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Warten aufs endgültige Ergebnis Warum die USA noch immer auszählen

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In einigen US-Bundesstaaten, wie hier in Kalifornien, waren die Wahlhelfer am 8. November besonders gefordert.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Donald Trump ist längst damit beschäftigt, sein künftiges Kabinett zu formen. Dabei sind immer noch nicht alle Stimmen der US-Wahl ausgezählt. Auch in den kommenden Tagen ist mit einem offiziellen Endergebnis nicht zu rechnen.

Die US-Präsidentschaftswahl liegt exakt eine Woche zurück – und in Michigan zählen sie noch immer. Zwar steht längst fest, dass Donald Trump Nachfolger von Barack Obama wird. Der Republikaner ist bereits damit beschäftigt, sein künftiges Kabinett zusammenzustellen. Doch im "Swing State" an den Großen Seen gibt es bisher nur Hochrechnungen. Und deshalb fehlt immer noch ein amtliches Endergebnis der US-Wahl.

Immerhin haben mittlerweile alle anderen 49 Bundesstaaten ihre Stimmen komplett ausgezählt. Als vorletztes gab New Hampshire gestern sein offizielles Endergebnis bekannt – kurioserweise der Staat, in dem unmittelbar nach der Abstimmung das erste Teilergebnis der US-Wahl verkündet wurde. Doch warum verzögert sich die Bekanntgabe des offiziellen Endergebnisses in der zweitgrößten Demokratie der Welt so sehr?

Zettelwirtschaft und Softwareprobleme

Ein wesentlicher Grund für die Verzögerungen ist rein praktischer Natur. Insbesondere aus Michigan gibt es Berichte, wonach veraltete Technik die Auszählung verzögert.

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So gibt es den "Local 4 News" aus Detroit zufolge Probleme mit zehn Jahre alten Scannern, welche beim Auslesen der Stimmzettel an ihre Grenzen gelangen. Auch in Hudson County im US-Bundesstaat New Jersey soll es technische Schwierigkeiten gegeben haben. So berichtet das "Jersey Journal", dass die Wahlergebnisse wegen Softwareproblemen erst verspätet auf die Seite der County-Regierung hochgeladen werden konnten.

Auch die "provisorischen Stimmzettel" ("provisional ballots") erfordern von den Auszählern einen höheren Zeitaufwand. Wenn sich ein Wähler vor der Wahl zwar registriert hat, sich am Tag der Stimmabgabe jedoch nicht ausweisen kann, darf er seinen Stimmzettel unter Vorbehalt ausfüllen. Diese "provisional ballots" werden im Nachhinein geprüft und ausgezählt.

Einen weiteren Mehraufwand bedeutet die Auszählung der per Hand eingetragenen Präsidentschaftskandidaten. In Michigan gibt es sieben solcher "write-in candidates". Diese sind zwar offiziell zur Wahl zugelassen, ihre Namen werden jedoch nicht auf die Stimmzettel gedruckt. Auf der offiziellen Wahl-Seite des Secretary of State von Michigan sind die rund 7900 Stimmen für diese "write-in candidates" bis jetzt noch nicht berücksichtigt.

Kondomfrage verzögert den Ablauf

Neben den technischen und organisatorischen Problemen bereitet mehreren Bundesstaaten der Umfang der Wahlen Probleme. Die US-Bürgerinnen und Bürger waren am 8. November nicht nur dazu aufgerufen, einen neuen Präsidenten, sondern sowohl ein Drittel des Senats als auch die Abgeordneten des Repräsentantenhauses neu zu wählen. Auch zwölf Gouverneure, vier Regionalparlamente sowie Tausende kommunale Mandatsträger wurden neu bestimmt.

Auch wenn dies für den Problemfall Michigan nicht galt: In zahlreichen Bundesstaaten fanden zu den oben genannten Wahlen Volksabstimmungen zu verschiedenen Sachthemen statt. So stimmten die Bürger unter anderem über die Legalisierung von Marihuana, die mögliche Abschaffung der Todesstrafe und über eine Kondompflicht für Pornodarsteller ab. Die Auswertung solcher Referenden belastete die Wahlhelfer zusätzlich und führte schließlich zu Verzögerungen bei der Bekanntgabe der Ergebnisse zur Präsidentschaftswahl.

Spannung bis Ende November

Und wann ist in Michigan endlich mit einer Entscheidung zu rechnen? Bereits jetzt steht fest, dass das Electoral College, also die Versammlung der Wahlmänner, am 19. Dezember zusammentritt, um sowohl den Präsidenten als auch dessen Vize zu wählen. Doch so lange muss sich die Weltöffentlichkeit nicht bis zur Verkündung des offiziellen Endergebnisses gedulden. Wie die "Times of Northwest Indiana" in ihrer Online-Ausgabe berichtet, soll das offizielle Wahlergebnis aus Michigan spätestens am 28. November mitgeteilt werden.

Der offiziellen Wahl-Seite des Secretary of State zufolge liegt Donald Trump in Michigan nach Stimmen hauchdünn vor Hillary Clinton. Sollte es dabei bleiben, vereint er 306 Stimmen aus 30 Staaten im Electoral College auf sich. Hillary Clinton käme hingegen auf 232 Wahlmänner und -frauen aus 20 Staaten sowie aus der Hauptstadt Washington D.C. Sollten sich nicht noch mindestens 37 Wahlmänner gegen ihn entscheiden, wird Trump damit noch vor Weihnachten zum neuen Präsidenten gewählt – an einem Tag. Und ganz offiziell.

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Quelle: n-tv.de

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