Politik

Freiwillige in der Ukraine Brutalität des Krieges schockt ausländische Kämpfer

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Zivile Opfer nimmt Russland in Kauf: Bei einem Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum in Krementschuk wurden mindestens 18 Menschen getötet.

(Foto: REUTERS)

Hunderte Menschen aus Ländern wie Georgien, Großbritannien und Kanada haben sich seit Kriegsbeginn als freiwillige Kämpfer in der Ukraine gemeldet. Doch viele halten keinen längeren Einsatz aus. Sie seien von der "Brutalität der Kriegsführung" überrascht, heißt es.

Sie haben in Afghanistan oder dem Irak gekämpft, und dennoch sind viele freiwillige ausländische Kämpfer von der Brutalität des Ukraine-Krieges schockiert. "Manchmal sagen sie nach den ersten Gefechten: 'Darauf sind wir nicht vorbereitet', und gehen nach Hause", sagt Polak. Er ist einer der Freiwilligen und erzählt in einem Supermarktcafé im ostukrainischen Kramatorsk von seinen Erfahrungen in der Internationalen Legion für die Verteidigung der Ukraine.

"Ehrlich gesagt, gibt es ziemlich viele Feiglinge", sagt Polak, dessen Staatsangehörigkeit zu seinem eigenen Schutz geheim bleiben soll. Er schätzt die Zahl der ausländischen Kämpfer auf "vielleicht mehrere Hundert". Die Freiwilligen kämen aus vielen verschiedenen Ländern, unter ihnen "Kanadier, Georgier, Kroaten". Für einen Krieg mit Artilleriebeschuss sind sie offenbar nicht ausgebildet.

Wie gefährlich der freiwillige Einsatz ist, zeigten zuletzt Todesfälle eines Deutschen, eines Niederländers, eines Franzosen und eines Australiers. Die pro-russischen Separatisten verurteilten zudem zwei Briten und einen Marokkaner, die für die Ukraine kämpften, zum Tode. Seit Beginn des Einmarsches hätten die russischen Streitkräfte "Hunderte" ausländische Kämpfer getötet, erklärte Moskau Anfang Juni.

Der Sprecher der Internationalen Legion, der Franzose Damien Magrou, räumt ein, dass die ausländischen Kämpfer - viele von ihnen aus NATO-Staaten - von der Brutalität der Kriegsführung überrascht seien. "Ein Amerikaner, der in sechs Kriegen gekämpft hat, meinte zu mir, das sei das Schlimmste, was er je gesehen habe", berichtet der 33-Jährige. "Raketen, Bombardierungen - vor Ort ist es ganz anders, als sie es vielleicht erwartet haben."

Einsatz bringt manchen in ihrem Heimatland Probleme

Zwischen 10 und 30 Prozent der Rekruten hätten bereits nach kurzer Zeit die Waffen niedergelegt, sagt Magrou. "Fast alle Teilnehmer sind ehemalige Soldaten, ein Drittel von ihnen kommt aus einem englischsprachigen Land." Umgangssprache in der Legion sei deshalb auch Englisch. Die übrigen kommen dem Sprecher zufolge hauptsächlich aus Mittel- und Osteuropa.

Die Gründe für den freiwilligen Kampfeinsatz sind verschieden. "Die Amerikaner kämpfen für Freiheit und westliche Werte, während die Polen sagen, dass sie die Ukraine verteidigen wollen, weil sie damit auch ihr Land verteidigen", sagt Magrou. "Ich wollte herkommen, nachdem ich die Bilder im Fernsehen gesehen habe", sagt Mika, ein Deutscher. "Ich war bei der Armee, und da dachte ich, ich könnte helfen. Wenn wir den Aggressor in der Ukraine nicht aufhalten, wird er ein Land nach dem anderen überfallen."

Die Freiwilligen der Legion unterzeichnen einen Vertrag mit den ukrainischen Streitkräften. Dennoch steht es ihnen frei, jederzeit wieder zu gehen. Manch einem bringt der Einsatz in der Ukraine in seinem Heimatland Probleme. In Staaten wie Italien oder Südkorea "riskiert man eine Klage", sagt Sprecher Magrou. London riet britischen Soldaten und Veteranen von der Teilnahme an dem Konflikt ab.

Magrou selbst hatte zwei Jahre in einer Kanzlei in Kiew gearbeitet, als Russland die Ukraine angriff. Beim Interview in der Hauptstadt trägt er Militäruniform und spricht Französisch. Als eine ältere Frau ihn so sieht, winkt sie ihm zu. "Wir werden von der ukrainischen Zivilbevölkerung sehr geschätzt", sagt Magrou. "Die Leute geben uns zu essen und bedanken sich für unseren Einsatz."

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 29. Juni 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, Anna Malpas und Blaise Gauquelin, AFP

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