Politik

Trump: "Virus wird verschwinden" USA: Gut 50.000 Neuinfektionen an einem Tag

In den USA schnellt die Zahl der Neuinfektionen weiterhin rasant nach oben. Während einige Bundesstaaten Corona-Lockerungen wieder zurücknehmen, glaubt Trump, dass das Virus bald verschwinden werde. Die Demokraten werfen dem Präsidenten vor, im Kampf gegen den Erreger kapituliert zu haben.

In den USA sind rund 50.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus an einem Tag verzeichnet worden. Wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität hervorgeht, sind am Mittwoch rund 50.700 Neuinfektionen gemeldet worden. Die "Washington Post" zählt rund 52.800 Fälle. Seit Beginn der Pandemie bezieht sich ntv.de auf den Datenstand der "New York Times", dieser hatte bereits am zurückliegenden Montag einen Höchststand von 53.730 Neuinfektionen in den Vereinigten Staaten ausgewiesen. Aus den jüngsten Erhebungen (Stand: 6.45 Uhr MEZ) geht ein Tageszuwachs von 48.991 hervor. Seit Beginn der Pandemie haben sich in den USA über 2,6 Millionen Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert. Mindestens 128.000 sind an oder mit dem Virus gestorben.

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Seit einer Woche melden die USA regelmäßig mehr als 40.000 Neuinfektionen am Tag und liegen damit über den Zahlen vom bisherigen Höhepunkt der Pandemie im April und Mai. Die US-Staaten Kalifornien und Michigan nahmen am Mittwoch Lockerungen zurück, Pennsylvania führte eine Maskenpflicht ein. US-Präsident Donald Trump glaubt indes weiter an das Verschwinden des Virus. Die Wirtschaft werde sich bald wieder erholen und "das Virus wird irgendwann gewissermaßen einfach verschwinden", sagte der Republikaner Trump am Mittwoch dem Fernsehsender Fox Business. Die Demokraten werfen Trump angesichts solcher Äußerungen vor, im Kampf gegen das Coronavirus kapituliert zu haben.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, sagte, das Land befinde sich mittlerweile in einer anderen Situation als zu Beginn der Pandemie. Sie verwies - wie auch Trump so oft - darauf, dass mittlerweile deutlich mehr getestet werde. "Wir sind ausgestattet für das, was wir am Horizont sehen", sagte sie in einer Pressekonferenz. Einer der führenden Corona-Experten des Landes, der Immunologe Anthony Fauci, hatte am Dienstag gesagt, die USA bewegten sich in die falsche Richtung. Wenn die Situation nicht unter Kontrolle gebracht werde, könnte es bald täglich bis zu 100.000 Neuinfektionen geben.

US-Vizepräsident Mike Pence setzte seine Reisen in besonders betroffene Staaten fort. Nachdem er am Sonntag Texas besucht hatte, kam er am Mittwoch in Arizona mit dem dortigen Gouverneur Doug Ducey zusammen. Pence sagte dem Gouverneur mitreisenden Reportern zufolge zu, dem Staat zu helfen, das medizinische Personal um 500 Kräfte zu verstärken. "Hilfe ist auf dem Weg", sagte Pence den Angaben zufolge.

Trump gegen landesweite Maskenpflicht

Ducey rief die Menschen in seinem Bundesstaat auf, Masken zu tragen, wenn sie ihr Zuhause verließen, und soziale Distanz zu wahren. Arizona habe schon einmal die Virus-Ausbreitung verlangsamt, sagte Ducey. Nun sei der Zeitpunkt gekommen, es wieder zu tun. Vergangene Woche hatte Trump noch einen Auftritt mit zahlreichen Zuschauern in dem Bundesstaat abgehalten.

Der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom teilte mit, dass Restaurants in 19 stark betroffenen Bezirken - darunter Los Angeles County - ihre Innenbereiche für Gäste wieder schließen müssten. Das gelte auch für den Betrieb von Kinos, Weingütern, Museen und Zoos. Die Einschränkungen sollten mindestens drei Wochen lang gelten. Bereits am Sonntag hatte Newsom die erneute Schließung von Bars in vielen Teilen Kaliforniens angeordnet. Auch für das kommende Feiertagswochenende wurden Maßnahmen verhängt, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

Für Teile Michigans ordnete Gouverneurin Gretchen Whitmer an, dass Bars ihre Innenbereiche wieder schließen müssen, und verwies darauf, dass das Infektionsgeschehen auch mit den Lokalen zusammenhänge. Im Bundesstaat Pennsylvania wurde eine Maskenpflicht angeordnet. Diese sei nötig, um den jüngsten Anstieg an Coronafällen zu stoppen, teilte Gouverneur Tom Wolf mit.

Trump machte deutlich, dass er nichts von einer landesweiten Maskenpflicht hält. Es gebe viele Orte, an denen soziale Distanz gewahrt werden könne, sagte er Fox Business. Trump wird immer wieder damit konfrontiert, dass er sich in der Öffentlichkeit nicht mit Maske zeigt und mit gutem Beispiel vorangeht. Zudem hat er bereits wieder Wahlkampfveranstaltungen abgehalten, bei denen die Zuschauer nicht verpflichtet wurden, Masken zu tragen. Er habe keine Probleme damit, eine Maske zu tragen, sagte Trump. "Ich hatte sogar eine Maske auf (und) ich mochte irgendwie, wie ich ausgesehen habe", sagte er. "Es war eine dunkle, schwarze Maske und ich fand, es sah in Ordnung aus." Er habe ausgesehen wie "Lone Ranger", eine fiktive Figur, die unter anderem aus Westernfilmen bekannt ist - und eine Augenmaske trägt.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa