Militär: Auch Flugplatz getroffenUkraine feuert Flamingos auf entlegene russische Raketenfabrik

Für Angriffe im russischen Hinterland kann die Ukraine ihren selbst hergestellten Marschflugkörper namens Flamingo einsetzen. Nun will das Militär damit gleich zwei wichtige Ziele getroffen haben.
Das ukrainische Militär hat eigenen Angaben zufolge das Raketen- und Raumfahrtzentrum im russischen Samara angegriffen. Die Streitkräfte hätten auch den Militärflugplatz Sawasleika, einen Stützpunkt für russische Kampfflugzeuge, beschossen, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Telegram mit. Flamingo-Marschflugkörper hätten die rund 900 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernte Raketenfabrik in Samara getroffen.
Ziel sei es, den Druck auf die Regierung in Moskau zur Beendigung des mehr als vierjährigen Krieges zu erhöhen. "Es ist wichtig, dass das russische Kriegspotenzial verringert wird", schrieb Selenskyj auf der Plattform X. "Frieden ist nötig, und das muss in Russland spürbar sein - durch konkreten Schaden an bestimmten Einrichtungen." Auf dem angegriffenen Flugplatz seien Flugzeuge stationiert, die für Angriffe auf die Ukraine eingesetzt würden. Der Stützpunkt Sawasleika ist rund 700 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.
Dem ukrainischen Generalstab zufolge gab es direkte Treffer und Brände auf dem Flugplatz in der Region Nischni Nowgorod sowie im Raumfahrtzentrum Progress in der Region Samara. Nähere Einzelheiten zu den Schäden werden nicht mitgeteilt. Samara ist eines der wichtigsten Zentren der russischen Luft- und Raumfahrtindustrie. Die Stadt entwickelte sich vor allem in der Sowjetzeit zu einem Kernstandort für die Produktion von Trägerraketen, Satelliten und Raumfahrttechnik.
In den vergangenen Monaten hat die Ukraine verstärkt strategisch wichtige Objekte im russischen Hinterland attackiert - zumeist mit Drohnen, mehrfach inzwischen aber auch mit den selbst entwickelten Marschflugkörpern des Typs Flamingo. Diese sollen eine Reichweite von bis zu 3000 Kilometer haben. Die Ukraine produziert sie seit dem vergangenen Jahr.
Russisches Samara bestätigt massiven Raketenangriff
In dem Werk in Samara werden den ukrainischen Angaben nach Raketen für das Breitbandnetzwerk Rasswet hergestellt. Russland entwickelt dieses als Alternative zum Starlink-System des US-Unternehmens SpaceX, das der Ukraine erhebliche Vorteile bei der Drohnensteuerung und der Kommunikation auf dem Schlachtfeld verschafft. Von den Behörden in Nischni Nowgorod gab es zunächst keine Bestätigung für den Angriff auf den Flugplatz. In der Region Samara teilten örtliche Vertreter mit, die Luftverteidigung habe einen massiven Raketenangriff abgewehrt. Die industrielle Infrastruktur habe örtlich begrenzte Schäden erlitten, erklärte der Verwaltungschef der regionalen Hauptstadt, Iwan Noskow. Rettungskräfte seien im Einsatz.
Das russische Verteidigungsministerium teilte am Samstag mit, in den vergangenen 24 Stunden ukrainische Logistikzentren sowie Treibstoff-, Energie- und Verkehrsinfrastruktur angegriffen zu haben. Zudem seien Montagehallen für Langstreckendrohnen und Drohnenboote getroffen worden. Zu den Zielen habe ein Lager für Langstreckendrohnen in der ukrainischen Region Tschernihiw gehört. Die Berichte beider Seiten ließen sich nicht unabhängig überprüfen.
Russische Truppen waren im Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert. Während sich das Vorrücken an den Fronten in diesem Jahr Analysten zufolge verlangsamt hat, setzen die russischen Streitkräfte ihren Druck auf wichtige Städte in der ostukrainischen Region Donezk fort. Beide Seiten haben ihre weitreichenden Angriffe auf verschiedene Ziele zuletzt verstärkt.