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Größte Militärmacht im Weltall Warum die USA die Space Force brauchen

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Die Missionen der unbemannten Drohe X-37 sind streng geheim - geht es um Spionage, geht es um Waffen?

(Foto: AP)

Der Weltraum ist der Ort, an dem die Menschen die Konflikte auf der Erde vergessen und ergriffen auf die Erde blicken. Doch wie lange noch? Die USA treiben nun ihre Space Force voran. Bislang geht es vor allem um den Schutz von Satelliten. Aber welche Rolle spielt die geheime Drohne X-37?

US-Präsident Donald Trump bemühte große Worte, um sein neues Projekt anzukündigen: "Es ist die Zukunft, ob es uns gefällt oder nicht, es ist der Weltraum, es ist der nächste Schritt", sagte er im Weißen Haus. Dort hatte er die Journalisten versammelt, um seine Unterschrift unter ein Papier zu setzen, das die USA zur größten Militärmacht im Weltraum machen soll. Damit weist er das Pentagon an, eine Gesetzesvorlage zur Schaffung einer "Space Force", also einer Weltraumarmee, zu schreiben. So werden Pläne konkret, die er schon im vergangenen Jahr vorangetrieben hatte. Sein Ziel ist es, die Space Force zur sechsten eigenständigen Teilstreitkraft zu machen - neben dem Heer, der Marine, der Luftwaffe, dem Marineinfanterie-Korps und der Küstenwache.

Mit seiner Meinung steht Trump nicht allein. Schon seit Jahrzehnten gibt es Pläne, die militärischen Aktivitäten der USA im Weltraum auszuweiten. Wer nun an Luke Skywalker, Captain Kirk und Aliens denkt, liegt aber falsch. Im Moment geht es vor allem um den Schutz von Satelliten. Die sind mittlerweile so etwas wie Auge, Ohr und Nervensystem des US-amerikanischen Militärs. Sie liefern Bodentruppen in Kriegsgebieten überlebenswichtige Informationen und der Air Force genaue Wetterdaten. Außerdem werden die vielen Kampfdrohnen über Satelliten gesteuert - die Liste ließe sich fortsetzen.

China hat es vorgemacht

Derzeit umkreisen die rund 1700 Satelliten die Erde noch weitgehend schutzlos. Das könnte spätestens dann zum Problem werden, wenn sich die Beziehungen zu China und Russland radikal verschlechtern sollten. Peking hat vor wenigen Jahren vorgemacht, wie Satelliten ganz einfach zerstört werden können. Im Jahr 2007 feuerte China eine ballistische Rakete vom Boden aus in den Weltraum, um dort einen eigenen veralteten Wettersatelliten abzuschießen. Was würde die Chinesen davon abhalten, die Zielkoordinaten eines US-amerikanischen Exemplars einzutippen? Auch Russland entwickelt US-Angaben zufolge Raketen, die vom Boden aus die künstlichen Himmelskörper treffen könnten.

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Das Medieninteresse war groß, als Trump seine Pläne vorstellte.

(Foto: imago/UPI Photo)

Zwar verfügen die US-Amerikaner über eine Raketentechnologie, mit der sie ankommende Raketen ihrerseits abfangen könnten. Doch das Thaad-System bietet offenbar keinen ausreichenden Schutz. Im Jahr 2001 kam eine Kommission unter der Leitung des Verteidigungsministers Donald Rumsfeld zu dem Schluss, dass die USA nicht in der Lage seien, ihre enorme Abhängigkeit von Satelliten zu verteidigen. Laut einem Bericht der "Washington Post" dürfte die neue Space Force zunächst einfach nur die Satelliten überwachen und die Betreiber warnen, wenn eine Kollision drohe. Doch in Zukunft könnten auch andere Mittel eine Rolle spielen.

Da gibt es zum Beispiel ein streng geheimes Raumgleiter-Projekt. Die Boeing X-37 sieht ein wenig so aus wie einst die Space Shuttles und kann ebenfalls wie ein Flugzeug auf der Erde landen - sie ist also wiederverwertbar. Anders als die einstigen Nasa-Transporter bleibt die X-37 aber unbemannt. Laut "Washington Post" hat das Flugzeug schon mehrfach die Erde umrundet. Geht es darum, neue Antriebe zu testen? Oder betreibt sie Spionage? Könnte die X-37 gar mit Waffen ausgerüstet werden, um ihrerseits russische und chinesische Satelliten zu beschädigen? Das Pentagon weist solche Spekulationen zurück.

Eine Sphäre, in der Kriege ausgefochten werden

In Washington geht es jetzt erstmal um das Klein-Klein der großen Weltraumzukunft. Zum Beispiel streiten Militärs und Politiker über die Frage, ob die Space Force wirklich eine eigene Teilstreitkraft werden oder nicht doch lieber bei der Air Force bleiben soll. Für letztere Variante hatte sich der mittlerweile abservierte Verteidigungsminister Jim Mattis ausgesprochen. Er befürchtete, dass dadurch nur der bürokratische Aufwand steige, was Mittel binde, die dem Programm dann nicht zur Verfügung stünden. Die Befürworter halten dagegen. Sie sagen, die Air Force werde den Weltraum niemals zur Priorität machen, solange sie sich vorrangig um ihre Kampfjets und Bomber auf der Erde kümmern muss.

Über solche Fragen dürften nun die Abgeordneten im Kongress streiten. Der ist die nächste Station der von Trump angewiesenen Gesetzesvorlage. Da die Demokraten mittlerweile im Repräsentantenhaus die Mehrheit haben, sind Änderungen an der Vorlage noch wahrscheinlich. Vielleicht hinterfragen sie auch, ob es wirklich nur um Verteidigung geht. Denn Trump hat sich an diesem Mittwoch mal wieder von der vorgesehenen Wortwahl abgesetzt. "Der Weltraum wird eine wichtige Rolle spielen bei der Verteidigung", setzte er an, um dann einzuwerfen: "man könnte auch sagen unserer Angriffskraft, aber seien wir nett, also der Verteidigung unserer Nation." Seine Administration habe jedenfalls erkannt, dass der Weltraum eine Sphäre sei, in dem Kriege ausgefochten werden.

Quelle: n-tv.de

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