Politik

"Lieber Freund" Putin Türkei und Russland rücken enger zusammen

Die Differenzen zwischen Ankara und Moskau scheinen endgültig ausgeräumt. Ein im Vorjahr ausgehandeltes Waffengeschäft soll beschleunigt werden. Der Deal stößt der Nato sauer auf. Den türkischen Staatschef Erdogan lässt das aber kalt.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat am ersten Tag seines Besuchs in Ankara eine schnellere Lieferung des Raketenabwehrsystems S-400 an die Türkei angekündigt. Er habe bei Gesprächen mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan über die Umsetzung des Liefervertrags gesprochen und die Beschleunigung vereinbart, sagte Putin im Anschluss an das Treffen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Erdogan. Daneben vereinbarten Putin und Erdogan einen Ausbau der Zusammenarbeit auch außerhalb des Bereichs Verteidigung.

Moskau und Ankara hatten das Waffengeschäft im vergangenen Jahr öffentlich gemacht. Erdogan verteidigte erneut die Bestellung der russischen S-400 gegen die Kritik von Nato-Partnern der Türkei. Die Entscheidung darüber sei der Türkei vorbehalten, sagte Erdogan. Die Angelegenheit sei nun abgeschlossen. In der Nato waren Besorgnis wegen der türkischen strategischen Ausrichtung sowie Zweifel geäußert worden, ob die russischen Systeme mit den Standards des westlichen Verteidigungsbündnisses kompatibel seien.

Differenzen zwischen der Türkei und zahlreichen Nato-Staaten bestehen zudem in der Bewertung des Giftanschlags auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal in Großbritannien und in der Haltung zum Bürgerkrieg in Syrien. Die USA unterstützen kurdische Rebellen in Nordsyrien, die Türkei geht militärisch gegen diese vor.

Erdogan sagte, dass die erste Auslandsreise seines "lieben Freundes" Putin seit dessen Wiederwahl in die Türkei geführt habe, unterstreiche die Bedeutung der bilateralen Beziehungen. Nach russischen Angaben trafen Erdogan und Putin sich im vergangenen Jahr acht Mal, mehr als 20-mal telefonierten sie.

Erstes türkisches Atomkraftwerk wird gebaut

Vor ihren Gesprächen hatten die beiden Staatschefs den Startschuss für den Bau des ersten Atomkraftwerks in der Türkei gegeben, das federführend vom russischen Staatskonzern Rosatom errichtet wird. Erdogan und Putin wohnten dem Baubeginn in der südtürkischen Provinz Mersin per Videoschalte aus Ankara bei. 

Erdogan sprach von einem "historischen" Moment in den bilateralen Beziehungen. Putin sagte: "Heute wohnen wir nicht nur dem Bau des ersten türkischen Atomkraftwerkes bei, sondern wir schaffen auch die Grundlage für die Atomindustrie in der Türkei." 

Das Atomkraftwerk Akkuyu soll 2023 in Betrieb gehen, zwei Jahre später sollen alle vier Reaktoren am Netz sein. Dann soll das AKW mehr als zehn Prozent des Energiebedarfs der Türkei abdecken. Die Baukosten werden auf umgerechnet 16,2 Milliarden Euro geschätzt.

Erdogan kündigte an, die Handels- und Tourismusbeziehungen zu Russland weiter auszubauen. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern habe im vergangenen Jahr um 32 Prozent auf 22 Milliarden Dollar zugenommen. Ziel sei es, dieses Volumen auf 100 Milliarden Dollar zu steigern. Einen Zeitrahmen dafür nannte Erdogan nicht. 

Quelle: n-tv.de, bad/dpa/AFP

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