Politik

Aleppo versinkt im Bombenhagel Westen warnt Moskau

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Ein Mann wandert über die Ruinen von Aleppo.

(Foto: REUTERS)

Das Töten in Aleppo nimmt kein Ende, ein Ausweg ist nicht in Sicht. Mit scharfen Worten kritisieren die westlichen Außenminister Moskaus Rolle in dem Krieg. Der britische Außenminister will prüfen lassen, ob Russland Kriegsverbrechen beging.

Nach den heftigsten Bombardierungen Aleppos im gesamten syrischen Bürgerkrieg hat der Westen den Druck auf Russland erhöht. Die Geduld sei "im Hinblick auf Russlands fortgesetzte Unfähigkeit oder seine fehlende Bereitschaft, seinen Verpflichtungen nachzukommen, nicht unbegrenzt", betonten die Außenminister unter anderem der USA, Deutschlands und Großbritanniens laut offizieller Übersetzung nach einem Treffen in Boston.

Die Außenminister forderten von Russland ein Ende der eskalierenden Gewalt. Es liege an Moskau, die diplomatischen Bemühungen zu retten. Die Ereignisse in Syrien, insbesondere in Aleppo, stünden im eklatanten Widerspruch zur russischen Behauptung, eine diplomatische Lösung in Syrien zu unterstützen.

Zudem kritisierte die Erklärung der Außenminister die wiederholten Berichte über eingesetzte Chemiewaffen durch das syrische Regime und den verheerenden Angriff auf einen UN-Hilfskonvoi vor einer Woche. Die USA und Russland machen sich gegenseitig für den Vorfall verantwortlich, bei dem am Montag 21 Zivilisten getötet worden waren.

Frankreich teilte zudem mit, Russland und der Iran könnten sich "Komplizen der in Aleppo begangenen Kriegsverbrechen" machen. Nach Ansicht des britischen Außenministers Boris Johnson hat Russland in Syrien möglicherweise ein Kriegsverbrechen begangen. Es müsse geprüft werden, ob der jüngste Angriff auf einen Hilfskonvoi bei Aleppo mit dem Wissen ausgeführt wurde, dass es sich um ein ziviles Ziel handele. "Das ist ein Kriegsverbrechen", sagte Johnson dem britischen Sender BBC. Russland mache sich schuldig, "den Krieg zu verlängern, ihn viel grausamer zu machen", fügte er hinzu.

Moskau verwehrt sich gegen Kritik

Moskau wies die westliche Kritik zurück. Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa entgegnete: "Ich erinnere mich an die 2000er Jahre. Damals forderte man von Russland, sich der richtigen Seite der Geschichte gegen den Irak anzuschließen". Jetzt fordere der Westen von Moskau wiederum Beweise für den Friedenswillen in Syrien. "Wer von Russland Beweise für seinen Friedenswillen fordert, soll erstmal selbst beweisen, dass er kein Aggressor in Bezug auf Länder der Region ist". Moskau ist ein einflussreicher Verbündeter von Machthaber Baschar al-Assad.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon äußerte sich "erschüttert über die schreckenerregende militärische Eskalation" in Aleppo. Nach Worten seines Sprechers Stephane Dujarric ist die frühere Handelsmetropole der "anhaltendsten und schwersten Bombardierung" seit Beginn der Syrienkrise 2011 ausgesetzt. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York beriet indes  über die Luftangriffe.

Alarmiert wegen des seit Tagen anhaltenden, vernichtenden Bombenhagels auf Aleppo ist der UN-Sicherheitsrat in New York zu neuen Beratungen zusammengekommen. Die Sondersitzung war in der Nacht von Washington, London und Paris beantragt worden.

Mehr als 200 Zivilisten getötet

Vorangegangen war ein Bombenhagel des syrischen Regimes und seiner Alliierten auf die Rebellengebieten der belagerten Stadt. In Aleppo und seinem Umland wurden mehr als 230 Zivilisten getötet. Nach dem Dauerfeuer der Vortage setzten die syrische und russische Luftwaffe am Sonntagvormittag ihre Angriffe für einige Stunden aus. Die Bombardements gingen nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte im Tagesverlauf aber weiter. Am Sonntag seien wieder mindestens 23 Menschen in Aleppo getötet worden, darunter wenigstens zwei Kinder.

Das syrische Regime hatte vor Wiederaufnahme der Luftangriffe am Donnerstag eine Bodenoffensive angekündigt, um die Stadt vollständig zurückzuerobern. Aleppo ist die letzte verbliebene Großstadt in Syrien, in der Rebellen noch größere Gebiete kontrollieren. Mindestens 250.000 Menschen harren im belagerten Ostteil der Stadt trotz widrigster Lebensumstände aus. In ganz Aleppo sollen zwei Millionen Menschen von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten sein.

Regierungstruppen und Kämpfer der mit ihnen verbündeten Milizen verloren das am Samstag eroberte Flüchtlingslager Handarat im Norden der Rebellengebiete am Sonntag allerdings wieder an die Aufständischen. Assads Truppen werden neben Russland auch vom Iran und der Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Milizen aus Afghanistan und dem Irak sollen unter den Unterstützern sein.

Die syrische Exilopposition teilte derweil mit, die Militäroperation Aleppo mache einen Friedensprozess aussichtslos. Russland dürfe nicht mehr Teil von Friedensverhandlungen sein, weil es "Partner des Regimes in Verbrechen gegen unser Volk ist".

Die Gewalteskalation in Syrien nach dem Zusammenbruch der Waffenruhe legt Beobachtern aus Washington und Moskau zufolge den Schluss nah, dass Russland und die Syrische Regierung es für möglich halten, den Krieg militärisch gewinnen zu können. Aleppo gilt als wichtigstes Schlachtfeld in dem fünfeinhalb Jahren andauernden Konflikt, der bereits mehr als 300 000 Menschenleben gefordert hat. Eine Eroberung der Stadt könnte für das Regime einen Wendepunkt im Bürgerkrieg bedeuten.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa

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