Politik

Nato verteidigt Arktis-InselWadephul vermeidet klares Grönland-Bekenntnis

05.01.2026, 13:53 Uhr
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Wehen bald Stars & Stripes über Grönland? Wenn es nach US-Präsident Trump geht, ja. Dänemark weist die Annexionsfantasien zurück. Andere Europäer springen dem Land bei. Auch Außenminister Wadephul äußert sich, weicht aber einer klaren Abfuhr aus.

Deutschland und Litauen haben Dänemark nach neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit einer Annexion Grönlands unmissverständlich Beistand versprochen. Grönland sei genauso wie die Inselgruppe der Färöer Bestandteil des dänischen Königreiches, sagte Außenminister Johann Wadephul bei einer Pressekonferenz mit seinem litauischen Kollegen Kestutis Budrys in Vilnius, der Hauptstadt des baltischen EU- und Nato-Landes Litauen. "Und da Dänemark der Nato angehört, wird auch Grönland prinzipiell von der Nato zu verteidigen sein", fügte er hinzu.

"Wenn es dort weitere Erfordernisse gibt, die Verteidigungsanstrengungen bezüglich Grönlands zu verstärken, dann werden wir das im Rahmen der Allianz miteinander zu besprechen haben", sagte Wadephul. Trump hatte entsprechende US-Gebietsansprüche zuletzt bekräftigt: "Wir brauchen Grönland mit Blick auf die nationale Sicherheit", sagte er. Dänemark hatte dies zurückgewiesen, ebenso wie Schweden, Norwegen und Finnland.

Budrys sagte: "Wir unterstützen und solidarisieren uns mit Dänemark vollkommen." Dänemark sei ein wichtiger und geschätzter Verbündeter. Alle Fragen zu Grönland dürften nur im Rahmen des internationalen Rechts und im Geiste der Verbündeten besprochen werden - "ganz klar, ganz deutlich und ohne Hintergedanken", betonte er.

Budrys hatte zuvor schon Grönland auf X als integralen Bestandteil des Königreichs Dänemark bezeichnet und die Achtung von dessen territorialen Integrität und Souveränität angemahnt. Gleiches taten auch seine baltischen Amtskollegen Margus Tsahkna (Estland) und Baiba Braze (Lettland).

Wichtig für Kontrolle der Arktis

"Grenzen dürfen nicht mit Gewalt verschoben werden" und "Gebiete dürfen nicht zwangsweise annektiert werden", sagte zudem Vizeregierungssprecher Sebastian Hille in Berlin. "Es gilt das Völkerrecht", stellte er klar. Weiter sagte Hille, die Bundesregierung sei in diesen Fragen in engem Gespräch mit Dänemark und den anderen europäischen Partnern, "die unsere Sicht teilen". Der Regierungssprecher fügte hinzu: "Wir sind in unserer Kommunikation mit den USA in dieser Hinsicht klar."

Die EU-Kommission erklärte in Richtung der US-Regierung, Sicherheitsinteressen dürften niemals ein Vorwand für die Vereinigten Staaten sein, sich Grönland einzuverleiben. "Wir möchten daran erinnern, dass Grönland ein Verbündeter der USA ist und zudem unter den Schutz des Nato-Bündnisses fällt", sagte eine Sprecherin der Kommission. Die Fälle Venezuela und Grönland seien in keiner Weise vergleichbar.

Die Insel Grönland ist Teil des Königreichs Dänemark, aber weitgehend autonom und kein EU-Mitglied. Sie ist strategisch unter anderem wegen ihres Rohstoffreichtums und als Basis für die militärische Kontrolle der Arktis interessant. Zudem ergeben sich mit dem zunehmenden Klimawandel zumindest im Sommer kürzere Schifffahrtsrouten. Die in der Arktis gelegene Insel ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groß wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner.

Quelle: ntv.de, als/dpa/AFP

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