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Klage gegen Russen eingereicht USA: Spion wollte Internationalen Strafgerichtshof infiltrieren

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Internationaler Strafgerichtshof in Den Haag - dort wollte der mutmaßliche russische Spion anheuern.

(Foto: picture alliance / ANP)

In den Niederlanden wird im April 2022 ein Mann festgenommen, der eine Stelle beim Internationalen Strafgerichtshof antreten wollte. Ermittlungen ergeben, dass er für den russischen Militärgeheimdienst arbeitet. Mittlerweile sitzt er in Brasilien in Haft - die USA wollen ihn ebenfalls zur Rechenschaft ziehen.

Die USA wollen einen mutmaßlichen russischen Spion zur Verantwortung ziehen, der versucht haben soll, den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu infiltrieren. Wie die Staatsanwaltschaft in Washington mitteilte, wurde Klage gegen Sergej Wladimirowitsch Tscherkasow wegen Spionage-Vergehen eingereicht. Die US-Justiz will demnach offenbar verhindern, dass der 37-Jährige von seinem derzeitigen Aufenthaltsland Brasilien nach Russland überstellt wird.

Tscherkasow war im April 2022 von den niederländischen Behörden wegen der Nutzung gefälschter Ausweispapiere festgenommen worden. In den Niederlanden hatte er sich als Brasilianer namens Viktor Muller Ferreira ausgegeben, der eine Stelle beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) antreten wollte. Ermittlungen der niederländischen Polizei ergaben jedoch, dass er nicht Brasilianer ist und für den russischen Militärgeheimdienst GRU arbeitete.

USA: Identität über Jahre aufgebaut

Nach Auffassung der US-Justiz hat sich Tscherkasow über Jahre hinweg eine andere Identität aufgebaut. So belegte er 2018 bis 2020 in Washington einen Master-Studiengang der Johns Hopkins University in internationalen Beziehungen. Hätte er die Stelle am IStGH tatsächlich antreten können, hätte er nach Auffassung der US-Justiz "hochgradig wertvolle" Informationen über die Untersuchung von Kriegsverbrechen in der Ukraine sammeln oder sogar Einfluss auf Verfahrensentscheidungen des Haager Tribunals nehmen können.

Im April 2022 wurde Tscherkasow von den Niederlanden an Brasilien ausgeliefert, wo er sich wegen Identitätsbetrugs verantworten musste. Im Juli wurde er zu 15 Jahren Haft verurteilt. Im September beantragte aber Russland von Brasilien seine Auslieferung, weil ihm dort wegen Drogenhandels in den Jahren 2011 bis 2013 der Prozess gemacht werden solle.

Auch Vorwurf des Bank- und Visa-Betrugs

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Die US-Justiz wirft dem Russen vor, während seines Studiums Informationen über US-Bürger gesammelt und an seine Verbindungsoffiziere weitergegeben zu haben. Außerdem werden ihm Bank- und Visa-Betrug und andere Vergehen in den USA zur Last gelegt.

Ob oder wann die US-Justiz bei Brasilien Tscherkasows Auslieferung beantragen will, teilte sie nicht mit. Staatsanwalt Matthew Graves erklärte aber: "Wenn ausländische Kontrahenten wie Russland Undercover-Kräfte in die USA schicken, werden wir sie finden und strafrechtlich verfolgen im vollen Umfang des Gesetzes."

Quelle: ntv.de, kst/AFP

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