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Risikofaktor Trump? USA trainieren für Krieg gegen Nordkorea

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Solche Kampfhubschrauber vom Typ Apache waren an den Manövern in North Carolina beteiligt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der falsche Raketen-Alarm auf Hawaii löst auch deswegen Panik aus, weil ein Angriff möglich scheint. Das sieht offenbar auch die Führung des US-Militärs so. Das bereitet sich auf einen Schlag gegen Nordkorea vor.

38 Minuten lang scheint für die Menschen auf Hawaii der Weltuntergang nahe. Panik bricht aus, die Leute glauben, Nordkorea greift den 50. Bundesstaat der USA aus der Luft an. Womöglich mit Atomraketen. Die Unruhe greift auch deswegen so schnell um sich, weil viele einen Krieg zwischen beiden Ländern mittlerweile für möglich halten. Nach all dem Säbelgerassel der vergangenen Monate ist das keine große Überraschung. Nach dem Verbal-Geplänkel darum, wer den größten "nuklearen Knopf" hat, erst recht nicht.

Die Sicherheitslage im Pazifik gibt auch der Führung des US-Militärs zu denken. Wie die "New York Times" berichtet, bereiten sich die Streitkräfte im Hintergrund bereits auf einen Krieg mit Nordkorea vor. Davon zeugten mehrere Manöver, die die Landeoperationen und Kämpfe am Boden trainieren sollen, heißt es in dem Bericht. Dabei gehe es darum, die US-Armee wieder auf einen Krieg gegen eine konventionelle Armee vorzubereiten. Nach 16 Jahren im Kampf gegen Aufständische in Afghanistan und im Irak fragten sich manche Generäle, wie gut die Truppe dazu überhaupt noch in der Lage ist.

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So sei im Dezember im Bundesstaat North Carolina die schnelle Verlegung von Truppen geübt worden, während diese von Artillerie unter Feuer genommen werden. 48 Kampf- und Transporthubschrauber seien dafür im Einsatz gewesen. In Nevada seien 119 Fallschirmjäger in der Dunkelheit abgesprungen, um eine Invasion eines anderen Landes zu trainieren. Auch der Transport von Artillerie, Treibstoff und Munition hinter feindliche Linien sei durchgespielt worden. Bei der Operation "Panther Blade" gehe es darum, einen Feind dazu zu zwingen, an mehreren Fronten zu kämpfen.

Im kommenden Monat sollen der "Times" zufolge tausend Reservesoldaten im gesamten Land so genannte Mobilisierungszentren aufbauen, die ebenfalls der schnellen Truppenverlegung in ein anderes Land dienen sollen. Ein weiteres Manöver imitiere den Kampf in chemisch verseuchten Gebieten. Auch die Kontrolle ungesicherter Atomraketen in Feindesland sei trainiert worden, heißt es in der "Times". Außerdem seien Bomber vom US-Festland nach Guam verlegt worden.

Mattis fände Krieg "katastrophal"

Manöver gehören zwar zum Alltag einer großen Armee, doch, so heißt es in der "Times", lege der Zeitpunkt und das Ausmaß der Übungen nahe, dass deren Ziel es letztlich sei, die US-Streitkräfte auf einen bewaffneten Konflikt mit Nordkorea vorzubereiten. Immerhin hielten Verteidigungsminister James Mattis und der Vereinigte Generalstab einen Krieg mit Nordkorea für "katastrophal", wie Mattis im August sagte. Denn selbst ein konventioneller Gegenschlag könnte Hunderttausende in Seoul töten, das nur wenige Kilometer von der innerkoreanischen Grenze entfernt liegt.

Es könnte Trumps Rede vor den Vereinten Nationen im September gewesen sein, die Mattis dazu bewegte, die Manöver zu befehlen. Dort nannte der US-Präsident den nordkoreanischen Diktator nicht nur "kleinen Raketenmann", sondern drohte gar mit der völligen Zerstörung Nordkoreas, sollte dieser die USA angreifen. Mattis hat zwar stets deutlich gemacht, dass er zuallererst die diplomatischen Initiativen von Außenminister Rex Tillerson unterstützt. Es liege in seiner Verantwortung, sagte Mattis bei der gleichen Pressekonferenz aber, "militärische Optionen" zu haben, sollten sie benötigt werden.

Sollte der Präsident sie benötigen, heißt das. Ob Trump der Nordkorea-Krise gewachsen ist, daran gibt es aber Zweifel. Die äußert beispielsweise der konservative Sicherheitspolitiker und Wissenschaftler Paul D. Miller in der Zeitschrift "Foreign Policy". Der saß einst im Nationalen Sicherheitsrat während der Präsidentschaften von George W. Bush und Barack Obama. Trump glaube wohl, dass Diktatoren stets nachgeben, wenn man ihnen mit Härte begegne. Es sei aber derzeit wahrscheinlicher, dass Trump damit das Gegenteil von dem erreiche, was er wolle. Denn mit seinen Verbalattacken könnte er Kim so weit in die Enge treiben, dass dieser nur noch mit einem Krieg sein Gesicht wahren könnte.

Verhandlungen mit Kim gefordert

Nicht nur, aber besonders für die Hawaiianer wäre das ein Albtraum. So ist es kaum überraschend, dass die dortige demokratische Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard nun direkte Verhandlungen mit Kim Jong Un fordert. Sie sagte, die Politiker müssten verstehen, warum Kim Jong Un seine Atomwaffen nicht aufgeben wolle. Dass die USA in der Vergangenheit andere Länder angegriffen und die dortigen Regime absetzten, habe Nordkorea zu der Auffassung gebracht, dass nur Atomwaffen es davor schützen können. Die Regierung in Washington müsse garantieren, dass sie nicht auf einen "Regime Change" aus sei - dann könnten Gespräche über die nukleare Abrüstung beginnen.

Vielleicht ist eine Verständigung gar nicht so weit entfernt. So haben Nord- und Südkorea vergangene Woche wieder Gespräche aufgenommen. Die baldigen Olympischen Winterspiele mit Teilnehmern aus beiden Staaten könnten ebenfalls zur Entspannung beitragen. Und vielleicht hat Trumps jüngster Angriff auf die Medien auch sein Gutes. Der Präsident fühlte sich falsch zitiert. Er habe gesagt, er könnte eine gute Beziehung zu Kim Jong Un haben, insistierte er. Dank der folgenden lautstarken Diskussion dürfte man das Zitat auch in Pjöngjang gehört haben.

Quelle: n-tv.de

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