Politik

Scharfe Kritik aus Pjöngjang USA und Südkorea beginnen Manöver

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Wie in jedem Jahr (hier 2016) beginnen die USA und Südkorea nun ihr gemeinsames Manöver.

(Foto: AP)

Einmal im Jahr absolvieren die USA und Südkorea ein gemeinsames Manöver. Nun ist es wieder soweit - und wie immer schäumt Pjöngjang vor Wut. Schließlich könne es zu "tatsächlichen Kämpfen" kommen.

Inmitten schwerer Spannungen mit Nordkorea haben die USA und Südkorea ihr jährliches gemeinsames Militärmanöver begonnen. Das erklärte ein Sprecher der US-Streitkräfte in Korea (USFK). Zehntausende Soldaten nehmen an den auf zwei Wochen angelegten Übungen teil. Seitens der US-Armee beteiligen sich insgesamt 17.500 Soldaten an dem Manöver - und damit 7500 weniger als noch im vergangenen Jahr.

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Auch diese amerikanische U-2 Dragon Lady ist Teil des Manövers.

(Foto: REUTERS)

Nordkorea fühlt sich durch das Manöver bedroht. Pjöngjang warf den USA vor, auf der koreanischen Halbinsel "Öl ins Feuer zu gießen". Niemand könne garantieren, dass sich das Manöver nicht zu "tatsächlichen Kämpfen" ausweite, hieß es in der Staatszeitung "Rodong Sinmun".

Südkoreas Präsident Moon Jae-in sagte vor Kabinettsmitgliedern, dass die Übung ausschließlich defensiv sei und nicht zum Ziel habe, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu verschärfen. An den kommunistischen Nachbarn gerichtet erklärte Moon: "Nordkorea sollte weder unsere Anstrengungen überstrapazieren, den Frieden zu wahren, noch sollte es zu Provokationen greifen, die die Situation verschlimmern, und dafür das Manöver als Entschuldigung anführen."

China findet das Manöver nicht hilfreich. "Wir denken nicht, dass die gemeinsamen Übungen die gegenwärtigen Spannungen abbauen", sagte die Außenamtssprecherin Hua Chunying in Peking. Die Lage auf der koreanischen Halbinsel sei "sehr heikel und anfällig". Die betreffenden Parteien, darunter Südkorea, die USA und Nordkorea sollten sich bemühen, die Spannungen abzubauen. Auch sollten sie den chinesischen Vorschlag erwägen, wonach die USA und Südkorea ihre Militärübungen aussetzen und Nordkorea im Gegenzug sein Atom- und Raketenprogramm einstellt, um neue Verhandlungen aufzunehmen.

Im Zentrum der seit langem geplanten Übung "Ulchi Freedom Guardian" stehen computergestützte Simulationen eines Kriegs auf der koreanischen Halbinsel. US-Verteidigungsminister James Mattis sagte am Sonntag, Ziel der Übung sei es, die Fähigkeit und Bereitschaft der USA sicherzustellen, "Südkorea und unsere Verbündeten zu verteidigen". Die USA haben in Südkorea 28.500 Soldaten stationiert.

Gabriel will sich nicht einmischen

Im Konflikt um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm hatte sich der Ton zwischen Washington und Pjöngjang zuletzt deutlich verschärft. US-Präsident Donald Trump drohte Nordkorea mit einem Militäreinsatz. Daraufhin erklärte Pjöngjang, einen Raketenangriff auf Ziele vor der US-Pazifikinsel Guam vorzubereiten. Zuletzt rückte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un von dieser Drohung aber wieder ab. Allerdings wird befürchtet, Nordkorea könnte auf die nun begonnene Militärübung beispielsweise mit neuen Raketentests reagieren.

Derweil sieht Bundesaußenminister Sigmar Gabriel keinerlei deutsche Vermittlerrolle im Streit mit Nordkorea. "Ich rate zu Zurückhaltung, was eine deutsche Rolle angeht", sagte er. "Das ist ein Konflikt auf der anderen Seite der Erde. Das fände man dort ungewöhnlich, wenn wir uns als Vermittler anbieten würden."

Die Europäische Union könne aber ihre Erfahrungen einbringen, die sie in den Atomverhandlungen mit dem Iran gesammelt habe, die 2015 zu einem Abkommen führten, sagte Gabriel. Deutschland zählt zu den wenigen Ländern, die eine Botschaft in Pjöngjang haben und damit auch gewisse Gesprächskanäle zur nordkoreanischen Führung.

Quelle: ntv.de, mli/AFP/dpa/rts