Politik

Ukrainer berichten von Iris-TFlugabwehr aus Deutschland ist einer der Trümpfe im Verteidigungskampf

07.07.2026, 10:22 Uhr
imageVon Robin Grützmacher, Ukraine
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Ein TRML-4D-Radar des deutschen Herstellers Hensoldt, das für Iris-T genutzt wird. (Foto: Privat)

Iris-T ist eines der Waffensysteme aus Deutschland, das am längsten in der Ukraine im Einsatz ist. Es besticht mit einer exzellenten Abfangquote, ist aber nicht für alle Bedrohungen aus der Luft geeignet. Eine Brigade berichtet von ihrer Arbeit.

Im Juni hat die Ukraine laut Angaben der Bundesregierung ein weiteres Iris-T-SLM-System aus Deutschland erhalten. Es dürfte bereits das zehnte seit Oktober 2022 gewesen sein. Damals wurde etwas mehr als ein halbes Jahr nach Beginn der russischen Vollinvasion die erste Einheit an die Ukrainer übergeben. Weder bei der Bundeswehr noch in anderen Ländern war ein bodengestütztes Iris-T-System damals im Einsatz. Bei der Verteidigung gegen russische Luftangriffe zeigte die Technik aus Süddeutschland dann aber schnell, was in ihr steckt.

Iris-T hat sich vor allem bei der Eliminierung der gefährlichen Marschflugkörper der Kreml-Streitkräfte bewährt. Die ukrainische Flugabwehr schafft es bei Luftangriffen regelmäßig, den Großteil dieser Raketen vom Himmel zu holen. Iris-T trägt einen wesentlichen Teil dazu bei. Trotzdem wird über das System nicht häufig berichtet. Im Vergleich zu anderer bodengestützter Flugabwehr wie Patriot fristet es eher ein unauffälliges Dasein. Besonders von der Iris-T-SLS-Variante ist nur selten etwas zu hören oder zu sehen.

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Jewhen (Rufname "Kayman") und Wladyslaw, stellvertretender Kommandeur der Iris-T-Startgeräte. (Foto: Robin Grützmacher)

"Der größte Vorteil sind die Mobilität und Effektivität", sagt Kommandeur Jewhen von der 540. Flugabwehrbrigade im Gespräch mit ntv.de über Iris-T. Früher war er an einer S-300-Einheit aus sowjetischer Entwicklung stationiert und verteidigte unter anderem Kiew bei den schweren Kämpfen im Sommer 2022. Mit dem modernen, digitalisierten Iris-T sei es viel einfacher als mit alten Systemen, Aufgaben zu erfüllen, sagt Jewhen.

Die Raketen schaffen es fast immer, erfasste Ziele zu treffen. Gelingt es nicht, wird schnellstmöglich ein weiterer Abschussversuch unternommen. Die Entscheidungen müssen von den Soldaten in Sekundenbruchteilen gefällt werden. Bei schweren Angriffen, die oft nachts stattfinden, können deutlich mehr als zehn Marschflugkörper erfolgreich bekämpft werden. Auch Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Drohnen lassen sich mit Iris-T eliminieren.

Wofür das System technisch nicht ausgelegt ist, ist die Zerstörung von ballistischen Raketen. Diese sind seit Jahren das Hauptproblem für die Ukraine, auch bei den jüngsten schweren Attacken auf Kiew. Um sie erfolgreich abzuwehren, braucht es vor allem mehr Patriot-Flugabwehrraketen, die aber Mangelware sind. Berichten zufolge soll es nur in einzelnen Fällen gelungen sein, mit Iris-T ballistische Raketen zu eliminieren.

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Soldaten der nach Iwan Wyhowskyj benannten 540. Flugabwehrbrigade der Ukraine an einem Iris-T-SLS-Startgerät. (Foto: Privat)

Unterschied zwischen SLM und SLS

Eine vollständige Iris-T-Einheit des Herstellers Diehl Defence aus Baden-Württemberg besteht aus einem Radargerät zur Zielerfassung, einem Gefechtsstand und mehreren Startgeräten (Launchern), aus denen die Flugabwehrraketen in den Himmel gefeuert werden. Hinzu kommen noch weitere Komponenten wie ein Nachladefahrzeug.

Bei den Startgeräten und Raketen gibt es zwei Varianten: SLM und SLS. "Das SLS-System unterscheidet sich dadurch, dass es eine geringere Reichweite und eine niedrigere Abfanghöhe besitzt", sagt Soldat Wladyslaw ntv.de. Er ist stellvertretender Kommandeur der Iris-T-Startgeräte.

Wie viele SLM- und SLS-Startgeräte in einer Iris-T-Einheit eingesetzt werden, ist grundsätzlich variabel. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, sagte der "European Prawda" im vergangenen Jahr, jedes in Deutschland hergestellte Iris-T-System für die Ukraine umfasse drei SLM-Startgeräte (bis zu 40 Kilometer Reichweite) und zwei SLS-Startgeräte (bis zu 12 Kilometer Reichweite).

SLM-Startgeräte können mit bis zu acht entsprechenden Flugabwehrraketen bestückt werden, SLS mit bis zu vier. Ein weiterer Unterschied: "Das Startgerät für SLM basiert auf einem MAN-Fahrgestell, das SLS auf einem Iveco-Fahrgestell", erzählt Wladyslaw.

Mehr Raketen nötig

Iris-T und viele andere westliche Flugabwehrsysteme eint, dass die Ukrainer gerne mehr davon hätten. Denn den russischen Streitkräften gelingt es nach wie vor, bei Großangriffen durch den Einsatz von Hunderten Drohnen und Dutzenden Raketen Lücken im Luftraum zu finden oder die ukrainische Flugabwehr zu überlasten.

Es gebe einen begrenzten Bestand an Flugabwehrraketen, während die Angriffe ununterbrochen und mit hoher Intensität andauerten, sagt Jewhen. "Natürlich versuchen wir, jede feindliche Rakete abzuschießen", so der Kommandeur. "Und bisher ist der Erfolg auf unserer Seite."

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SLS-Kommandeur Roman warnt vor der Gefahr durch Russland. (Foto: Robin Grützmacher)

"Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Raketen haben, damit wir sie einsetzen können, ohne befürchten zu müssen, dass unsere Munitionsvorräte erschöpft sind, bevor keine feindlichen Raketen mehr in der Luft sind", sagt SLS-Kommandeur Roman ntv.de. Er bedankt sich für die Hilfe aus Deutschland und sagt: "Man muss uns unterstützen und uns helfen, damit wir mehr Systeme haben, um die Angriffe des Feindes abzuwehren. In der Ukraine gibt es Menschen, die wir ebenso schützen könnten."

Sein Land sei zudem ein Schutzschild für Europa - und zugleich das Schlachtfeld. "Sollte die Ukraine fallen und unter russische Kontrolle geraten, besteht die Möglichkeit, dass sich der Krieg weiter nach Westen ausbreitet. Wir wollen nicht zulassen, dass der Krieg bis an die europäischen Grenzen gelangt", sagt Roman.

Durchgehend im Einsatz

Die hohe Mobilität ist laut Kommandeur Jewhen eine der großen Stärken von Iris-T. Gemeint ist die Geschwindigkeit, mit der die Stellung gewechselt werden kann. "Mir gefällt, dass die Startgeräte mobil sind und sich schnell verlegen sowie ebenso schnell wieder abbauen lassen", erzählt Roman.

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In Position gebrachte SLS-Raketen. (Foto: Privat)

Mit Iris-T sei man zu hundert Prozent zufrieden, sagt Jewhen. Große Probleme habe es nicht gegeben. Er erinnert daran, dass das System permanent im Einsatz ist. "Das heißt, wie jede andere Technik auch, braucht es Pflege und Wartung." Technische Schwierigkeiten können die Soldaten mit Ersatzteilen oft selbst lösen. Sie waren zur Ausbildung unter anderem in Deutschland.

"Wir überwachen das System ständig und prüfen, ob sich die Ausrüstung in einwandfreiem Zustand befindet. Wir halten sie jederzeit einsatzbereit", sagt Roman. "Defekte Bauteile tauschen wir in der Regel einfach aus. Anschließend schicken wir sie zur Reparatur in Partnerländer", erzählt Jewhen. "Es ist nicht nötig, das gesamte Iris-T-System ins Ausland zu schicken - nur einzelne Baugruppen."

SLX in der Entwicklung

Die Ukraine hat insgesamt 18 Iris-T-SLM-Systeme in Deutschland bestellt, das diese auch finanziert. Acht Stück fehlen demnach noch. Die Bundeswehr hatte die erste Iris-T-SLM-Einheit 2024 in Schleswig-Holstein in den Dienst gestellt. Insgesamt sollen es 50 werden.

Auch Estland, das an der Nato-Ostflanke liegt und an Russland grenzt, hat im Juni dieses Jahres das erste Iris-T-System aus Deutschland erhalten. Luftwaffen-Chef Riivo Valge sprach von einem "wichtigen Tag für die estnischen Streitkräfte und die estnische Luftwaffe". Insgesamt soll der baltische Staat drei Einheiten erhalten, die Lieferung der zwei fehlenden ist für 2027 geplant.

Die Arbeiten an einer Weiterentwicklung mit dem Namen Iris-T SLX beim Hersteller Diehl Defence laufen. Die Flugabwehrraketen dieses Systems sollen auf eine Reichweite von 80 Kilometern kommen. Medienberichten zufolge wird SLX auch ballistische Bedrohungen abwehren können - welche genau, ist nicht bekannt. Bis zur Marktreife von Iris-T SLX wird es wohl noch einige Jahre dauern.

(Übersetzungen von Oleksiy Obolenskyj)

Quelle: ntv.de

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