Politik

Fahrt ins Schwarze Meer abgesagt USA schicken vorerst keine Kriegsschiffe

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Vorerst schicken die USA keine neuen Kriegsschiffe ins Schwarze Meer.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Nachdem Russland seine Truppen an der ukrainischen Grenze versammelt, droht die Lage immer weiter zu eskalieren. Die USA sagen die Entsendung zweier ihrer Kriegsschiffe ins Schwarze Meer kurzfristig ab, der ukrainischer Botschafter bittet um militärische Hilfe.

Die USA haben türkischen Angaben zufolge die Entsendung zweier Kriegsschiffe ins Schwarze Meer abgesagt. Die für den 14. und 15. April angekündigte Passage durch die türkische Bosporus-Meerenge sei zurückgezogen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu mit Berufung auf diplomatische Kanäle.

Der ursprünglichen Ankündigung zufolge sollten die bis zum 4. Mai im Schwarzen Meer bleiben. Ob die Passage zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden soll, war zunächst nicht bekannt. Die Türkei hat gemäß dem Vertrag von Montreux die Hoheit über die Meerengen Bosporus und Dardanellen, die das Mittelmeer und das Schwarze Meer verbinden. Handelsschiffe aller Länder haben in Friedenszeiten freie Durchfahrt.

Für Marineschiffe gibt es Beschränkungen. Ob die ursprünglichen Pläne in Verbindung mit der neuerlichen Verschärfung des Konflikts in der Ostukraine gestanden hatten, war nicht bekannt geworden. Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, hatte vergangene Woche keine Stellung zu den Berichten beziehen wollen - jedoch betonte er, dass die USA "routinemäßig" Kriegsschiffe im Schwarzen Meer im Einsatz hätten. Moskau hatte nach der Ankündigung von einer Provokation gesprochen und die USA vor der Ankunft der Kriegsschiffe gewarnt. Auf der Halbinsel Krim ist die russische Schwarzmeer-Flotte stationiert.

Hilferuf aus der Ukraine

Derweil hat der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, vom Westen angesichts des Aufmarschs von russischen Truppen militärische Unterstützung verlangt. "Dieser Aufmarsch ist viel mehr als Muskelspiel, Säbelrasseln oder Kriegstrommeln, wie viele glauben hier in Deutschland", sagte Melnyk dem Deutschlandfunk.

"Wir brauchen militärische Unterstützung. Wir brauchen also modernste Waffensysteme, um unsere Verteidigung zu stärken." In Anbetracht des jetzigen Aufmarschs russischer Truppen entlang der Grenze zur Ukraine wächst vielerorts die Sorge, dass der Konflikt erneut eskalieren könnte. Seit knapp sieben Jahren werden Teile der ostukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk entlang der russischen Grenze von moskautreuen Separatisten kontrolliert.

Russland hatte sich zuvor außerdem die Schwarzmeerhalbinsel Krim mit ihren mehr als zwei Millionen Einwohnern einverleibt. "Das sind leider sehr reale Kriegsvorbereitungen eines neuen militärischen Angriffs auf die Ukraine, die auch in Berlin ernst zu nehmen sind", so Melnyk. Es seien bereits annähernd 90.000 russische Soldaten verlegt worden, sagte der Botschafter. Schätzungen der USA gehen von weit weniger aus. Demnach hat Russland 15.000 bis 25.000 Soldaten auf die annektierte Halbinsel Krim und in Richtung der ukrainischen Grenze bewegt.

Quelle: ntv.de, ses/dpa

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