Politik

Mit der CDU im Ring Wie lange haut Seehofer noch drauf?

682f22673b6c010131790e9a56a2d823.jpg

(Foto: dpa)

Seehofers Streit mit der CDU kocht weiter. Mit seiner Forderung nach einer Obergrenze riskiert der bayerische Ministerpräsident den Frieden in der Union. Was treibt den CSU-Chef?

Jeder, der sich mit Horst Seehofer einlässt, sollte vorher mal mit einem erfahrenen Boxer sprechen. Es ist die Unberechenbarkeit, die große Meister im Ring ausmacht. Denn wenn der Herausforderer glaubt, der Gegner ruht sich aus, weil er von links nach rechts tänzelt und die Deckung unten ist, kann es schon zu spät sein. Man spürt den rechten Haken erst, wenn er ansatzlos das Kinn trifft und ein Boxer brutal schnell auf der Matte landet.

Horst Seehofer ist so ein Boxer-Typ. Er bringt 40 Jahre Erfahrung zwischen den Seilen des Politikzirkus mit und der CSU-Chef erwartet von seinen Kontrahenten, dass sie reichlich einstecken können. Seehofers Gegner können sich nie ausruhen, weil er jederzeit wieder zuschlagen kann. Verbal - versteht sich.

Schon seit vielen Monaten steht Seehofer mit der Schwesterpartei CDU im Ring und sie muss miterleben, dass der CSU-Vorsitzende selbst nach endlosen Runden nicht müde wird und immer wieder zum Schlag ausholt. Angetrieben ist er von seinem Willen, die CSU wieder zum Wahlerfolg zu führen. Und dem Streben, sich seinen parteiinternen Konkurrenten Markus Söder vom Leib zu halten. Jüngste Opfer dieses Kampfes waren Armin Laschet, Julia Klöckner oder Thomas Strobl. Sie alle sitzen neben Merkel im CDU-Präsidium und hatten Seehofers Äußerungen nach dem Anschlag in Berlin kritisiert. "Wir brauchen uns nicht gegenseitig belehren", sagte Seehofer bei der Klausur der Landesgruppe der CSU in Seeon zum Auftakt.

Klöckner und Strobl haben bei den vergangenen Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg die CDU nicht zur stärksten Kraft geführt. Wahlverlierer! Eigentlich keine Gegner, mit denen Seehofer in den Infight gehen muss. Aber austeilen kann er trotzdem, wenn er attackiert wird. Den Gegner aus dem eigenen Lager mit Körpertreffern auf Distanz halten.

Langfristiges Ziel: 2018

Denn verlieren will Seehofer auf keinen Fall. Vor allem in Bayern nicht. 2018 wird im wirtschaftsstarken Südosten gewählt. Seehofer will es wissen, er will seinen Platz in den politischen Nachschlagewerken. Sein Name soll neben dem von Franz-Josef Strauß stehen. Dem bayerischen Über-Landesvater, einem Großmeister im politischen Boxen. Deshalb ist für Seehofer 2018 nur die absolute Mehrheit im Landtag ein Sieg nach Punkten. Diesem Ziel wird alles untergeordnet. Das ist auch der Grund für den andauernden Schlagabtausch mit der CDU in Berlin.

Und Seehofer will immer wieder zeigen, wer der Stärkere ist. Er verlangt von der CDU weiterhin, dass sie sich zum Wort "Obergrenze" bei der Aufnahme von Flüchtlingen bekennt. Die Bürger wollten sie und deshalb müsse sie auch ins Wahlprogramm von CDU und CSU, sagt Seehofer. Vermutlich am 5. und 6. Februar will man sich in München in der CSU-Parteizentrale zusammensetzen und dann als Union gemeinsam in den Wahlkampf ziehen - mit den Schwerpunkten Innere Sicherheit und Merkel als Stabilitätsanker in unsicheren Zeiten. Doch Seehofer lächelt verschmitzt und winkt immer wieder mit den Boxhandschuhen in Richtung CDU-Ecke und wartet auf eine Zahl hinter dem Wort Obergrenze. Eine Zahl will die CDU - vor allem Merkel - aber nicht nennen. Sollte das Treffen deshalb nicht stattfinden, steckt die Union in einer fundamentalen Krise. Seehofer könnte hinterher aber sagen: Seht her, ich stehe noch und bleibe bei meinen Prinzipien.

Die CDU wird sich auf Seehofer zubewegen (müssen). Sie wird nicht ohne die CSU in den Wahlkampf ziehen können; nicht ohne die wichtigen Stimmen der CSU aus Bayern in der Gesamtabrechnung in der Nacht der Bundestagswahl leben wollen. Ohne die CSU-Stimmen kann Merkel rechnerisch kaum Kanzlerin bleiben.

Motivieren braucht sich der Profi Seehofer nicht. Immer wenn er sich im Ring umschaut, sieht er, wie sich sein Herausforderer Markus Söder bereits seine schwarzen Boxhandschuhe übergestreift hat und sich warm läuft. Solange der Landesvater Seehofer seinen Anhängern zeigt, dass er taktisch und konditionell weiterhin der stärkere Mann im Ring der Politik ist, muss Söder warten. Das bayerische Kräftemessen zwischen Seehofer und Söder wird weitergehen, auch wenn dafür im politischen Berlin zwischenzeitlich immer mal wieder der Bruch zwischen CSU und CDU riskiert wird.

Quelle: ntv.de