Politik

Pforten geöffnet Wehrmachtsausstellung in Berlin

Die neue Wehrmachtsaustellung in Berlin hat am Mittwoch seine Pforten für das Publikum eröffnet. Mehr als 400 Besucher seien in den ersten zwei Stunden in das Kulturzentrum "Kunst-Werke" in Berlin-Mitte gekommen, sagte die Sprecherin Beate Barner.

Die Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung mit dem Titel "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" dokumentiert die systematische Beteiligung des deutschen Militärs an der Hinrichtung von Millionen von Zivilisten und der Ermordung der Juden in Ost- und Südosteuropa.

Gestern abend hatte Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) die Ausstellung eröffnet. Sie ist bis zum 13. Januar 2002 in der Hauptstadt zu sehen.

Die Schau setzt sich differenzierter mit der Vergangenheit auseinander als die umstrittene erste Ausstellung. Diese war im November 1999 wegen falscher Beschriftung einiger Bilder abgesetzt worden.

Die neue Ausstellung ist doppelt so groß und legt deutlich mehr Beweise für die Beteiligung deutscher Soldaten an Kriegsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs in Osteuropa vor. Nach Angaben der verantwortlichen Historikerin Ulrike Jureit ist die Schau keine überarbeitete Version der alten Ausstellung. "Wir haben einen neuen Zugang erarbeitet", sagte Jureit.

Die Ausstellung über systematische Morde der deutschen Wehrmacht an Zivilisten wurde 1995 in Hamburg zum ersten Mal gezeigt. Sie zog durch mehr als 30 deutsche Städte und zählte insgesamt 900.000 Besucher. Gegen die angebliche Verunglimpfung der Wehrmacht gab es schon früh Demonstrationen - sowohl von Unionspolitikern wie auch von Rechtsextremen. Auch ein Anschlag wurde auf die Ausstellung verübt: Am 9. März 1998 detonierte in Saarbrücken eine Bombe.

1999 wurde Kritik von wissenschaftlicher Seite an der Wehrmachtsausstellung laut. Der Historiker Bogdan Musial wies nach, dass manche Bilder nicht zu den Bildunterschriften passten. Die Ausstellung wurde nach der Empfehlung einer mit renommierten Historikern besetzten Kommission zur Überarbeitung zurückgezogen. Die grundsätzliche These, dass sich die Wehrmacht der Beteiligung an Verbrechen schuldig gemacht hat, hielten die Historiker allerdings für richtig.

Quelle: n-tv.de

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