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Strache und die Video-Affäre Die FPÖ arbeitet gegen Österreich

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Bei der Europawahl dürfte die FPÖ nun deutliche Stimmenverluste hinnehmen müssen.

(Foto: imago images / Viennareport)

Ein Video bringt das politische System Österreichs ins Wanken. Der inzwischen zurückgetretene Vizekanzler Strache bietet einer vermeintlichen Oligarchen-Verwandten Bauaufträge gegen Wahlkampfhilfe. Die Erkenntnis ist: Es geht den Blauen nicht ums Land.

Österreich erlebt ein politisches Erdbeben, in der Alpenrepublik ist sprichwörtlich der Teufel los. Die Auslassungen des ehemaligen Vizekanzlers und FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache sind nach der Bildung der ersten Koalition aus ÖVP und FPÖ unter dem konservativen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel im Jahr 2000 das wichtigste innenpolitische Ereignis der jüngeren österreichischen Geschichte. Wie jetzt demonstrierten auch damals Tausende Menschen auf dem Wiener Ballhausplatz. Seitens der Europäischen Union gab es Ermahnungen und Sanktionen gegen die schwarz-blaue Regierung.

Die Tatsache, dass sich mit Strache und dem Fraktionschef im Nationalrat, Johann Gudenus, zwei hochrangige FPÖ-Politiker zu einer solchen Kungelrunde auf der spanischen Partyinsel Ibiza hinreißen ließen, ist ein großer Skandal. Dass Bauaufträge an eine russische Investorin vergeben werden sollten, um Wahlkampfhilfe zu erhalten, wird den Rechtspopulisten bei der kommenden Wahl schwer zu schaffen machen. Der Slogan der Freiheitlichen, zuerst immer an Österreich zu denken, entpuppt sich in diesem Zusammenhang als eine dreiste Lüge. Denn schließlich ist es der österreichische Baukonzern Strabag, der geschädigt werden sollte.

Auch Straches Pläne, der angeblichen Investorin die "Kronen Zeitung" auf dem Silbertablett zu servieren, verdeutlicht einmal mehr das gestörte Verhältnis der sogenannten Freiheitlichen zu einer freien und unabhängigen Presse. Die Abservierung von "Querköpfen", um dafür "mal fünf Neue" hereinzuholen: mit dieser Äußerung entlarvt sich der ehemalige stellvertretende Bundeskanzler selbst. Geht es nach der FPÖ, dann sollen presserechtliche Zustände wie in Ungarn unter Viktor Orban herrschen. Die Beispiele Strabag und "Krone" zeigen, dass es den Blauen weniger um Österreich geht, sondern nur um sich selbst.

Das Ibiza-Video macht es deutlich: Die selbsternannten Schützer österreichischer Interessen sind für Geld bereit, sich in russische Hände zu begeben. Um noch mehr Macht zu erlangen, ziehen sie nicht nur gegenüber Fremden über Bundeskanzler Sebastian Kurz und den Koalitionspartner ÖVP her. Nein, sie gebärden sich vor allem als vaterlandslose Gesellen, die nicht davor zurückschrecken, Unternehmen und Verlage im eigenen Land zu schädigen.

Quelle: n-tv.de

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