Dossier

Korruptes Guinea Contes Thron wackelt

Er ist einer der "Dinosaurier" auf dem afrikanischen Kontinent, einer der Langzeit-Staatschefs, die sich als junge Militärs an die Macht geputscht haben und dort geblieben sind. Wie seine Amtskollegen in Burkina Faso, Kamerun und Gabun hat Präsident Lansana Conte von Guinea sich später in mehr oder weniger manipulierten Wahlen im Amt bestätigen lassen. Doch allmählich scheint seine Zeit abgelaufen. Das Volk hat genug von Contes autokratischer Herrschaft. Zum vierten Mal innerhalb eines Jahres ist Guinea in einen Generalstreik getreten. Die Bevölkerung lässt sich von ihrem Protest nicht abbringen, obwohl Sicherheitskräfte seit Anfang Januar bereits Dutzende von Zivilisten getötet haben.

Conte ist ein kettenrauchender Diabetiker Mitte 70, der im vergangenen Jahr mehrfach zu medizinischer Behandlung in die Schweiz geflogen ist und sich nur noch selten in der Öffentlichkeit zeigt. Viele Menschen in Guinea werfen ihm vor, dass er nicht mehr regierungsfähig sei. Auf die jüngste Krise reagiert er mit Repression und bringt die Armee in Stellung gegen das eigene Volk. Seit Montag gilt im ganzen Land der Ausnahmezustand, faktisch hat das Militär die Macht übernommen.

Ob sich die Lage wieder beruhigt oder erneut eskaliert, hängt vor allem vom Verhalten der Armee ab. Menschenrechtsorganisationen werfen den Sicherheitskräften in Guinea den Einsatz exzessiver Gewalt gegen Zivilisten vor. Bei den jüngsten Unruhen seit Anfang Januar wurden nach Augenzeugenberichten auch Kinder erschossen. Conte hat eben erst eine Reihe von Befehlshabern befördert, um sich ihre Loyalität zu sichern. Doch der Unmut gegen den Präsidenten hat auch innerhalb der Armee um sich gegriffen, berichten Beobachter. "Es ist gut möglich, dass Teile der Armee demnächst den Befehl verweigern", sagt ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation. "Dann wird Conte sich nicht mehr halten können."

Das kleine westafrikanische Land gilt als das korrupteste des ganzen Kontinents. Es verfügt über wichtige Rohstoffe, unter anderem etwa die Hälfte der weltweiten Vorkommen des Aluminiumerzes Bauxit. Doch von dem Reichtum kommt bei der Bevölkerung kaum etwas an. Etwa 40 Prozent leben unterhalb der Armutsgrenze. Regierungsbeamte verdienen monatlich im Schnitt etwa 25 Euro. Die jüngsten Unruhen begannen, als Conte für die Freilassung zweier Freunde sorgte, die wegen eines Korruptionsskandals in Haft waren. In Conakry hält sich das Gerücht, dass der Präsident die Geschäftsmänner persönlich aus dem Gefängnis abgeholt hat.

Zunächst forderten die Gewerkschaften nur die Einsetzung eines neuen Regierungschefs, dem der Präsident Machtbefugnisse geben sollte. Den letzten Regierungschef Cellou Diallo hatte Conte im vergangenen August nach eineinhalb Jahren im Amt wieder abgesetzt, weil er ihm zu reformfreudig war. Seitdem war das Amt unbesetzt. Am Freitag präsentierte Conte einen neuen Regierungschef, der von den Gewerkschaften jedoch abgelehnt wurde, weil er ein enger Vertrauter des Präsidenten ist. "Es geht uns längst nicht mehr um einen neuen Regierungschef, wir wollen nichts anderes als den Rücktritt des Präsidenten", sagte der der Gewerkschaftschef Ibrahima Fofana.

(Ulrike Koltermann, dpa)

Quelle: n-tv.de