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Heute Grundsteinlegung Was macht eigentlich Stuttgart 21?

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So soll der Bahnhof einmal aussehen. Die Bahn geht offiziell noch immer davon aus, dass er 2021 fertig ist.

(Foto: dpa)

Die Bahn sagt, Stuttgart 21 bleibe im aktuellen Finanzierungsrahmen und werde pünktlich fertig – wenn die Bauarbeiter einen Verzug von zwei Jahren aufholen. Ein Drittel der Röhren sind gegraben, die Zweifel bleiben.

Das umstrittene Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 ist zuletzt etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten. Die gern wegen ähnlicher Termin- und Kostenprobleme mit ihm in einem Atemzug genannte Elbphilharmonie in Hamburg ist mittlerweile fertiggestellt, der Pannenflughafen BER als Airport der Hauptstadt von größerem Interesse als das Vorhaben im Südwesten der Republik, aus einem oberirdischen Kopf- einen unterirdischen Durchgangsbahnhof zu machen. An diesem Freitag legt Bahnchef Rüdiger Grube den Grundstein für die gut 400 Meter lange Bahnhofshalle – damit erfährt das Stuttgarter Milliardenvorhaben wieder mehr Aufmerksamkeit.

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(Foto: dpa)

Die Idee zum Projekt ist bereits 22 Jahre alt, gebaut wird seit sechs Jahren. Im Februar 2010 wurde in Beisein einiger Prominenz symbolisch ein Prellbock im Hauptbahnhof angehoben und damit der Startschuss für den Bau eines achtgleisigen Tiefbahnhofs gegeben, der einmal den bestehenden 16-gleisigen Kopfbahnhof ersetzen soll. 100 Hektar Fläche würde auf diese Weise in bester Innenstadtlage frei. Ein Teil davon wird den bestehenden Parkanlagen zugeschlagen, auf dem Rest soll ein neues Quartier entstehen. Der grüne Oberbürgermeister Fritz Kuhn, kein ausgesprochener Anhänger des Vorhabens, das er von seinen Amtsvorgängern Manfred Rommel und Wolfgang Schuster (beide CDU) erbte, hat zuletzt ein Bürgerbeteiligungsverfahren in Gang gesetzt, bei dem die Stuttgarter eine Idee davon entwickeln sollen, wie das sogenannte Rosensteinviertel einmal aussehen könnte – der Zuspruch war eher verhalten.

Der Grundsteinlegung bleibt Kuhn wie seine prominenten Parteifreunde Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Landesverkehrsminister Winfried Hermann fern. Langfristige Verpflichtungen, so heißt es, ließen eine Teilnahme an der Feier nicht zu. Die Grünen haben sich zwar nach der verlorenen Volksabstimmung im November 2011, bei der eine Mehrheit im Land gegen die Kündigung der Finanzierungsverträge votierte, eine "kritisch-konstruktive Begleitung" des Projekts verordnet, tun sich aber mit der selbst vorgegebenen Marschroute schwer.

Offiziell bleibt Stuttgart 21 im Kostenrahmen

Allerdings macht es die Bahn den Gegnern auch leicht, sich immer wieder in ihrer Ablehnung bestärkt zu fühlen. Im Frühsommer dieses Jahres informierte Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer den Aufsichtsrat des Konzerns über das Ergebnis einer internen Bestandsaufnahme des Projekts. Demnach würde der Umbau des Bahnknotens bei Eintreten aller bekannten Risiken nur knapp innerhalb des Finanzierungsrahmens von gut 6,5 Milliarden Euro bleiben. Damit wie anvisiert im Dezember 2021 erste Züge durch den vom Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven ersonnenen Bahnhof Züge rollen können, müssten die Bauarbeiter aber einen Verzug von zwei Jahren aufholen.

Kritiker glauben daran nicht und verweisen stattdessen auf aus ihrer Sicht ungeklärte Fragen wie den Brandschutz in der unterirdischen Station oder das mit 15 Promille außergewöhnlich starke Gefälle des Bahnhofs. Zudem sehen sie durch den Bau die Stuttgarter Mineralquellen in Gefahr. Argumente, die offensichtlich immer noch verfangen. Die Montagsdemo der Projektgegner hat diese Woche bereits zum 338. Mal stattgefunden. Sie glauben, dass Stuttgart 21 an den Kosten scheitern wird. Eine Schätzung im Auftrag der Gegner prognostiziert Ausgaben von 10 Milliarden Euro – eine Summe, die auch in einem Bericht des Bundesrechnungshof stehen soll, den die Behörde nun an die zuständigen Bundestagsgremien verschickt hat. Eine offizielle Bestätigung für diese Berechnungen gibt es allerdings nicht.

Kosten sind seit 2009 deutlich gestiegen

Unbestritten ist die bereits eingetretene Kostensteigerung: Im 2009 geschlossenen Finanzierungsvertrag wurde das Vorhaben auf 3,076 Milliarden Euro taxiert, zuzügliches eines Risikotopfes, der mit 1,45 Milliarden Euro gefüllt war. Im März 2013 stimmte der Bahnaufsichtsrat einer Kostenerhöhung auf 5,987 Milliarden Euro zuzüglich eines Risikopuffer in Höhe von 539 Millionen Euro zu. Über einen Teil der Mehrkosten verhandelt die Bahn mit Land und Stadt Stuttgart. Die sehen aber keinen Anlass, sich über das bisherige Maß hinaus an den Kosten zu beteiligen.

Trotz der finanziellen Unwägbarkeiten arbeiten sich die Mineure weiter durch den Stuttgarter Untergrund. Die neue Station wird mit einem gut 58 Kilometer langen Tunnelgeflecht an die bestehenden Strecken angeschlossen. Knapp ein Drittel der Röhren sind gegraben. Mit der Grundsteinlegung soll nun auch der Bau im zentralen Abschnitt des Bahnhofs an Fahrt gewinnen. Die Bahn zeigt sich entschlossen, die Inbetriebnahme 2021 zu stemmen – und mit Kampf gegen Verspätungen kennt sich der Schienenkonzern ja aus.

Christian Milankovic berichtet als Titelautor der "Stuttgarter Zeitung" vorwiegend über das Bahnprojekt. Eine ausführliche Projekthistorie finden Sie hier.

Quelle: n-tv.de

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