Politik

Russischer Aufmarsch im Donbass Ukraine erwartet Ost-Offensive "bald"

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Eine Aufnahme aus Mariupol vom Sonntag, kurz vor der "Befreiung" der Stadt durch russische Truppen.

(Foto: REUTERS)

Die Ukraine geht davon aus, dass eine neue russische Offensive in Kürze starten wird. "Der Feind hat seine Vorbereitungen fast beendet", erklärt das Verteidigungsministerium in Kiew. Russland warnt unterdessen vor einem Angriff mit Chemiewaffen.

Russland bereitet weiter eine Großoffensive gegen den Osten der Ukraine vor. Die Ukraine erwarte "eine der schwierigsten Schlachten", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dem US-Sender CBS.

"Es wird mehr als eine Schlacht geben", so Selenskyj weiter. "Wir glauben, dass es eine neue Welle in diesem Krieg sein wird." Ob die Ukraine siegen könne, hänge davon ab, wie schnell neue Waffenlieferungen aus den USA ankämen. Er habe "hundertprozentiges Vertrauen" in die Ukrainer und in die ukrainische Armee, "aber ich habe kein Vertrauen darin, dass wir alles bekommen, was wir brauchen". In einer Videoansprache vor dem südkoreanischen Parlament hatte Selenskyj zuvor erklärt, Russland habe "Zehntausende Soldaten zusammengezogen und eine gewaltige Menge an militärischem Gerät, um neue Angriffe zu starten".

Die ukrainische Armee rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die Offensive in Kürze startet. "Der Feind hat seine Vorbereitungen für einen Angriff auf den Osten fast beendet", sagte der Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Oleksandr Motuzyanyk, nach Angaben der "Kyiv Post". Der Angriff werde "bald" beginnen.

Auch westliche Beobachter gehen davon aus, dass die Bemühungen der russischen Armee derzeit in erster Linie auf die Eroberung der Ostukraine gerichtet sind. Konkrete Ziele sind nach Einschätzung des Institute for the Study of War (ISW), einer US-amerikanischen Denkfabrik, die Städte Charkiw und Isjum, das weiter nördlich gelegene Sumy sowie die "Südachse" von Mariupol bis zur ukrainischen Schwarzmeerküste.

Russland spricht über Chemiewaffenangriff

Das ISW verweist auf Satellitenaufnahmen vom vergangenen Freitag, die eine Kolonne von mehreren Hundert Fahrzeugen zeigen, die sich auf dem Weg nach Isjum befinden. Ziel sei es, die eroberten Gebiete zwischen Isjum und Luhansk zu verbinden. Zu den Fahrzeugen des Konvois gehören gepanzerte Fahrzeuge und Artillerie. Dem ISW zufolge ist er mindestens 13 Kilometer lang.

Der Aufmarsch der Armee wird flankiert von staatlicher Propaganda. So behauptete der stellvertretende Vorsitzende des Föderationsrats, Konstantin Kossatschow, westliche Länder planten den Einsatz von Massenvernichtungswaffen in der Ukraine, um weitere Sanktionen gegen Russland vor ihren Bevölkerungen rechtfertigen zu können.

"Vor diesem Hintergrund ist das Gerede westlicher Politiker zum Beispiel über Chemiewaffen immer besorgniserregender", sagte Kossatschow der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Novosti. Ohne es ausdrücklich zu sagen, sprach er offenbar von einem Einsatz solcher Waffen durch westliche Staaten, um dies dann Russland in die Schuhe zu schieben. Das entspricht der russischen Linie, die Verantwortung für Kriegsverbrechen abzustreiten und der Ukraine anzulasten.

Eine ähnliche Verlautbarung kam vom russischen Verteidigungsministerium. Unter Anleitung der britischen Geheimdienste bereite das "Kiewer Regime" neue falsche und inszenierte "Provokationen" vor, um der russischen Armee Verbrechen an der ukrainischen Bevölkerung vorwerfen zu können, heißt es in einem Briefing des russischen Verteidigungsministeriums. So sollten in dem Dorf Nyschnja Syrowatka nahe Sumy Leichen in einen Keller geschafft werden, um sie als Opfer der russischen Armee zu präsentieren. Die ukrainische Armee hatte am Freitag erklärt, die Region Sumy sei vollständig zurückerobert worden.

Hafen von Mariupol angeblich erobert

Ria Novosti meldet unterdessen militärische Erfolge aus der Region um die ostukrainische Stadt Charkiw sowie aus dem schwer umkämpften Mariupol. So sei die Ortschaft Kamjanka rund 70 Kilometer südlich von Charkiw von russischen Truppen besetzt worden. Außerdem hätten Truppen der von Moskau kontrollierten "Volksrepublik Donezk" den Hafen von Mariupol eingenommen.

Russische Medien sprechen von einer "Befreiung" der weitgehend zerstörten Stadt. Zuvor hatte die 36. Marinebrigade der ukrainischen Streitkräfte auf Facebook erklärt, heute werde in Mariupol wahrscheinlich die letzte Schlacht stattfinden. Das bedeute "Tod für einige von uns und Gefangenschaft für die anderen".

Die Errichtung humanitärer Korridore für Flüchtlinge aus der Stadt waren von der russischen Armee immer wieder angekündigt, dann aber blockiert worden. Bei seiner Rede vor dem südkoreanischen Parlament sagte Selenskyj, in Mariupol seien Zehntausende Menschen getötet worden.

Nach amtlicher russischer Darstellung wurden am 25. März "die Hauptaufgaben der ersten Phase" des Krieges abgeschlossen, indem "das Kampfpotential der Ukraine erheblich reduziert" wurde. Das Hauptziel sei nun die "Befreiung" des Donbass.

Quelle: ntv.de, hvo

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