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Diese Waffen setzen Russland zuDas Langstrecken-Arsenal der Ukraine

20.05.2026, 15:42 Uhr
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Der ukrainische Marschflugkörper vom Typ Flamingo gilt als die Langstreckenwaffe mit der größten Reichweite und Sprengkraft - allerdings ist über erfolgreiche Einsätze bisher wenig bekannt. (Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa)

Die Ukraine sorgt zuletzt mit spektakulären Schlägen tief ins russische Kernland für Aufsehen. Vor allem Waffensysteme, Öl-Infrastruktur und Rüstungsbetriebe geraten ins Visier der ukrainischen Drohnen und Marschflugkörper. Zuletzt war auch die gut geschützte Hauptstadt Moskau betroffen. Kiew kann nach vier Jahren Krieg auf ein breites Arsenal an Langstreckenwaffen zurückgreifen. Eine Übersicht.

Kiew hat sein Arsenal von Langstreckendrohnen, Raketen und Marschflugkörpern mit hoher Reichweite in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Die Waffen kommen mittlerweile überwiegend aus heimischer Produktion, teilweise von Startups, die erst nach Kriegsbeginn gegründet wurden. Doch auch europäische Betriebe liefern Drohnen und technische Komponenten.

Die Zahl der Langstreckenwaffen ist mittlerweile groß und wird zunehmend unübersichtlich. Das ukrainische Präsidialamt hatte kürzlich jedoch eine Übersicht veröffentlicht - in ihr werden die Daten zu den wichtigsten Waffensystemen mit langer Reichweite genannt:

  • Der bodengestützte Langstrecken-Marschflugkörper Flamingo, dessen Serienproduktion im Jahr 2025 begann. Er soll Ziele in einer Entfernung von bis zu 3000 Kilometern treffen können. Der Sprengkopf hat ein Gewicht von über einer Tonne.

  • Die Marschflugkörper-Drohne Ruta ist für Angriffs- und Aufklärungsmissionen konzipiert. Sie soll eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern haben. Ab 2024 wird die Drohne des europäischen Herstellers Destinus an die ukrainischen Streitkräfte geliefert.

  • Die Raketendrohne Peklo soll sich durch hohe Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit auszeichnen. Ihre Reichweite beträgt angeblich bis zu 700 Kilometer, sie soll 23 Kilogramm Sprengstoff ins Ziel tragen können.

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Die Raketendrohne Peklo wird von Ukrainian Defense Industry hergestellt. Der Name bedeutet übersetzt "Hölle" oder "Inferno". (Foto: ---/ukrin/dpa)
  • Die Schiffsabwehr-Marschflugrakete R-360 Neptune wurde zur Zerstörung von Oberflächen- und Bodenzielen konzipiert. Ihre Reichweite beträgt laut Kiew bis zu 300 Kilometer. Sie kann einen 150-Kilogramm-Sprengkopf tragen. Eine optimierte Version, die R-360L, soll eine Reichweite von bis zu 1000 Kilometern haben - mit einem 260 Kilogramm schweren Gefechtskopf.

  • Die Langstrecken-Raketen-Drohne Palyanytsia wurde im August 2024 erfolgreich eingesetzt. Sie ist mit einem Turbostrahltriebwerk ausgestattet. Berichten zufolge soll der Flugkörper 100 Kilogramm Nutzlast über eine Distanz von bis zu 650 Kilometern ins Ziel transportieren können.

  • Die Kamikaze-Angriffsdrohne Sichen kam erstmals 2023 zum Einsatz. Sie hat eine Reichweite von bis zu 1400 Kilometern und trägt einen Sprengkopf von bis zu 40 Kilogramm.

  • Die Langstrecken-Kamikaze-Drohne Liutyi hat eine Reichweite von bis zu 2000 Kilometern und einen Sprengkopf von 50 bis 75 Kilogramm. Sie wurde 2024 in Dienst gestellt.

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Die AN-196 Liutyi gilt als die ukrainische Shahed. Rund 6000 Stück sollen bisher produziert worden sein. (Foto: x.com)
  • Die Langstreckendrohne Morok wurde erstmals 2023 von ukrainischen Soldaten eingesetzt. Sie kann 30 Kilogramm über eine Entfernung von bis zu 800 Kilometern transportieren.

  • Die Marschflugkörper-Drohne Bars wurde im Jahr 2024 entwickelt. Sie ist dafür ausgelegt, Ziele in einer Reichweite von bis zu 700 bis 800 Kilometern anzugreifen. Es handelt sich um ein serienmäßig hergestelltes System, das mit einem kompakten Turbostrahltriebwerk ausgestattet ist. Ihr Gefechtskopf ist 50 bis 60 Kilogramm schwer.

  • Die Kamikaze-Drohne Obriy wurde laut dem ukrainischen Präsidialamt erstmals 2023 eingesetzt. Sie verfügt über ein Jet-Triebwerk, hat eine Reichweite von 800 Kilometern und einen Sprengkopf von 10 Kilogramm Gewicht.

  • Das Herzstück der ukrainischen Langstrecken-Angriffe ist die Kamikaze-Drohne FP-1 mit ihrer Reichweite von bis zu 1600 Kilometern und einem Sprengkopf von bis zu 120 Kilogramm. Sie wurde je nach Bericht im Sommer 2024 oder Mai 2025 erstmals eingesetzt. Sie soll pro Stück etwa 50.000 Dollar kosten und für einen Großteil der Attacken in Russland verantwortlich sein.

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Das erst nach Kriegsbeginn gegründete ukrainische Unternehmen Fire Point hat die FP-1-Drohne (FP steht für Fire Point) als Langstreckenwaffe entwickelt. (Foto: REUTERS)

Viele der bisher von der Ukraine gegen Ziele in Russland eingesetzten Langstreckenwaffen sind vergleichsweise leicht bewaffnet. Dennoch entfalten sie durch Masseneinsatz eine ebenfalls beträchtliche Schlagkraft. Über Einsätze des schweren Marschflugkörpers Flamingo (auch FP-5) ist hingegen trotz großer Ankündigung im Spätsommer 2025 bisher kaum berichtet worden.

Nicht erwähnt vom ukrainischen Präsidialamt wurde die Sapsan-Rakete, die seit Dezember 2025 offiziell im Kampfeinsatz ist. Sie ist die bisher einzige ukrainische ballistische Kurzstreckenrakete in Serienproduktion. Sie soll bis zu fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen, die Reichweite beträgt je nach Quelle 300 oder 500 Kilometer. Der Gefechtskopf hat ein Gewicht von fast einer halben Tonne. Damit wäre sie nach dem Flamingo die schlagkräftigste Waffe der Ukrainer.

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Mit der Sapsan-Rakete, auch Hrim-2 oder Grom-2 genannt, erhält die Ukraine eine Langstreckenwaffe, die aufgrund ihrer Geschwindigkeit und ballistischen Flugbahn schwieriger abzufangen ist. (Foto: VoidWanderer/CC BY-SA 4.0)

Bevor die Ukraine die Produktion eigener Langstreckenwaffen hochgefahren hatte, setzte sie vor allem auf Lieferungen aus dem Ausland: darunter die Storm Shadow oder Scalp genannten Luft-Boden-Marschflugkörper aus Großbritannien und Frankreich. Diese können einen 450 Kilogramm schweren Gefechtskopf tragen und haben eine Reichweite von mehr als 250 Kilometern.

Aus den USA waren 2023 zudem Kurzstrecken-Raketen des Typs ATACMS geliefert worden. Die unterschiedlichen Varianten hatten Reichweiten zwischen 165 und 300 Kilometern und konnten zwischen 230 und 560 Kilogramm Sprengstoff transportieren. Beobachter gehen davon aus, dass die Ukraine mittlerweile nur noch geringe Bestände von Storm Shadow und ATACMS hat.

Quelle: ntv.de, kst

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