waffen nach Kobane geflogen.

(Foto: REUTERS)

Unterdessen erhielten die Kurdenkämpfer neue Unterstützung bei der Verteidigung von Kobane: Die US-Armee versorgte die Kurdenkämpfer erstmals aus der Luft mit Waffen, wie das US-Militärkommando Centcom mitteilte. Neben Waffen und Munition versorgte das US-Militär die Kurden rund um die umkämpfte syrische Grenzstadt nach eigenen Angaben auch mit medizinischem Material. Demnach wurde das Material, darunter auch Kleinwaffen, von den kurdischen Behörden im Irak bereitgestellt.

Ein Sprecher der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), Redur Xelil, bezeichnete die Waffenlieferungen als große Hilfe. Diese hätten positive Auswirkungen auf den Kampf gegen die IS-Kämpfer. Er danke den USA für die Unterstützung und hoffe auf weitere Lieferungen.

Die Versorgung der Kurden durch die USA drohte zunächst die Türkei zu verärgern. Noch am Sonntag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Bewaffnung der kurdischen Kämpfer in Syrien erneut abgelehnt. Die syrische Kurdenpartei PYD, deren bewaffneter Arm in Kobane gegen den IS kämpft, sei ebenso eine "Terrorgruppe" wie die PKK, sagte Erdogan. Ein US-Regierungsvertreter sagte dazu, er könne die Bedenken der Türkei verstehen. Allerdings sei der IS ein "gemeinsamer Feind" der Türkei und der USA.

Die Einreise türkischer Kämpfer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nach Syrien soll offenbar weiter untersagt bleiben. Während sich die türkische Regierung in einem jahrzehntelangen Konflikt mit der PKK befindet, hat sie in den vergangenen Jahren engere Verbindungen zu den Kurden im Nordirak aufgebaut.

Steinmeier ist verhalten optimistisch

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte beim EU-Außenministertreffen in Luxemburg, noch könne von einer "Wende des Kriegsgeschehens" in Kobane keine Rede sein. "Aber es scheint sich in den letzten Tagen so darzustellen, dass die Abwehrfähigkeit der Kurden in Kobane erhöht worden ist."

Die Kurdenstadt an der syrisch-türkischen Grenze ist seit Wochen schwer umkämpft. Eine US-geführte Militärallianz bombardiert dort bereits seit längerem mutmaßliche IS-Stellungen. Am Wochenende gab es Centcom zufolge erneut elf Luftangriffe.

Gemeinsam gegen Dschihadisten

Die IS-Miliz hatte zuletzt weite Teile im Norden Syriens sowie im Irak erobert und dort ein "Kalifat" ausgerufen. An der Bekämpfung der Dschihadistengruppe beteiligen sich zahlreiche Länder. Am Sonntag kündigte Australien an, den Weg für einen Einsatz von 200 australischen Spezialkräften im Kampf gegen den IS im Irak freigemacht zu haben. Die Aufgabe der Spezialkräfte ist es demnach, der irakischen Regierung bei der Stärkung ihres Militärs zu helfen.

Unterdessen beschlossen die EU-Außenminister eine Verschärfung der Sanktionen gegen die syrische Führung um Präsident Baschar al-Assad. EU-Diplomaten zufolge sind 16 weitere Mitglieder der syrischen Führung und ihres Umfelds von Vermögenssperren und EU-Einreiseverboten betroffen. Zudem seien zwei Organisationen beziehungsweise Unternehmen mit Strafmaßnahmen belegt worden. Obwohl zuletzt der IS-Vormarsch in Syrien im Vordergrund stand, ist aus EU-Sicht eine nachhaltige Lösung des Syrien-Konflikts mit Assad nicht denkbar.

Quelle: ntv.de, dsi/vpe/dpa

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