Politik

"Risse in den Röhren" Zweifel an Sicherheit von AKW Neckarwestheim

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Atomkraftgegner befürchten Kühlmittelverluststörfall: AKW Neckarwestheim 2.

(Foto: picture alliance / SVEN SIMON)

Nur für den Fall eines Strommangels will Wirtschaftsminister Habeck zwei Atomkraftwerke im Winter wieder ans Netz nehmen. Doch bei Isar 2 muss wegen Wartungsarbeiten früher entschieden werden. Bei Neckarwestheim 2 soll es Risse in den Röhren geben.

Nachdem die Betreiber im bayerischen Atomkraftwerk Isar 2 Reparaturbedarf angemeldet haben, machen Atomkraftgegner auf Risse an Röhren im Kernkraftwerk Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg aufmerksam. Beide Kraftwerke hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck eigentlich für den Reservebetrieb im Winter vorgesehen und eine kurzfristige Entscheidung je nach Versorgungslage angekündigt. Für Neckarwestheim stellten die Aktivisten die Betriebsgenehmigung des Landesumweltministeriums für den Meiler in Frage. Schon seit Jahren bildeten sich an dünnwandigen Rohren immer neue gefährliche Risse in großer Zahl, warnten sie.

Die Anti-AKW-Organisation ".ausgestrahlt" und der Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN) schrieben zu Neckarwestheim: "Würde auch nur eines der rund 16.000 Rohre aufgrund eines solchen Risses bersten, abreißen oder brechen, wäre dies bereits ein nur schwer zu beherrschender Kühlmittelverluststörfall." Dieser könne bis zur Kernschmelze im "Riss-Reaktor" führen. Der Betreiber EnBW sei Nachweise für Vorkehrungen, um eine Leckage aus den Röhren sicher ausschließen zu können, bislang schuldig geblieben. Über die Genehmigung für den Betrieb von Neckarwestheim werde der Verwaltungsgerichtshof Mannheim am 14. Dezember verhandeln, hieß es.

CSU verlangt Entscheidung zu Isar 2

Um die Zukunft des ebenfalls für die Reserve vorgesehenen Atomkraftwerks Isar 2 weitete sich der Streit aus. Die CSU drängte auf eine rasche Entscheidung über die Zukunft der Anlage. "Die besagten Ventile könnten - wie bisher turnusgemäß bei Revisionen - in Stand gesetzt werden", sagte die CSU-Umweltpolitikerin Anja Weisgerber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dafür seien "jetzt endlich klare Entscheidungen durch die Ampel" erforderlich.

Das Ventilleck müsste offensichtlich spätestens im Oktober repariert werden, weil der Reaktorkern danach nicht mehr genug Reaktivität hätte, um das AKW noch einmal mit den vorhandenen Brennelementen hochfahren zu können. Damit entfällt auch die Option, das Kraftwerk zunächst Ende Dezember wie bislang im Rahmen des Atomausstiegs vorgesehen vom Netz zu nehmen und bei Bedarf im Januar oder Februar noch einmal hochzufahren. Ohne Ventil-Reparatur wäre demnach nur noch bis Jahresende ein sicherer Betrieb möglich, die Möglichkeit eines Reservebetriebes für den Rest des Winters würde entfallen.

Weisgerber forderte erneut einen Weiterbetrieb aller drei noch laufenden deutschen AKW bis mindestens Ende 2024. Dies würde auch das niedersächsische AKW Lingen betreffen, das nach den Vorschlägen Habecks auf jeden Fall Ende Dezember vom Netz gehen soll. Von Seiten der Grünen hatte es am Dienstag Vorwürfe gegen den Betreiber von Isar 2, Preussen Elektra, sowie gegen die bayerischen Behörden gegeben, weil diese nicht früher über das Ventilleck informiert hatten. Dies wies Weisgerber als "Ablenkungsmanöver" zurück.

Auch FDP für Laufzeitverlängerung

Auf eine Laufzeitverlängerung drängten auch Politiker der FDP. Die Entscheidung, Isar 2 und die anderen beiden anderen AKW länger laufen zu lassen, müsse schnell fallen, "am besten noch in diesem Monat", sagte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai der "Bild"-Zeitung. Auch FDP-Chef Christian Lindner bekräftigte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" seine Forderung nach längeren AKW-Laufzeiten.

Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Sascha Müller-Kraenner, wertete das Leck im AKW Isar 2 als Beleg für das Risiko eines weiteren AKW-Betriebs. Als "einzig logische Konsequenz" forderte er auf Twitter "eine umfassende Sicherheitsüberprüfung und bis dahin Betriebsstopp".

Quelle: ntv.de, mau/dpa/AFP

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