Politik

Dahmen im "ntv Frühstart" "Wir haben eine neue Pandemie"

Der Gesundheitsexperte der Grünen, der noch vor Kurzem als Arzt tätige Janosch Dahmen, warnt vor vielen zusätzlichen Toten durch die rasante Ausbreitung der Mutation B.1.1.7. Die aktuellen Zahlen machen wenig Hoffnung.

Der noch bis November 2020 als Oberarzt tätige Grünen-Abgeordnete Janosch Dahmen warnt angesichts der Ausbreitung der Virus-Mutation B.1.1.7 vor einer neuen Ansteckungswelle. "Die Situation ist durch die Mutation sehr sehr ernst. Wir sind in einem Wettlauf mit diesen Mutationen", sagte Dahmen im "ntv Frühstart". Zwar waren die Infektionszahlen zuletzt gefallen, jedoch gab Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gestern bekannt, dass der Anteil der ansteckenderen Virus-Mutation B.1.1.7 bereits bei über 20 Prozent der Neuinfektionen liege.

Die Konsequenz: "Wir müssen eigentlich davon sprechen, dass wir eine neue Pandemie in der Pandemie haben", erläuterte Dahmen. Zwar gingen einerseits die Fallzahlen des Ursprungstyps nach unten, so der Grünen-Gesundheitsexperte, dies finde aber alles unter dem Deckmantel der Mutation statt, bei der der R-Wert bei 1,3 liege, "also deutlich am Ansteigen" sei.

Dahmen fügte hinzu, dass die Zahlen nüchtern betrachtet werden müssten. Man könne zwar an einigen Stellen lockern, allerdings: "Wenn wir bei den Maßnahmen, die gelten, nicht konsequenter und hier wirklich sehr vorsichtig sind, dann gehen wir einfach von den aktuellen Entwicklungen davon aus, dass wir eine Umkehr haben werden." Dies habe erneute Anstiege bei den Neuinfektionen zur Folge, eine Belastung im Gesundheitswesen und "wieder viele zusätzliche Tote."

"Astrazeneca-Impfstoff ist sicher"

Auf die Frage, ob sich Dahmen auch mit dem Impfstoff der Firma Astrazeneca impfen lassen würde, sagte der Grünen-Politiker: "Auf jeden Fall." Der Impfstoff biete einen 70-prozentig höheren Schutz, was "sehr viel wert" sei, so Dahmen. Weiter: "Der Impfstoff ist wirkungsvoll und er ist sicher."

Allerdings sagte Dahmen auch, dass die Mutationen des Coronavirus dazu führten, dass alle Impfstoffe "noch mal sehr genau" angeschaut werden müssten. Dies sei ein normaler Vorgang, um im weiteren Verlauf einen effektiven Schutz bieten zu können.

Dahmen betonte, wie wichtig die Vorbildfunktion von Ärztinnen und Ärzten beim Impfen sei: "Wichtig ist, dass gerade Ärztinnen und Ärzte und andere Menschen im Gesundheitswesen als Vorbildfunktion jetzt geimpft werden und Überzeugungsarbeit leisten."

Schnelltests für alle

Bundesgesundheitsminister Spahn hatte zuletzt angekündigt, dass ab dem 1. März auch flächendeckend Schnelltests zum Einsatz kommen würden. Demnach sollen Kommunen vor Ort Testzentren oder Apotheken mit solchen Test-Angeboten beauftragen können. Die Kosten dafür soll der Bund übernehmen. Dahmen sagte: "Schnelltests sind ein sehr wichtiges Geländer, was wir jetzt dringend brauchen in großer Anzahl."

Allerdings betonte Dahmen auch, dass er nichts von Schnelltests nur in Apotheken oder bei Ärztinnen und Ärzten halte: "Wo wir sie wirklich brauchen, ist zur Selbstanwendung. Ich fordere, dass wir für jede Bürgerin und jeden Bürger zwei Schnelltests zur Selbstanwendung pro Woche bekommen und weitere Tests kostengünstig bereitstellen." Nur so könne man "wirkungsvoll" die Pandemie inklusive Mutationen bekämpfen.

Quelle: ntv.de, psa