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Nach der Wahl ist vor der Wahl Auch Söder muss sich jetzt neu erfinden

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Markus Söder hat auch vor der eigenen Tür zu kehren.

(Foto: imago images/Hoch Zwei)

Nicht nur aus der CDU wird die Kritik an Söders Seitenhieben gegen Laschet immer lauter. Auch in der CSU beginnt es zu rumoren. Der bayerische Parteichef muss sich selbst neu erfinden, sonst droht die nächste Schlappe bei der Landtagswahl im Herbst 2023.

Die CDU steht nach dem Wahldebakel vor einem Scherbenhaufen und weiß, dass sie sich von Grund auf erneuern muss. Während die Partei ihre gesamte Spitze neu wählen lassen will, wie sie am Montag beschlossen hat, kommt CSU-Chef Markus Söder bisher ungeschoren davon. Dabei hat auch er seinen Teil zum herben Stimmverlust beigetragen. Längst geben nicht nur CDU-Vertreter Söder eine bedeutende Mitschuld, selbst in den eigenen Reihen mehren sich die kritischen Stimmen. Spätestens jetzt dürfte er sich Sorgen um die Landtagswahl in zwei Jahren machen.

Söders glänzende Umfragewerte der vergangenen Monate täuschen darüber hinweg, dass er zwar als der starke Mann erscheint, bisher aber nicht liefern konnte. Bei der Landtagswahl 2018 verlor die CSU die absolute Mehrheit. Bei den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr stürzte die Partei auf ihr schlechtestes Ergebnis seit fast 70 Jahren. Bei der Bundestagswahl holte sie ebenfalls das schlechteste Ergebnis seit 1949. Selbst wenn das Wahlergebnis zum großen Teil dem Kanzlerkandidaten Armin Laschet geschuldet war, lässt sich die Verantwortung nicht komplett nach Berlin schieben.

Denn die CSU hat ein ebenso großes inhaltliches Defizit wie die Schwesterpartei. Wofür stehen die Christsozialen heute eigentlich noch? Zweitstärkste Kraft bei den Landtags- und Kommunalwahlen wurden die Grünen. Ob Söder deshalb seitdem mit Klimaschutz wirbt? Nicht nur an dieser Stelle wirkt der 54-Jährige wie ein Opportunist. Auch auf dem Weg zur Kanzlerkandidatur stand ihm seine Unberechenbarkeit im Weg. Einen verlässlicheren CSU-Kandidaten hätte sich die CDU-Spitze wohl zumindest vorstellen können.

One-Man-Show statt Teamplay

In der Corona-Krise gab Söder den harten Hund und wurde dafür von vielen geschätzt. Auch deshalb dürften bundesweit so viele Bürger einen potenziellen Kanzler in ihm gesehen haben. Seine Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus waren allerdings nicht stärker von Erfolg gekrönt als die anderer Ministerpräsidenten. Bayern glänzte hier nicht mit guten Zahlen, sondern lag im Ländervergleich oft auf den hinteren Rängen. Dabei spielten wohl auch die Grenznähe und der Tourismus eine Rolle, doch Söder hatte die Pandemie ebenso wenig im Griff wie andere Länderchefs. Bei den Impfquoten hinken die Bayern ebenfalls hinterher.

Die CSU hat es - ebenso wie die CDU - unter Söder zudem nicht geschafft, jünger und moderner zu werden. So forderte die bayerische Junge Union am Wochenende ein "schlagkräftiges, frisches Team" - ohne das "starke Zugpferd Markus Söder", das zuvor noch in ihrer Erklärung zur Aufarbeitung der Bundestagswahl gestanden hatte.

Angetreten für mehr Teamplay steht Söder längst als Einzelkämpfer da. Wer die Homepage der CSU besucht, bekommt an erster Stelle sein Konterfei präsentiert, mit diesem Angebot: "Markus Söder unterstützen? Bei uns möglich!" Darunter der Link zum Antragsformular für eine Online-Mitgliedschaft. Keine andere im Bundestag vertretene Partei führt eine solche One-Man-Show auf.

Söder täte gut daran, sich selbst und seiner Partei ebenfalls eine Grunderneuerung zu verpassen. So oft, wie er sich bereits neu erfunden hat, könnte es ihm durchaus gelingen.

Quelle: ntv.de

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