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Waffenkontrollverträge vor Aus? USA werfen Russland Atomtests vor

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Auf dem russischen Archipel Nowaja Semlja sollen laut USA auch Nuklearwaffen zum Einsatz kommen.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Auf einem entlegenen Archipel nahe dem nördlichen Polarkreis soll Russland nukleare Waffen testen. Das geht aus einer offiziellen Mitteilung eines US-Geheimdienstes hervor. Es ist das erste Mal, dass die USA diesen Vorwurf gegen Russland erheben.

Die USA haben Russland bezichtigt, Tests mit nuklearen Waffen durchgeführt zu haben. Gemeinsam mit der Nachrichtendienstgemeinschaft habe die US-Regierung festgestellt, "dass Russland Atomwaffentests durchgeführt hat, bei denen Kernenergie freigesetzt wurde", sagte Generalleutnant Robert P. Ashley Jr. bereits in einer Rede Ende Mai. Das geht aus einer nun veröffentlichten Mitteilung der Defense Intelligence Agency (DIA) hervor, einem von Ashley geleiteten US-Militärgeheimdienst. Es ist das erste Mal, dass die USA öffentlich einen solchen Vorwurf gegen Russland erheben. In dem offiziellen Redemanuskript ist die nun verbreitete Aussage nicht enthalten.

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Der Mitteilung zufolge hat Ashley Jr. seine Rede am 29. Mai am Hudson Institute gehalten, einem konservativen Think Tank in der US-Hauptstadt Washington. Nach einem damaligen Bericht des "Wall Street Journal" benannte der 59-Jährige das abgelegene Archipel Nowaja Semlja als Ort der vermeintlichen Atomwaffentests. Auf der russischen Doppelinsel jenseits des nördlichen Polarkreises hatte die Sowjetunion einst mehr als 100 Kernwaffenversuche unternommen. Die Ortsangabe geht allerdings nicht aus der aktuellen DIA-Mitteilung hervor.

Erst vergangene Woche hatte der russische Präsident Wladimir Putin damit gedroht, den Waffenkontrollvertrag New Start zur mit den USA vereinbarten Frist im Jahr 2021 auslaufen zu lassen. Zudem erklärte er, dass derzeit eine neue Waffengeneration entwickelt werde, mit der die Sicherheit Russlands langfristig garantiert sei. Das 2010 geschlossene New-Start-Abkommen sieht eine Verringerung der Zahl der einsatzbereiten Atomsprengköpfe um gut ein Drittel auf jeweils 1550 sowie eine Begrenzung der Trägersysteme auf jeweils 800 vor.

Bereits Anfang Februar waren Russland und die USA aus dem INF-Abrüstungsvertrag ausgestiegen. Einigen sich beide Seiten nicht noch auf einen Erhalt des Abkommens, würde es nach einer Sechs-Monats-Frist Anfang August automatisch auslaufen. Dieses Abkommen verbietet landgestützte Raketen und Marschflugkörper mit einer Reichweite zwischen 500 und 5500 Kilometern, die Atomsprengköpfe tragen können.

Im Gegensatz zu den USA hat Russland allerdings den Kernwaffenteststoppvertrag CTBT bereits im Jahr 2000 sowohl unterschrieben als auch ratifiziert. Die USA haben den Vertrag von 1996 lediglich unterschrieben. Somit verhindern sie wie Ägypten, China, Indien, Iran, Israel, Nordkorea und Pakistan bis heute das Inkrafttreten des CTBT. Dieser beinhaltet ein umfassendes Verbot jeglicher Waffentests, die nukleare Energie erzeugen.

Quelle: n-tv.de, cri/AFP

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