"Kann zum Reiseziel werden"Witkoff und Kushner besprechen Gaza-Plan mit Netanjahu

Der Frieden im Gazastreifen ist für die US-Verhandler auch ein Immobiliengeschäft. Entwürfe für das "Neue Gaza" stellen Witkoff und Kushner in Davos vor. Nun treffen sie sich mit Israels Premier Netanjahu.
Die US-Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff sind zu Gesprächen über die Zukunft des Gazastreifens in Israel angekommen. Bei einem Treffen mit Regierungschef Benjamin Netanjahu solle über die "richtigen nächsten Schritte" beraten werden, um die Waffenruhe zu erhalten und diese "in einen langfristigen und anhaltenden Frieden in Gaza zu verwandeln", hieß es aus US-Regierungskreisen.
Ein weiteres Thema sei die Rückgabe der sterblichen Überreste der letzten israelischen Geisel im Gazastreifen, wie israelische Medien berichteten. Die Leiche von Ran Gvili ist die letzte, die noch im Gazastreifen festgehalten wird. Die Angehörigen des israelischen Polizisten forderten Netanjahu dazu auf, gegenüber Kushner und Witkoff deutlich zu machen, dass die Rückführung von Gvilis Leiche die Voraussetzung für die Wiederherstellung von Frieden im Gazastreifen sei.
Witkoff hatte der Hamas bereits zuvor mit "schwerwiegenden Folgen" gedroht, sollte sie den Leichnam nicht freigeben. Die radikale Palästinenserorganisation und verbündete Milizen hatten bei ihrem Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 mehr als 1200 Menschen getötet und 251 Menschen in den Gazastreifen verschleppt. Seit dem 10. Oktober gilt im Gazastreifen eine fragile Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel. Beide Seiten werfen sich jedoch immer wieder Verstöße gegen die Vereinbarung vor.
"Neues Gaza" mit Wohngebieten und Hochhäusern
Die USA hatten in der vergangenen Woche den Beginn der zweiten Phase der Gaza-Waffenruhe bekanntgegeben. Diese sieht vor, dass Israel seine Stellungen im Gazastreifen räumt, eine Übergangsverwaltung im Gazastreifen eingerichtet wird und eine internationale Stabilisierungstruppe in dem Gebiet stationiert wird. Voraussetzung dafür ist laut des 20-Punkte-Plans von US-Präsident Donald Trump allerdings die Entwaffnung der Hamas - was diese strikt ablehnt.
Trump und sein Schwiegersohn Kushner stellten in dieser Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos ihre Vision für den Wiederaufbau des Gazastreifens vor. Kushner zeigte Entwürfe für das "Neue Gaza" mit Wohngebieten mit Hochhäusern. Durch das Bauprojekt könne der Gazastreifen zum "Reiseziel" werden, sagte Kushner.
Der schmale Küstenstreifen ist nach dem zweijährigen Krieg zwischen der Hamas und Israel fast vollständig zerstört. Dennoch rechnet Kushner nach eigenen Angaben mit einer Bauzeit von nur drei Jahren. Um Infrastruktur und öffentliche Einrichtungen wieder aufzubauen, seien Investitionen in Höhe von 25 Milliarden Dollar erforderlich. Die UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD) schätzte die Kosten für den Wiederaufbau im November auf 70 Milliarden Dollar. Sie geht zudem davon aus, dass der Wiederaufbau Jahrzehnte braucht.