Politik

Machtvakuum in Afghanistan US-Generalstabschef warnt vor Bürgerkrieg

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General Mark Milley zeigt sich besorgt.

(Foto: picture alliance / abaca)

Im Pandschir-Tal liefern sich Taliban und Widerstandskämpfer heftige Gefechte. US-Generalstabschef Milley zweifelt daran, dass die Taliban eine Regierung aufbauen können. Andere Islamisten, etwa von IS oder Al-Kaida, könnten dieses Machtvakuum füllen.

US-Generalstabschef Mark Milley warnt vor einem Bürgerkrieg in Afghanistan. "Ich weiß nicht, ob die Taliban in der Lage sein werden, ihre Macht zu konsolidieren und eine Regierung aufzubauen", sagte Milley dem amerikanischen Fernsehsender "Fox News" auf dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein. Dies könne in den nächsten drei Jahren zu einer Neukonstituierung von Al-Kaida oder einer Erstarkung der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) oder zu unzähligen anderen militanten Gruppen in Afghanistan führen. "Meine militärische Einschätzung ist, dass sich die Lage wahrscheinlich zu einem Bürgerkrieg auswachsen wird", sagte Milley. "Es könnte sein, dass wir binnen 12, 24 oder 36 Monaten sehen werden, wie ausgehend von dieser Region der Terrorismus aufs Neue erstarkt. Und wir werden das beobachten."

Als wichtigstes Argument für den Truppenabzug hatte die US-Regierung angeführt, dass das Terrornetzwerk Al-Kaida faktisch zerschlagen und nicht mehr in der Lage sei, von dort aus Ziele in den USA anzugreifen. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen war Al-Kaida jedoch bereits vor dem Abzug der internationalen Truppen in fast jeder zweiten afghanischen Provinz präsent.

Im Pandschir-Tal gibt es zurzeit heftige Kämpfe zwischen den Taliban und der Nationalen Widerstandsfront von Afghanistan (NRFA), in der sich Kräfte unter dem Milizenführer Ahmad Massud zusammengeschlossen haben. Beide Seiten behaupten, dort die Oberhand zu haben. Das Pandschir-Tal nordöstlich von Kabul ist in dem Vielvölkerstaat eine Hochburg der Tadschiken. Ahmad Massud ist der Sohn eines der wichtigsten Anführer im Krieg gegen sowjetische Truppen in den 80er-Jahren, die das Tal nicht unter ihre Kontrolle bringen konnten. Während der ersten Herrschaft der Taliban von 1996 bis 2001 war es Massuds Vater ebenfalls gelungen, Angriffe der Islamisten abzuwehren.

Von Deutschland wünschen sich die Taliban diplomatische Beziehungen und finanzielle Hilfen. "Wir wollen starke und offizielle diplomatische Beziehungen zu Deutschland", sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid der "Welt am Sonntag". Demnach hoffen die Taliban auf finanzielle Unterstützung, humanitäre Hilfe und Kooperation bei Gesundheit, Landwirtschaft und Bildung - auch von anderen Ländern.

Quelle: ntv.de, chl/rts/dpa

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