Politik

"Sind bereit, Tempo zu erhöhen"Ukrainischer Außenminister: "Nur Trump kann den Krieg beenden"

08.02.2026, 16:54 Uhr
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Beim Angriff mit einer Fliegerbombe in Kramatorsk ist eine Frau gestorben. (Foto: IMAGO/Anadolu Agency/Diego Herrera Carcedo)

Selenskyj und Putin sollten direkt miteinander verhandeln, sagt Ukraines Außenminister Sybiha. Eine Einigung gelinge jedoch nicht einfach so. Nur ein Mann habe das Zeug dazu, die beiden Staatschefs auf eine Linie zu bekommen.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha dringt auf ein direktes Treffen zwischen Präsident Wolodymyr Selenskyj und Kremlchef Wladimir Putin zur Klärung der letzten Streitpunkte bei den Friedensverhandlungen. Doch nur US-Präsident Donald Trump habe die Macht, eine Einigung herbeizuführen, sagte Sybiha in Kiew. "Nur Trump kann den Krieg beenden." Die Ukraine wolle die Bemühungen um ein Ende des seit vier Jahren andauernden Krieges beschleunigen und die Dynamik der von den USA vermittelten Gespräche nutzen, bevor andere Faktoren wie die US-Zwischenwahlen im November ins Spiel kämen.

Von einem 20-Punkte-Friedensplan, der die Grundlage der jüngsten trilateralen Verhandlungen bilde, seien nur noch wenige Punkte offen. "Die sensibelsten und schwierigsten müssen auf der Ebene der Staatschefs behandelt werden", sagte Sybiha. Zu den größten Hürden gehören Gebietsfragen im Osten des Landes sowie die Kontrolle über das von Russland besetzte Atomkraftwerk Saporischschja. "Meine Einschätzung ist, dass wir eine gute Dynamik haben", sagte der Minister. "Wir sind bereit, das Tempo zu erhöhen."

Zentral für Kiew seien zudem westliche Sicherheitsgarantien für die Zeit nach einem Waffenstillstand. Die USA hätten ihre Bereitschaft signalisiert, solche Garantien im Kongress zu ratifizieren, auch wenn keine US-Bodentruppen geplant seien. "Ich persönlich glaube in diesem Stadium nicht an eine Sicherheitsinfrastruktur oder -architektur ohne die Amerikaner", sagte Sybiha. Zugleich stellte er klar, dass Kiew eine russische Hoheit über die Krim oder den Donbass niemals anerkennen werde. "Und es wäre ein Verstoß gegen das Völkerrecht", sagte Sybiha. Es gehe hierbei ums Prinzip.

Frau bei russischem Angriff gestorben

Unterdessen hat es bei russischen Angriffen in der Ukraine laut Behördenangaben eine Tote und mehrere Verletzte gegeben. In Kramatorsk wurde der regionalen Staatsanwaltschaft zufolge eine 77-jährige Frau getötet. Drei Männer im Alter von 40, 46 und 48 Jahren seien bei der Attacke mit einer 250-Kilo-Fliegerbombe vom Typ FAB im ostukrainischen Gebiet Donezk verletzt worden, teilte die regionale Staatsanwaltschaft mit. Eine Fliegerbombe schlug demnach in der Nähe eines mehrstöckigen Wohnhauses ein. "Elf Mehrfamilienhäuser und Autos wurden an der Trefferstelle beschädigt", so die Staatsanwaltschaft. In Cherson im Südosten der Ukraine wurden nach Behördenangaben acht Menschen bei russischem Beschuss verletzt.

Dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj zufolge setzte Russland allein in der vergangenen Woche mehr als 2000 Kampfdrohnen, 1200 Gleitbomben sowie 116 Raketen und Marschflugkörper ein. "Fast jeden Tag greifen sie Energieanlagen, logistische Infrastruktur und Wohnhäuser an", schrieb Selenskyj in sozialen Medien. Das passiere selbst während diplomatischer Friedensbemühungen.

Die Angriffe seien häufiger und immer brutaler, führte er aus. Abermals forderte er Unterstützung für die Ukraine und Druck auf Russland. Moskau setzt ihm zufolge weiterhin unter Umgehung westlicher Sanktionen Waffen mit ausländischen Bauteilen ein. Deswegen verhänge Kiew nun Sanktionen gegen die entsprechenden Lieferanten und Hersteller.

Die russische Stadt Belgorod kämpft nach Behördenangaben ihrerseits mit den Folgen ukrainischer Angriffe vom Vortag. Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow zufolge waren dort am Morgen 80.000 Menschen von der Wärmeversorgung abgeschnitten, 3000 von ihnen hatten demnach kein Gas und 1000 weitere keinen Strom.

Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit fast vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Als Teil ihres Abwehrkampfes greift sie immer wieder auch Ziele in Russland an. Die Schäden stehen in keinem Verhältnis zu den verheerenden Kriegsfolgen russischer Angriffe in der Ukraine. Russland attackiert systematisch die Energieinfrastruktur der Ukraine. Immer wieder haben sehr viele Menschen infolge russischer Attacken keine Wärme-, Strom- und Wasserversorgung und das bei zuletzt zweistelligen Minusgraden.

Quelle: ntv.de, mpa/dpa/rts

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