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Der Teil-Lockdown kommt Durchdacht ist das nicht

Die neuen Lockdown-Regeln wurden mit heißer Nadel gestrickt. Die Politik hat den Sommer verschlafen. Ein überzeugender Plan, wie Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Corona-Virus leben können, fehlt.

Kein Sommer währt ewig. Dass im Herbst und Winter die Zahlen der Corona-Infektionen wieder in die Höhe schießen, davor warnten Virologen seit Langem. Dass die Monate Juli, August und September nur einen kurzen Lichtblick im Kampf gegen die Pandemie darstellen würden - davon war nach einhelliger Expertenmeinung auszugehen.

Die ökonomische Entwicklung in Deutschland machte Mut. Die Corona-Zahlen sanken hierzulande spürbar, die Wirtschaft legte im Vergleich zu den Vormonaten um rund zehn Prozent zu. Etwa die Hälfte der Einbußen im ersten Halbjahr konnten wettgemacht werden. Immerhin!

Seit Wochen schnellen die Infektionszahlen wieder nach oben. Da ist es nachvollziehbar und wichtig, dass die Politik handelt. Dass ein großer Teil des Dienstleistungssektors mit einem Lockdown belegt und an die Unternehmer und Unternehmen milliardenschwere Hilfen verteilt werden, ist richtig. Ob der Plan greift und die Pandemie dadurch zumindest zeitweise ausgebremst wird - das bleibt zu hoffen. Wir wissen nur eines: In ein paar Monaten wissen wir mehr.

Dennoch: Es ginge viel besser. Durchdacht ist das alles nicht. Die aktuellen Lockdown-Details wurden auf den allerletzten Drücker ausgehandelt und beschlossen. Die Sommermonate ließen Politiker leichtfertig verstreichen. Das zeigt unter anderem das Hü und Hott der Vorschriften für Gastronomen. Erst gab es ein Heizpilz-Verbot, dann wurden die Geräte plötzlich staatlich gefördert. Und jetzt, da die Sorgsamen unter den Restaurantbetreibern sich mit viel Geld für eine Open-Air-Saison gerüstet haben, werden sie abgesperrt.

Dass da viele Unternehmer und deren Kunden frustriert reagieren, ist kein Wunder. Es fehlt eine überzeugende Strategie, wie es nach dem Teil-Lockdown weitergeht. Man ahnt, dass sich die Krise weit ins kommende Jahr hineinziehen könnte. Dass es dann zu einer Pleitewelle kommt, die derzeit durch staatliche Hilfen und das Aussetzen der Insolvenzpflicht künstlich verschoben wird, ist ein offenes Geheimnis. Dass die Zahlen zum Jahreswechsel erneut anschwellen könnten - das ist nicht auszuschließen. Immer neue Milliardenhilfen sind dauerhaft keine Lösung.

Es braucht einen Plan B - eine Strategie, die regelt, wie wir längere Zeit mit der Pandemie leben können. Sonst werden die Folgen für die Gesellschaft und Wirtschaft unerträglich.

Quelle: ntv.de