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Keine F-35 für die Türkei? US-Senat will Kampfjet-Export stoppen

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Kampfjet der 5. Generation: Eine F-35, hier in der Ausführung der britischen Royal Air Force.

dpa

Veto aus Washington: US-Politiker wollen ein wichtiges Rüstungsprojekt mit der Türkei auf Eis legen. Mit dem Einkauf russischer Raketen setzt Präsident Erdogan die Ausstattung mit Stealth-Jets aus US-Produktion aufs Spiel.

Zwischen den Nato-Partnern USA und Türkei droht neuer Ärger: Der US-Senat hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, mit dem der Verkauf von rund 100 Kampfflugzeugen vom Typ F-35 an die verbündete Türkei blockiert werden könnte. Grund dafür sind die zuletzt angespannten Beziehungen Washingtons zur Türkei, unter anderem wegen der Festnahme von US-Bürgern.

Lockheed Martin
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Republikanische wie auch demokratische Senatoren äußerten sich zudem besorgt über die türkischen Pläne zum Kauf russischer Waffensysteme. Dabei geht es unter anderem um moderne Flugabwehrsysteme vom Typ S-400. Wie Anfang April bekannt wurde, will die Regierung in Moskau die leistungsfähigen Luftabwehr-Batterien deutlich früher an die Türkei liefern als bisher geplant. Die Raketensysteme sollten bereits im Juli 2019 und nicht erst im ersten Quartal 2020 ankommen, wie der türkische Staatssekretär für die Rüstungsindustrie, Ismail Demir, mitteilte.

Das Nato-Land Türkei und Russland hatten den Kaufvertrag, der sich auf eine Summe von mehr als zwei Milliarden Dollar belaufen soll, im Dezember unterzeichnet. Die Vereinbarung ist Teil der neuen Zusammenarbeit, die Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und Russlands Präsident Wladimir Putin in den vergangenen Monaten vereinbart hatten.

Die russisch-türkische Annäherung löste bei den Verbündeten der Türkei im Westen erhebliche Unruhe aus: In der Nato sorgt das Geschäft für Bedenken, da das russische System nicht in die Militärarchitektur des Bündnisses integriert werden kann. Zudem könnte die Aufstellung der russischen Luftabwehrtechnik in der Türkei auch dazu dienen, Erfahrungswerte bei der Erfassung von US-Stealth-Technologie durch russische Radarsystemen zu gewinnen.

Die Anschaffung der F-35-Kampfjets ist für die Türkei dabei eigentlich von sehr viel größerer Bedeutung als die Aufrüstung der eigenen Luftabwehr durch russische Technik - sowohl politisch als auch finanziell. Die Regierung in Ankara plant bislang den Kauf von 100 Maschinen der Variante F-35A. Die überschallschnellen Tarnkappenjets sollen das künftige Rückgrat der türkischen Luftwaffe bilden.

Der Stückpreis der Maschinen liegt Schätzungen zufolge bei bis zu 120 Millionen Dollar. Hersteller ist der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin, der die Türkei seit Jahren zu den wichtigsten ausländischen Programmpartnern des Projekts F-35 zählt.

Der Senatsbeschluss könnte für das teuerste Kampfjet-Programm der US-Geschichte in einem schweren Rückschlag münden: Die US-Regierung ist aus verschiedenen Gründen an einem Exporterfolg der Hightech-Flieger interessiert. Neben der Sicherung von Arbeitsplätzen in der US-Rüstungsindustrie vereinfacht die Belieferung von verbündeten Streitkräften mit F-35-Fliegern auch die militärische Zusammenarbeit.

Kurz vor der Übergabe-Zeremonie

Der wichtigste Grund dürfte allerdings im Bereich der Kosten liegen: Je mehr Exemplare Lockheed ins Ausland verkaufen kann, desto stärker lassen sich die Produktionskosten je ausgelieferter Einheit drücken. Auch in Deutschland wird die Anschaffung der F-35A zusammen mit konkurrierenden Modellen geprüft: Bei der Luftwaffe könnten die Tarnkappenjets die Rolle der Tornado-Kampfjets übernehmen, heißt es.

Im Fall der Türkei könnte das Veto aus Washington einen seit Jahren vorbereiteten Zeitplan in letzter Minute durcheinander wirbeln: Die Übergabe der ersten türkischen F-35 steht eigentlich unmittelbar bevor. Früheren Angaben zufolge war bereits für Donnerstag, 21. Juni, eine feierliche Zeremonie zur Einführung der F-35 bei den türkischen Streitkräften am türkischen Luftwaffenstützpunkt bei Malatya im Osten der Türkei geplant.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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