US-Wahl 2020

Schmaler Weg ins Weiße Haus Biden gewinnt, wenn ...

imago0105998860h.jpg

Auch wenn Donald Trump anderer Meinung ist: Noch ist das Rennen nicht entschieden.

(Foto: imago images/Agencia EFE)

Überraschend deutlich gewinnt Donald Trump wichtige Bundesstaaten wie Florida, Ohio und Texas. Damit macht er die Präsidentschaftswahl wie schon vor vier Jahren spannender, als vielen lieb ist. Ein Denkzettel in Form eines klaren Sieges für die Demokraten scheint nach vier Jahren unrühmlicher Präsidentschaft unwahrscheinlich. Aber die Anhänger von Joe Biden müssen (noch) nicht verzweifeln: Ein Desaster wie 2016 muss sich nicht zwingend wiederholen.

Warum ist das Rennen plötzlich so eng?

Donald Trump hat in fast allen traditionellen republikanischen Hochburgen gewonnen, überraschend deutlich auch im neuen "Battleground" Texas, in dem Joe Biden vor der Wahl durchaus Chancen auf eine Überraschung eingeräumt wurden. Außerdem gingen bisher fast alle wichtigen "Swing States", in denen die Wähler ihre Meinung von Wahl zu Wahl ändern und in denen die Ergebnisse bereits vorliegen, an den Amtsinhaber: Trump konnte sich Florida sowie Ohio sichern, ebenfalls überraschend deutlich. In anderen umkämpften Staaten wird noch ausgezählt. In fast allen führt der US-Präsident.

Kurz: Die optimistischsten Prognosen sind aus demokratischer Sicht nicht eingetreten, dadurch blieb auch der frühzeitige K.o. von Trump und den Republikanern aus.

*Datenschutz

Wie sieht es für Joe Biden aus?

Auf den ersten Blick schlechter als gedacht. Dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten ist nur eine winzige Überraschung gelungen: Im Mini-Staat Nebraska können die Wahlmänner und -frauen anders als in fast allen anderen Bundesstaaten aufgeteilt werden. 2016 sicherte sich Trump alle fünf Stimmen für das Electoral College, dieses Jahr geht immerhin eine davon an Biden.

Ansonsten hat der Herausforderer bisher lediglich seine Pflicht erfüllt: Kleine wie große demokratische Hochburgen wurden deutlich gewonnen, mit Minnesota konnte er einen "Swing State" verteidigen. Momentan gleicht das Wahlergebnis verdächtig der Hillary-Clinton-Niederlage.

Auf den zweiten Blick gibt es aber doch einen Hoffnung machenden Unterschied: Arizona.

Was macht den Demokraten Hoffnung?

Arizona, seit 1972 mit einer Ausnahme in republikanischer Hand, strahlt auf den Wahlgrafiken der US-Medien blau. Das zeigt, dass die Demokraten doch in der Lage sind, eine einstige Hochburg in einen "Battleground" zu verwandeln, den sie gewinnen können. Das versprüht Optimismus für einen anderen konservativen Staat im Wandel: In Georgia liefern sich Biden und Trump ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Noch ein anderer Aspekt wird von US-amerikanischen Wahlexperten immer wieder betont: Aufgrund des Auszählungssystems könnte die Führung von Trump im wichtigen "Swing State" Pennsylvania - laut Prognosen führt er 56 zu 43 Prozent - täuschen. Denn dort müssen noch Hunderttausende Stimmen von Briefwählern gezählt werden, die mutmaßlich in großen Teilen auf Biden entfallen werden. Journalist Jonathan Tamari vom "Philadelphia Inquirer" formuliert es auf Twitter für Pennsylvania so: "Biden hat einen riesigen Rückstand. Er kann vielleicht noch gewinnen, aber wenn, wird es sehr, sehr knapp."

Ähnlich ist die Situation in den übrigen beiden "Swing States" Michigan und Wisconsin: Wie in Pennsylvania durfte die Zählung der Briefwahlstimmen dort frühestens am Wahltag beginnen, wie in Pennsylvania fehlen vor allem Stimmen aus den eher demokratisch geprägten Großstädten. Die Verteilung Zehntausender, womöglich sogar Hunderttausender Stimmen steht noch aus. Auch in Michigan müsste Biden allerdings einen Rückstand aufholen.

Welche dieser Staaten braucht Biden?

Mit Arizona, Nevada und Hawaii in demokratischer Hand stünde Biden bei 244 Wahlmännern und -frauen. Gehen Alaska und North Carolina an die Republikaner, hätte Trump 232 Stimmen für das Electoral College sicher.

Bleiben vier wahlentscheidende Bundesstaaten übrig: Georgia, Michigan, Pennsylvania und Wisconsin. Von diesen dürfte aufgrund der Auszählungsregeln als erstes Georgia sein Ergebnis melden, um 14 Uhr deutscher Zeit nehmen die Wahlhelfer ihre Arbeit wieder auf. Derzeit hat Trump nach Auszählung von 92 Prozent der Stimmen einen Vorsprung von gut 100.000 Stimmen, es fehlen aber noch Zehntausende Stimmen der Briefwähler - unter anderem aus dem Bezirk, zu dem auch die Großstadt und demokratische Hochburg Atlanta gehört. Mögliche Optionen sind:

  • Gewinnt Biden Georgia, reicht ihm ein Staat aus dem Block Pennsylvania, Michigan und Wisconsin.
  • Gewinnt Trump Georgia, braucht er zwei Staaten aus dem Block Pennsylvania, Michigan und Wisconsin.
  • Verliert Trump Georgia, muss er alle drei Staaten Pennsylvania, Michigan und Wisconsin gewinnen.

Bis die Auszählung in diesen drei Staaten beendet ist, kann es noch bis zum Freitag dauern. Geht der Wunsch der Demokraten auf, haben sie in mindestens einem davon den Rückstand wettgemacht. Kein Wunder, dass Trump die Auszählung sofort stoppen möchte.

Quelle: ntv.de