Politik

Merkel und die Gerüchte Wenn Obama anruft

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Merkel hatte bereits im vergangenen Jahr ein weiteres Spitzenamt ausgeschlossen.

(Foto: imago images / Christian Spicker)

Mit einem Interview befeuert Merkel Spekulationen, in ein anderes politisches Spitzenamt zu wechseln. Im Fokus der Gedankenspiele steht dabei zuletzt ein Gang nach Brüssel. Dieser würde auch einige CDU-interne Probleme lösen. Doch es gibt ein Problem.

Wenn Spekulationen trotz aller Dementis munter die Runde machen, liegt es oft daran, dass sie erstens eine gewisse Logik besitzen und zweitens einem vielgehegten Wunsch entsprechen. Im Falle von Bundeskanzlerin Angela Merkel und einem Wechsel zur EU nach Brüssel trifft beides zu.

In der "Süddeutschen Zeitung" hat die CDU-Politikerin jedenfalls die Gerüchte angeheizt. Ihre Äußerungen lesen sich wie eine Bewerbung. Aus der Sorge um Europa entstehe bei ihr "ein noch einmal gesteigertes Gefühl der Verantwortung, mich gemeinsam mit anderen um das Schicksal dieses Europa zu kümmern".

Diese Verantwortung, sagte kürzlich EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, könnte Merkel gern auf europäischer Ebene übernehmen. Frei wird demnächst etwa der Posten des EU-Ratspräsidenten, denn Donald Tusk kann nicht erneut antreten.

Merkels Telefon, ließ kürzlich ein weiterer ranghoher Politiker gegenüber Journalisten wissen, werde nach der Europawahl jedenfalls nicht stillstehen. Und nicht nur Juncker, auch ihr Freund aus Washington, der ehemalige US-Präsident Barack Obama, werde dran sein. Tenor: In diesen komplizierten Zeiten müsse sich Merkel auch über die Kanzlerschaft hinaus für Europa engagieren.

Chance für Kramp-Karrenbauer

Interessant ist, dass sowohl Merkel-Anhänger als auch ihre Gegner eine Anschlussverwendung der Bundeskanzlerin unterstützen. Die Fans mögen sich eine merkellose Zeit gar nicht vorstellen, während etwa die Konservativen selbst aus der eigenen Partei die Regierungschefin lieber heute als morgen aus Berlin verabschieden möchten.

Vor allem löste Merkels Wechsel nach Brüssel ein echtes Dilemma. Die Doppelspitze Angela Merkel/Annegret Kramp-Karrenbauer funktioniert offenbar nicht. In Umfragen sitzt die Union unterhalb der 30-Prozent-Marke fest. Der Anfangsschwung von AKK im Amt der CDU-Chefin ist weitgehend wirkungslos verpufft. Ihre Initiativen haben das offensichtliche Manko, dass die neue Parteivorsitzende zwar viel ankündigen, aber letztlich nichts durchsetzen kann.

Hinzu kommt das lähmende Erscheinungsbild der Großen Koalition. Union und SPD blockieren sich gegenseitig. Die Sozialdemokraten fordern die Grundrente ohne Bedarfsprüfung, die Union die Komplettabschaffung des Solis. In Zeiten des Steuerlochs könnte beides auf der Strecke bleiben.

Ginge Merkel nach Brüssel, überließe sie elegant und ohne Gesichtsverlust Kramp-Karrenbauer die Spielwiese Berlin. AKK könnte Kanzlerin werden - zum Beispiel mit Hilfe von FDP und Grünen im aktuellen Bundestag oder nach Neuwahlen.

Das klitzekleine Problem: Merkel müsste irgendwie mitmachen. Bislang zeigt sie dazu keinerlei Bereitschaft. Sehr fraglich, ob sich das ändert, wenn Obama anruft.

Quelle: n-tv.de