Politik

Kiew: Würden Angriffe einstellenUkraine nach Waffenruhe-Ankündigung Trumps skeptisch

30.01.2026, 13:33 Uhr
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Ukrainische Soldaten bereiten an einem unbekannten Ort eine Langstreckendrohne des Typs An-196 Liutyi für den Start vor. (Archivbild) (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

US-Präsident Trump kündigt eine begrenzte Waffenruhe zwischen der Ukraine und Russland an. In der vergangenen Nacht bleiben Angriffe auf ukrainische Energieanlagen tatsächlich aus. Der ukrainische Präsident Selenskyj will aber abwarten.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat für eine mögliche begrenzte Waffenruhe mit Russland die Einstellung ukrainischer Attacken auf russische Objekte in Aussicht gestellt. "Wenn Russland nicht auf unsere Energieanlagen feuert, dann werden wir ihre nicht angreifen", sicherte Selenskyj in einem Gespräch mit Journalisten zu. Einen direkten Kontakt zwischen Moskau und Kiew habe es nicht gegeben.

Russland bestätigte inzwischen den Vorstoß von US-Präsident Donald Trump für eine kurzzeitige Einstellung der russischen Angriffe auf Kiew. Trump habe den russischen Präsidenten Wladimir Putin darum gebeten, die Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt "eine Woche lang bis zum 1. Februar" auszusetzen, "um günstige Bedingungen für Verhandlungen zu schaffen", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Er machte keine Angaben dazu, wann Trump Putin um die Feuerpause gebeten hat. Auch Trump war darauf nicht näher eingegangen. "Ich habe Präsident Putin persönlich gebeten, eine Woche lang nicht auf Kiew und die anderen Städte zu schießen", hatte der US-Präsident am Donnerstag gesagt. Putin habe dem zugestimmt. Peskow bestätigte dies heute.

In der vergangenen Nacht hat es nach Angaben Selenskyjs keine russischen Angriffe auf Energieanlagen gegeben, am Donnerstagnachmittag sei aber Energieinfrastruktur in mehreren Regionen angegriffen worden. Russland verlege den Schwerpunkt derzeit auf die Logistik, schrieb er auf X. Zudem sei bei einem Angriff in Charkiw die Produktionsstätte eines US-Unternehmens beschädigt worden.

In seiner abendlichen Videoansprache hatte sich Selenskyj zuvor zurückhaltend zu der von Trump am Donnerstag angekündigten Waffenruhe geäußert. Er dankte zunächst den USA für die Bemühungen, ein Moratorium für russische Angriffe auf Energieanlagen zu erreichen. "Die Lage jetzt in der Nacht und in den kommenden Tagen, die tatsächliche Situation in unseren Energieanlagen und Städten" werde zeigen, ob es eine solche Waffenruhe tatsächlich geben werde, sagte Selenskyj.

Nicht nur der Staatschef, sondern auch die ukrainischen Behörden stehen den Bemühungen um eine Waffenruhe skeptisch gegenüber. Der Bürgermeister der westukrainischen Stadt Lwiw, Andrij Sadowyj, rief seine Landsleute dazu auf, sich auf den Katastrophenfall vorzubereiten. Russland könne den Kälteeinbruch nutzen, um noch einmal eine schwerere Angriffswelle zu starten. Die Temperaturen in der Ukraine erreichen zweistellige Minusgrade. Vor allem für ältere Menschen ist die Gefahr eines Kältetodes hoch.

Militärexperte: Zynisches Kalkül

Sollte der Kreml tatsächlich der Waffenruhe zustimmen, würde er dies nach Ansicht des Militärexperten Nico Lange nicht aus Barmherzigkeit oder aufgrund eines Wunsches nach Frieden geschehen. Lange sieht dahinter ein zynisches Kalkül: "Putin hat seine Raketen verschossen und die Menschen in der Ukraine sitzen in bitterer Kälte und im Dunkeln. Und nachdem alles kaputt und die Raketen erstmal verbraucht sind, verkauft er Trump 'eine Woche nicht in Städte feuern' als große gutmütige Geste", schrieb er auf X.

Auch Daten der ukrainischen Luftwaffe lassen vermuten, dass die russischen Streitkräfte derzeit weniger Drohnen und Raketen zur Verfügung haben. Zwar greift Russland die Ukraine weiterhin jede Nacht an, um den Jahreswechsel herum ist die Intensität der Luftangriffe jedoch zurückgegangen. Im Januar setzte Russland dreimal mehr als 300 Drohnen, Raketen und Marschflugkörper in einer Nacht ein. In den Monaten zuvor erfolgten regelmäßig nächtliche Massenangriffe mit Hunderten Angriffskörpern.

Selenskyj lädt Putin nach Kiew ein

Selenskyj ging auch auf russische Äußerungen zu direkten Gesprächen zwischen Selenskyj und Putin in Moskau ein. "Fraglos ist das unmöglich, dass ich mich mit Putin in Moskau treffe", sagte Selenskyj. Das wäre gleich einem Treffen der Staatsoberhäupter der verfeindeten Staaten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. "Ich lade ihn ein, wenn er sich dazu natürlich entschließt", sagte der Ukrainer.

Die Fortsetzung der von Washington vermittelten Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) werde für Sonntag erwartet. "Doch können sich Datum und Ort noch ändern", sagte Selenskyj.

Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion. Auf Drängen und mit Vermittlung Washingtons haben eine russische und eine ukrainische Delegation in Abu Dhabi am vergangenen Wochenende seit längerem wieder direkt verhandelt.

Quelle: ntv.de, lar/dpa/rts/AFP

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