Wirtschaft

Ersatz für die Tornado-Flotte ILA wird zur Bühne für Kampfjets

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In Sichtweite des BER-Terminals gelandet: Eine der beiden F-35A auf der ILA in Berlin-Schönefeld.

(Foto: Morcinek)

Das Flugziel Berlin steht in diesem Jahr für milliardenschwere Hoffnungen: Auf der Flugschau ILA ringen Airbus, Lockheed und Boeing darum, wer die Deutschen mit neuen Kampfjets ausstatten darf. Der Eurofighter muss Konkurrenz mit Stealth-Technik fürchten.

Der heimliche Star der wichtigsten deutschen Flugzeugmesse kommt aus Amerika: Zur Internationalen Luftfahrtausstellung ILA im Südosten der Bundeshauptstadt ist der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin mit zwei Exemplaren des modernsten und zugleich kostspieligsten Militärflugzeugs der Welt angereist. Der "Joint Strike Fighter" F-35 "Lightning II" ist ein wahres Wundertier: Laut Hersteller handelt es sich bei dem Tarnkappenflieger um den "tödlichsten und am besten vernetzten" Mehrzweckkampfjet der Welt.

Lockheed Martin bewirbt sich mit dieser Maschine mehr oder weniger offen um einen Großauftrag der Bundeswehr: Das Bundesverteidigungsministerium sucht seit einiger Zeit Ersatz für die alternde Flotte an Tornado-Jagdbombern. Schon in knapp sieben Jahren sollen die ersten Nachfolger des betagten Schwenkflügeljets ihren Dienst bei der Luftwaffe antreten. Zur Auswahl stehen offiziellen Angaben zufolge vier Modelle: Der Eurofighter "Typhoon" aus europäischer Produktion, die F-35A von Lockheed sowie die F-15E "Strike Eagle" und die F/A-18E/F "Super Hornet" von Boeing.

Zur Debatte steht der Austausch der gesamten deutschen Tornado-Flotte, die derzeit mehr als 90 Maschinen umfasst. Ein Zuschlag aus Deutschland könnte sich also bei Stückpreisen von rund 100 Millionen Euro schnell im hohen einstelligen Milliardenbereich bewegen. Entsprechend groß ist das Interesse, mit dem die konkurrierenden Flugzeugbauer um die Gunst der deutschen Entscheider werben.

Bereit für die nukleare Teilhabe

Der europäische Flugzeugbauer Airbus hofft, die Tornado-Lücke durch einen elektronisch modernisierten Eurofighter füllen zu können. Kurz vor der Messe reichte der Konzern dazu zusammen mit der Eurofighter GmbH ein entsprechendes Angebot im Berliner Verteidigungsministerium ein. Das Flugzeug sei die "perfekte Lösung für Deutschland", fasst Eurofighter-Chef Volker Paltzo auf der ILA seine Verkaufsargumente zusammen.

Stealth-Eigenschaften seien nur für sehr spezielle Szenarien wichtig, heißt es beim Hersteller. Auch die geforderte atomare Bewaffnung im Rahmen der nuklearen Teilhabe lasse sich technisch bewerkstelligen. Und: "Jeder ausgegebene Euro bleibt in Europa", betont Paltzo. Das Geld werde in die europäische Wirtschaft reinvestiert, in europäische Jobs und europäische Regionen. Der Betreiber behalte die volle Souveränität über Technik und Ausstattung. "Deutschland kennt, nutzt und versteht unser Flugzeug."

Zugleich preist Airbus den Eurofighter als ideales Übergangsmodell auf dem Weg zum geplanten neuen europäischen Kampfflugzeug der Zukunft an. Für das Projekt namens FCAS ("Future Combat Air System") hatte sich Airbus im Vorfeld der Messe mit dem französischen "Rafale"-Hersteller Dassault Aviation verbündet. Vor diesem Hintergrund sei der "Typhoon", so Paltzo, nichts anderes als eine "Brückenlösung" in die Zukunft und quasi die "logische Wahl".

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Nicht mehr der Jüngste: Vier Kampfjetmodelle stehen als Ersatz für die Tornados der Bundeswehr zur Auswahl.

(Foto: Morcinek)

Tatsächlich dürften es Lockheed und Boeing in Berlin nicht ganz einfach haben. Denn bei zwei der drei zur Auswahl stehenden Eurofighter-Alternativen handelt es sich auch nur um überarbeitete Versionen längst im Einsatz befindlicher Maschinen. Die F-15 "Strike Eagle" zum Beispiel ist im Kern nicht viel jünger als der Tornado. Und auch bei der F-18 "Super Hornet" bliebe der Nachteil, dass die US-Hersteller zentrale Komponenten der Elektronik als "Black Boxes" für sich beanspruchen.

Der 100-Millionen-Dollar-Jet

Die F-35 wiederum schlägt sich mit einem ganz anderen Makel herum: Die Maschine ist drauf und dran als das teuerste Projekt der militärischen Luftfahrt in die Geschichte einzugehen. Für die Entwicklung der bulligen F-35 - die es in drei Versionen A, B und C als Jäger, Senkrechtstarter und Trägerflugzeug gibt - muss der US-Steuerzahler schon jetzt mehr als 400 Milliarden Dollar (rund 330 Mrd. Euro) aufbringen. Bis alle bestellten Maschinen fliegen, dürften die Programmkosten jüngsten Schätzungen zufolge die Schwelle von 1,2 Billionen Dollar erreichen.

Der Export in möglichst viele Partnerländer könnte die Gesamtausgaben drücken. Denn je mehr Flugzeuge produziert werden, desto geringer fallen die Stückkosten aus. Im Fall der F-35 liegen sie derzeit je nach Version zwischen 80 und 120 Millionen Dollar - pro Flugzeug. Kein Wunder also, dass sich Lockheed - tatkräftig unterstützt vom US-Verteidigungsministerium - auch diesseits des Atlantiks um neue Abnehmer kümmert. Nicht ohne Grund ist die F-35 der erste Tarnkappenjet überhaupt, der in den Export gehen darf. In Europa fliegen etwa bereits die Briten mit dem neuen Stealth-Flieger.

Auch in Deutschland gibt es Stimmen, die eine Anschaffung der F-35 befürworten. Attraktiv macht das Flugzeug aus der Sicht der Militärs dabei nicht nur die aufwändige Tarnkappentechnologie. Die elektronische Vernetzung von verschiedenen Radar- und Infrarotsensoren soll die einsitzige, voll digitalisierte Maschine vom reinen Waffenträger zum fliegenden Auge machen - das bei Bedarf entweder als Abfangjäger am Himmel oder als Jagdbomber in Kämpfe am Boden eingreifen kann.

Deutschland wäre für die Amerikaner der ideale Partner: Strategisch sind die Deutschen eng mit den USA verbunden. Dazu sind sie vergleichsweise finanzstark und außerdem noch ausgestattet mit einer Luftwaffe von ausreichender Größe, um eine größere Zahl an Maschinen abzunehmen. Das Problem ist nur: In Berlin haben Rüstungsvorhaben dieser Größenordnung längst auch europapolitisches Gewicht. Und angesichts der protektionistischen Linie unter US-Präsident Trump dürfte die Neigung, mehrere Milliarden an deutschen Steuergeldern in den USA auszugeben, auf dieser Seite des Atlantiks eher schwinden.

Quelle: n-tv.de

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