Dossier

Keiner Partei zu wünschen Die Gründe des Verräters

Der Hamburger Politikwissenschaftler Joachim Raschke glaubt nicht, dass die gescheiterte Wiederwahl von Schleswig- Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) "ein persönlicher Affront gegen die Politikerin war". "Das erscheint mir unplausibel", sagte Raschke am Freitag in einem dpa-Gespräch.

Der oder die SPD-Abtrünnige - "und ich bin sicher, dass der Abweichler aus den Reihen der Sozialdemokraten kommt" - habe eine politische Absicht verfolgt. "Das war der Versuch, die große Koalition in Kiel zu erzwingen", meinte der Parteienforscher.

Um dieses Ziel zu erreichen, habe die Person das Schutzrecht der geheimen Abstimmung missbraucht. "Solche Leute darf man keiner Partei wünschen. Das wäre das Ende der Demokratie", sagte Raschke. "Wenn man etwas anderes erreichen will, als die anderen in der Partei, sollte man das immer offen und öffentlich begründen", erklärte der Professor.

"Es ist nicht nachvollziehbar, warum Simonis sich noch einem vierten Wahlgang gestellt hat", sagte er. Nach dem zweiten Wahlgang sei klar gewesen, "dass es sich um den systematischen Versuch handelte, die Tolerierungskoalition zu boykottieren". Dass Simonis weiter gemacht habe, sei "mehr als unverständlich. Da müssen ihre Instinkte versagt haben. Aber auch ihr Kopf hätte sie warnen müssen", sagte Raschke.

Bei der SPD müsste nach Ansicht des Politologen "jetzt eigentlich alles auf eine große Koalition hinauslaufen". Bei Neuwahlen wäre die Partei mit Sicherheit der große Verlierer und müsste mit einem weiteren Debakel rechnen. "Nur wenn die SPD jetzt schnell eine große Koalition ansteuert, kann sie verhindern, dass die CDU doch noch auf Neuwahlen umschwenkt", betonte Raschke.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen