Politik

Frei, Linnemann oder Dobrindt?Was jeweils für die potenziellen Spahn-Nachfolger spricht

19.07.2026, 10:29 Uhr
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Thorsten Frei ist ein enger Vertrauter von Merz. (Foto: picture alliance/dpa)

Noch in diesem Monat möchte der Kanzler seinen neuen Fraktionsvorsitzenden festlegen. Mit dem am häufigsten genannten Thorsten Frei würde Merz zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Doch es kursieren noch andere Namen.

Nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn will Kanzler Friedrich Merz die Nachfolge zügig klären. Merz strebt eine Entscheidung vor seiner ab Ende Juli geplanten Urlaubszeit an, wie aus dem Umfeld des CDU-Chefs zu erfahren war. Seit Spahns Rücktritt laufen die Personalspekulationen in der Union auf Hochtouren.

Am häufigsten wird Kanzleramtschef Thorsten Frei als möglicher Nachfolger genannt. Frei war in der vergangenen Legislaturperiode Parlamentarischer Geschäftsführer unter dem damaligen Fraktionschef und Oppositionsführer Merz und kennt damit die Arbeit an der Spitze der Unions-Abgeordneten bestens. Der 52-Jährige war schon nach der Bundestagswahl 2025 für den Fraktionsvorsitz im Gespräch. Merz holte seinen engen Vertrauten dann aber doch ins Kanzleramt. Dort hat er nur schwer Fuß gefasst. Frei wird von einigen in der Union vorgeworfen, lieber Interviews zu geben, als die Regierungsarbeit zu koordinieren. Beim Reformpaket übernahmen dann die Fraktionsspitzen selbst diese Aufgabe.

Die Fraktionsarbeit passe besser zu Frei, meinen viele. Mit ihm würde Merz einen loyalen Vertrauten an der Fraktionsspitze haben und könnte gleichzeitig neuen Schwung ins Kanzleramt bringen. Als möglicher Kandidat für den Posten des Kanzleramtschefs wird am häufigsten der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Chef der mächtigen nordrhein-westfälischen Landesgruppe im Bundestag, Günter Krings, genannt.

Als Fraktionschef käme neben Frei auch Generalsekretär Carsten Linnemann infrage, der wie Spahn aus Nordrhein-Westfalen stammt. Im Schatten von Parteichef Merz konnte er sich aber politisch noch nicht so richtig entfalten. Die Fraktionsführung könnte für ihn eine neue Chance bedeuten. Allerdings hat ihm so mancher noch nicht verziehen, dass er nach der Bundestagswahl den Sprung ins Kabinett ablehnte, weil ihm der Zuschnitt des Wirtschaftsministeriums zu klein war. Unter dem Strich hat er allenfalls Außenseiterchancen.

Ob er selbst Wechselambitionen hat, ist nicht bekannt. Als Generalsekretär stehen ihm aber unruhige Zeiten bevor. Bei den drei Landtagswahlen im September droht die Union - wenn es ganz schlecht läuft - zwei Ministerpräsidentenposten in Berlin und Sachsen-Anhalt zu verlieren - was für größere Aufwallungen in der Partei führen dürfte. 

Dobrindts Erfolg spricht gegen ihn

Auch Innenminister Alexander Dobrindt von der CSU wird als Option genannt - er wird von vielen als erfolgreichstes Kabinettsmitglied gesehen. Er hat dafür gesorgt, dass es in der Migrationspolitik keine größere Angriffsfläche mehr für die AfD gibt. Und er gilt als jemand, der wie kein anderer die Koalitionspartner zusammenführen kann. Als langjähriger Vorsitzender der CSU-Landesgruppe war er außerdem schon so eine Art Neben-Fraktionschef.

Sein Erfolg als Innenminister ist aber das stärkste Argument gegen einen Wechsel. In dieser Position ist er so etwas wie der Vizevizekanzler neben Merz und seinem Stellvertreter Lars Klingbeil von der SPD. Er ist also der Anführer der CSU-Minister und kann von dieser Position bestens die Strippen ziehen, was das Gesamtgefüge der Koalition angeht.

Die einzige Frau, die in den Personalspekulationen von Medien und Unionisten eine Rolle spielt, ist Gesundheitsministerin Nina Warken. Sie hat die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung gerade über die Bühne gebracht und sich damit Respekt erworben, allerdings noch die Pflegereform vor sich, zu der bisher erst ein Referentenentwurf existiert. Ihr derzeitiger Job und die große Konkurrenz lassen es als unwahrscheinlich erscheinen, dass sie es wird.

Der Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag wird traditionell von den beiden Parteichefs von CDU und CSU - Merz und Markus Söder - vorgeschlagen, die über das Wochenende dazu im Gespräch bleiben wollen. Am Montag tagt das CDU-Präsidium. Ob Merz schon dann einen Vorschlag präsentieren kann, ist offen. Der neue Vorsitzende wird von der Fraktion gewählt. Möglich ist eine Sondersitzung in der Sommerpause. Die erste reguläre Fraktionssitzung danach ist erst am 8. September.

Gibt es nicht schnell genug eine Entscheidung, könnten Personaldiskussionen die kommenden Wochen dominieren, obwohl der Kanzler und seine schwarz-rote Koalition mit ihrem auf den Weg gebrachten Reformpaket auf einen positiven und ruhigen Start in die Sommerpause gesetzt hatten. Zudem stehen im September die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin an. Eine Hängepartie dürfte den Wahlkämpfern gar nicht gefallen. Die AfD liegt in den Umfragen in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen-Anhalt klar auf Platz eins - und weit vor der CDU.

Merz forderte Spahn zum Rücktritt auf

Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekannt gegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte das Baby Georg zur Welt. In den folgenden Tagen kam immer mehr Kritik auf, auch in den Reihen der Union. Die Kritik an Spahn war deshalb so laut, weil Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und sich Spahns Partei klar gegen eine Legalisierung ausspricht, so wie das Spahn in der Vergangenheit auch selbst getan hatte. Der Hauptvorwurf lautet, Spahn nutze privat Möglichkeiten, die er Menschen in ähnlicher Situation in Deutschland politisch nicht zugestanden habe.

Am Samstag übermittelte Spahn dann ein Schreiben an die Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, in dem er seinen Rücktritt erklärte. Zuvor hatte es Gespräche zwischen Merz und Spahn gegeben. Der Kanzler forderte den Fraktionschef dabei zum Rücktritt auf, wie aus dem Umfeld des Parteivorsitzenden zu erfahren war.

Spahns bisheriger Stellvertreter Alexander Hoffmann übernahm nach eigenen Angaben noch am Samstag die Amtsgeschäfte von Spahn an der Spitze der Unionsfraktion. "Ich werde diese Fraktion so lange führen, bis ein neuer oder eine neue Vorsitzende gewählt ist. Wir haben also grundsätzlich keine Eile", sagte der CSU-Politiker Hoffmann im "ZDF spezial". Die Unionsfraktion sei weiterhin entscheidungsfähig, handlungsfähig und auch sprechfähig.

Quelle: ntv.de, chl/dpa

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