Politik

"Wir rechnen mit allem" Vitali Klitschko traut Russland Atomwaffen-Angriff zu

Das deutsche Zögern in Bezug auf die Lieferung schwerer Waffen stößt auf wenig Verständnis beim Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko. Das koste Menschenleben. "Wir brauchen Panzer und Flugzeuge", sagte er ntv. Die Lage sei kritisch, mit einem russischen Einsatz von Atomwaffen sei zu rechnen.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sieht im Interview mit ntv sein Land auch einem möglichen russischen Atombomben-Angriff ausgesetzt: "Wir rechnen mit allem: Chemischen Waffen, Atomwaffen. Wir haben schon einen Genozid gesehen." Er erneuerte zudem seine Forderung nach schweren Waffen aus Deutschland: "Ich bin kein Waffenexperte, aber wir brauchen Panzer und Flugzeuge." Sein Bruder Wladimir Klitschko fügte hinzu: "Mit Fäusten kann man sich nicht schützen, wir brauchen Waffen. Mit Waffen wird auch ermordet, auch während wir gerade reden. (…) Natürlich brauchen wir Waffen, um sich zu verteidigen."

Gegenüber der "Bild" betonte Vitali Klitschko die Dringlichkeit der Lieferung: "Wir brauchen die schweren Waffen aus Deutschland sofort. Jede Verzögerung kostet Menschenleben. Das sollte jedem klar sein. Ich kann diese Debatte nicht verstehen."

Die Bundesregierung liefert bislang keine schweren Waffen an die Ukraine. Zu Begründung verweist sie unter anderem auf notwendige Absprachen mit Partnerländern sowie darauf, dass ukrainische Soldaten nicht für die Geräte ausgebildet seien. Während in der Ampel-Koalition vor allem Politikerinnen und Politiker von Grünen und FDP für die Lieferung schwerer Waffen plädieren, ist die SPD von Kanzler Olaf Scholz eher skeptisch.

Klitschko: Ausladung Steinmeiers "diplomatischer Fehler"

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Zur ukrainischen Absage an einen Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte der 50-jährige Vitali Klitschko: "Es war ein diplomatischer Fehler. In dieser Zeit müssen wir Einigkeit demonstrieren." Klitschko lud zugleich Bundeskanzler Scholz ein, Kiew zu besuchen. In den letzten Wochen hatten bereits zahlreiche westliche Staatschefs der ukrainischen Hauptstadt einen Besuch abgestattet. Darunter etwa der britische Premier Boris Johnson.

Klitschko hatte zuvor Bürger, die in die ukrainische Hauptstadt zurückkehren wollten, davor gewarnt. Am Vortag hatte sich ganz in der Nähe von Kiew in dem Ort Browary nach Behördenangaben ein russischer Raketenangriff ereignet. Ein Teil der Infrastruktur sei getroffen worden. Es könne zu Unterbrechungen bei der Wasser- und Stromversorgung kommen, hatte der Bürgermeister Ihor Sapaschko in einem Video mitgeteilt.

Quelle: ntv.de, ysc/AFP

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