US-Grenzschutzbehörde reagiertZwei Einsatzkräfte nach Tötung von Pretti suspendiert

Der Druck ist offenbar zu groß: Zunächst rechtfertigt das US-Heimatschutzministerium die tödlichen Schüsse auf Alex Pretti noch und stellt die Schützen als "Opfer" dar. Jetzt gibt es eine andere Reaktion der Behörden.
Die US-Behörden ziehen Konsequenzen aus der Tötung von Alex Pretti in Minneapolis und den massiven Protesten danach: Zwei Einsatzkräfte wurden vorläufig vom Dienst suspendiert, wie ein Sprecher der US-Grenzschutzbehörde Customs and Border Protection (CBP) bestätigte. "Das ist ein standardmäßiges Vorgehen", hieß es.
Ein von US-Medien veröffentlichter Bericht des Heimatschutzministeriums an den Kongress legt nahe, dass es sich bei dem einen Schützen um einen CBP-Mitarbeiter handelt und bei dem zweiten um einen Bediensteten der untergeordneten Einheit Border Patrol. Ihre Namen sind nicht bekannt.
Der 37-jährige Krankenpfleger Pretti war am Samstag am Rande einer Abschiebe-Razzia in Minneapolis erschossen worden. Das US-Heimatschutzministerium sprach zunächst von "Abwehrschüssen" der Einsatzkräfte und stellte diese als "Opfer" dar. Videoaufnahmen zeigen den bereits überwältigten Pretti jedoch am Boden und lassen erhebliche Zweifel an dieser Darstellung aufkommen. Pretti trug den Videoaufnahmen zufolge ein Handy und hatte zwar offenbar eine Pistole bei sich, die er jedoch nicht in der Hand hatte und die die Bundesbediensteten ihm bereits abgenommen hatten, als sie das Feuer eröffneten.
Am Mittwochabend strahlten mehrere US-Sender ein neues Video aus, das Pretti mehr als eine Woche vor seinem Tod zeigen soll. In der Aufnahme beschädigt Pretti in einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit Bundesbediensteten ein Fahrzeug. Die Echtheit des Videos konnte durch das ntv-Verifizierungsteam bestätigt werden, nach Einschätzung der Experten zeigt es tatsächlich Pretti.
Das Vorgehen der Einsatzkräfte in Minneapolis, die dort bereits am 7. Januar die unbewaffnete Autofahrerin Renee Good erschossen hatten, löste landesweit Empörung und vereinzelt auch Proteste aus. US-Justizministerin Pam Bondi gab bei X die Festnahme von 16 "Aufrührern" in Minnesota bekannt, die Bundesbedienstete attackiert haben sollen.
Trump verschärft wieder den Ton
US-Präsident Donald Trump hatte nach dem Vorfall angekündigt, in Minneapolis "ein bisschen deeskalieren" zu wollen. Wenige Stunden später verschärfte er den Ton allerdings wieder. Trump warf dem Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, in seinem Onlinedienst Truth Social Gesetzesbruch und ein "Spiel mit dem Feuer" vor. Der Demokrat Frey hatte verkündet, dass die Stadt die Einwanderungsgesetze der US-Regierung nicht umsetzen werde.
Frey wies die Anschuldigungen Trumps zurück, er trage zur Eskalation bei. "Die Aufgabe unserer Polizei ist es, die Menschen zu schützen, nicht Bundes-Einwanderungsgesetze durchzusetzen", erklärte er bei X. Später fügte der Bürgermeister bei einer Bürgerversammlung hinzu: Die Jagd auf angeblich gefährliche illegale Einwanderer "hat nichts mit Sicherheit zu tun und auch nichts mit Einwanderung". Es gehe vielmehr "um politische Vergeltung", sagte Frey. "Das sollte jeden in Amerika beunruhigen." Zuvor hatte Frey Trumps Grenzschutzbeauftragten Tom Homan getroffen, den der Präsident nach Minneapolis entsandt hatte, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen.
Minneapolis wird seit Wochen vom gewalttätigen Vorgehen der Einsatzkräfte des Bundes erschüttert. Die meisten von ihnen gehören der Einwanderungsbehörde ICE an, die im Auftrag der Trump-Regierung Migranten ohne Papiere aufspüren soll. Unterstützt wird ICE von der Grenzschutzbehörde CBP.
Noch zahlreiche Sonderseinsatzkräfte vor Ort
Der nach der Tötung Prettis in die Kritik geratene Grenzschutzkommandeur Gregory Bovino wurde laut US-Medien inzwischen wieder zurück nach Kalifornien abkommandiert, das Heimatschutzministerium bestätigte dies allerdings nicht. Den Berichten zufolge sind immer noch die meisten der 3000 Sondereinsatzkräfte vor Ort, die die US-Regierung in den von Demokraten regierten Bundesstaat Minnesota geschickt hatte.
Der langjährige CBP-Exekutivdirektor Tim Quinn, der im vergangenen Jahr zurückgetreten war, sagte der "Washington Post", er hoffe nun auf eine "Neuausrichtung bei der Durchsetzung der Einwanderungsgesetze". Bovinos Vorgehen habe das Ansehen der Grenzschützer "negativ beeinflusst - hoffentlich aber nicht irreparabel beschädigt".
Bovino hatte nach den tödlichen Schüssen auf Pretti behauptet, die ihm unterstellten Grenzschützer seien die eigentlichen "Opfer" gewesen und der Krankenpfleger habe mit seiner Waffe "maximalen Schaden anrichten und die Strafverfolgungsbehörden massakrieren" wollen. Das Heimatschutzministerium sowie die Bundespolizei FBI untersuchen die tödlichen Schüsse auf Pretti derzeit.