Politik

Schmutzige Bombe wäre denkbar Wie wahrscheinlich ist ein IS-Atomanschlag?

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Radioaktives Material kann ganze Landstriche verseuchen. Einen Terroranschlag damit hat es bisher nicht gegeben.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

In Washington diskutieren Sicherheitsexperten den "worst case": den Terroranschlag mit radioaktivem Material. Einige Befürchtungen scheinen rein theoretischer Natur zu sein - eine radiologische Bombe in Händen des IS indes nicht.

Wie groß ist die Gefahr, dass Terroristen an atomwaffenfähiges Material gelangen und es gegen Menschen einsetzen? Damit beschäftigt sich der Gipfel zur nuklearen Sicherheit in Washington. Das Szenario könnte schauriger nicht sein: Was, wenn etwa der "Islamische Staat" in Syrien oder im Irak irgendwie an radioaktives oder gar atomar spaltbares Material käme oder wenn Anhänger einen Anschlag auf eine Atomanlage verübten? Nach den Anschlägen in Belgien vergangene Woche stand diese Angst wieder einmal im Raum. Von zwei belgischen Anlagen wurden Mitarbeiter abgezogen, während gleichzeitig versichert wurde, es habe keine konkrete Gefahr bestanden.

Das Problem bei Terroranschlägen mit Atomwaffen ist, dass sie bisher abstrakt erscheinen und eine Vielzahl von Szenarien nebeneinander diskutiert werden. "Seit den Anschlägen von 2001 ist auch ein möglicher Terroranschlag mit Atommaterial immer auf der Agenda von Sicherheitsexperten", sagt Oliver Meier von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik zu n-tv.de. 2009 habe US-Präsident Barack Obama eine Reihe von Gipfeln zur nuklearen Sicherheit ins Leben gerufen, um mehr Aufmerksamkeit für das Problem zu erreichen. Damals nannte Obama Terroristen mit Nuklearwaffen als größte unmittelbare globale Bedrohung.

Bei Obamas Bemühungen habe es durchaus Fortschritte gegeben, sagt Oliver Meier. "Seit 2010 wurde aus 50 Einrichtungen weltweit dort lagerndes hochangereichertes Uran entfernt und 15 Staaten verfügen über kein waffenfähiges Material mehr."

Der letzte Gipfel der Reihe findet nun statt. "Die Frage ist aber, wie es danach weitergeht", sagt Meier, der erwartet, dass internationale Organisationen mit bis zu fünf Aktionsplänen beauftragt werden. Weltweit gibt es nach wie vor zehntausende Einrichtungen, darunter harmlose medizinische Forschungseinrichtungen, in denen nukleares Material vorhanden ist. "Vereinbarte Konventionen setzen Standards", sagt Meier mit Blick auf die Bedeutung dieses internationalen Rahmens, wenn es um mehr Sicherheit im Atombereich geht. Doch habe der Washingtoner Gipfel Defizite: "Russland ist nicht dabei und der Iran wurde nicht eingeladen", bemängelt der Sicherheitsexperte.

IS verfügt wohl über radioaktives Material

Trotzdem, betont der Wissenschaftler, handele es sich bei der atomaren Bedrohung durch Terroristen zunächst um eine eher theoretische Frage. "Allerdings scheinen einige Islamisten, die sich dem IS zugehörig fühlen, sich ja konkret für belgische Atomanlagen interessiert zu haben." Das schlimmste denkbare Szenario sei, dass Terroristen an nuklearwaffenfähiges Material kämen und daraus einen entsprechenden Sprengkopf bauten. Diese Gefahr sei allerdings nicht konkret. "Soweit bekannt, lagert solches Material in Syrien und im Irak nicht."

Anders sieht es mit radioaktiven Stoffen aus, die sich einer sogenannten schmutzigen Bombe beimischen ließen. "In Mossul im Irak hat der IS die Kontrolle über eine Forschungseinrichtung erlangt, in der solches Material lagert", sagt Meier. Das sei zwar keine Atombombe. Doch eine solche konventionelle Bombe mit beigemischten radioaktiven Substanzen könne ein ganzes Gebiet kontaminieren. Wie groß die betroffene Fläche wäre, hängt von der Größe der Bombe und unberechenbaren Faktoren wie Wind ab. Ein Anschlag wie der in Brüssel könnte mit einer solchen Bombe in jedem Fall "noch schlimmer" gemacht werden.

Quelle: ntv.de