Person der Woche

Person der Woche: Saluschnyj Der Helden-General, der Russland besiegt

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Der Oberkommandeur der ukrainischen Armee, Walerij Saluschnyj, wird in der Ukraine als Held gefeiert.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

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Der Oberkommandeur der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, ist ein schlauer, trickreicher Heerführer. Er bringt den russischen Invasoren eine Blamage nach der anderen bei. Nun führt er eine verblüffende Gegenoffensive an und avanciert zum Nationalhelden mit Perspektive.

Die Gegenoffensive der ukrainischen Armee meldet verblüffende Erfolge. Die Rückeroberung von größeren Landflächen in der Ost-Ukraine könnte sogar die Wende im Krieg bedeuten. Überall keimt Hoffnung, in der Ukraine, im Westen, in der russischen Opposition, an den Weltbörsen. Hinter dem Coup der ukrainischen Armee steht ein schlauer General, der die Russen mit allerlei Bluffs nun schon seit Monaten zur Verzweiflung treibt. Der 49-jährige Walerij Saluschnyj ist Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee und avanciert zusehends zum Volkshelden in der Ukraine.

Im Januar wurde Saluschnyj in Brüssel gefragt, ob er angesichts der russischen Übermacht nicht besorgt sei. Saluschnyj antwortete, dass er tatsächlich schon besorgt war, "aber nur einmal, im Jahr 2014, als ich zum ersten Mal ein Maschinengewehr und eine kugelsichere Weste erhielt und nach der Annexion der Krim in den Krieg zog." Danach "war nur noch Arbeit".

Kurz vor Kriegsausbruch ließ er aufhorchen. Man werde die Russen empfangen, sagte er, "nicht mit Blumen, sondern mit Panzer- und Flugabwehrraketen". Und er fügte knapp hinzu: "Willkommen in der Hölle." Sein zur Schau getragenes Selbstbewusstsein klang anfangs wie Propaganda, inzwischen unterschätzt ihn niemand mehr.

Saluschnyj demokratisierte Armee

Dass die ukrainischen Truppen nicht nur eine heldenhafte Kampfmoral zeigen, sondern - anders als die schwerfällige russische Armee - auch taktisch flink-flexibel reagieren und westliche Waffen geschickt einsetzen, ist Saluschnyjs Werk. Der General ist der erste ukrainische Oberbefehlshaber, der nicht mehr in der Sowjetunion ausgebildet wurde. Er verkörpert die tiefgreifende Reform des ukrainischen Militärs seit 2014. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es, den Offizieren im Feld mehr Autonomie zuzugestehen, er ordnete gewissermaßen eine Demokratisierung an und erlaubte Soldaten an der Front, ohne Rücksprache mit der obersten Führung das Feuer erwidern zu können.

Saluschnyj entwickelte zugleich ein Partisanenkonzept, das flexiblen Widerstand auch hinter den feindlichen Linien organisiert, das die Zivilbevölkerung im Widerstand mit einbezieht, das den modernen Drohneneinsatz systematisch betreibt. "Der General hat aus einer alten Sowjetblockarmee eine quirlige, dezentrale, digital gerüstete Überraschungstruppe formiert. Es ist, als ob eine Telefonzelle gegen moderne Handys antritt", analysieren Militärexperten. In einem Interview sagte Saluschnyj einmal: "Wir wollen weg von Landkarten und dem Schreiben von Schlachtbefehlen wie 1943." Die Ironie der Geschichte besteht nun darin, dass er jetzt gegen einen Feind kämpft, der mehr nach 1943 aussieht als nach 2022.

Saluschnyj war es auch, der die russischen Invasionstruppen nicht direkt an der Grenze stoppen wollte, sondern sie - wie weiland General Kutusow bei Napoleons Russlandinvasion - erst einmal ins Land vorstoßen ließ, die Nachschublinien attackierte, sie isolierte und die Panzerverbände dann mit massenhaften Guerilla-Angriffen und Drohnengeschwadern zermürbte.

Auch dem jetzigen Gegenangriff bei Charkiw ging ein Bluff voraus, da Sulischnyj die Russen glauben machte, man werde vor allem im Süden bei Cherson angreifen und sie so zu Umgruppierungen lockte. Tatsächlich wählte er dann den Angriff an der Flanke, die nun entblößt war und in deren Rücken der breite Fluß Oskil keinen russischen Nachschub ermöglichte.

Stolz auf gute Ausbildung der Soldaten

Saluschnyj treibt schon seit Jahren die Ausbildung seiner Soldaten an westlichen Waffensystemen voran. Er nutzt insbesondere die Satelliten-Aufklärungdaten der NATO, als wären es seine eigenen Aufklärer. Moderne westliche Waffensysteme hat er schon früh in seine Kampfführung integriert. Vor allem hat er auf massenhafte Panzerabwehrraketen gesetzt und die Ausbildung daran zu einem zentralen Stück seiner Kriegsvorbereitung gemacht. Das sollte sich im Moment der russischen Panzer-Invasion auszahlen."Der Feind muss auch gut verstehen: Wir haben genug Panzerabwehrwaffen," warnte er die Russen schon zu Jahresbeginn ebenso lakonisch wie selbstbewusst.

Saluschnyj hat die ukrainische Armee vor Kriegsausbruch immer wieder in Manöver mit NATO-Partnern geschickt, er hält zu britischen und amerikanischen Generälen persönlich engen Kontakt. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur "ukrinform" sagte er stolz, seine Soldaten beherrschten inzwischen mehr als 300 NATO-Standards. "Ich möchte niemanden kritisieren, aber meines Wissens beherrschten eine solche Menge an Standards nicht alle Streitkräfte der europäischen Länder, die bereits Mitglieder des Bündnisses sind."

Als Saluschnyj 1989 in der Kleinstadt Nowohrad-Wolinski westlich von Kiew die Schule beendete, gehörte die Ukraine noch zur Sowjetunion. In dieser Zeit des Umbruchs trat er in die Fußstapfen seines Vaters, ebenfalls ein Berufsoffizier. Er besuchte die prestigeträchtige Militärakademie in Odessa und schloss 1997 die Offiziersausbildung der Bodentruppen mit Auszeichnung ab. Ab 2014 diente Saluschnyj fast ohne Unterbrechung in der umkämpften Region Donezk. Er befehligte eine Brigade, die bei Debalzewe einige der blutigsten Gefechte des Krieges mit vielen ukrainischen Gefallenen erleiden musste. Als er 2017 zum Generalmajor befördert worden sei, blieb er bewusst an der ostukrainischen Front. Er kennt dort jeden Wassergraben und genießt, gerade weil er selbst furchtlos und kampferprobt ist, höchstes Ansehen in der Truppe. "Ich bin stolz und dankbar für jeden ukrainischen Soldaten. Es ist eine Ehre für mich, Seite an Seite mit Ihnen zu kämpfen", schreibt Saluschnyj nun über die sozialen Medien.

General hat Chancen auf Präsidentschaft

Mittlerweile ist Saluschnyj nicht nur aus Sicht der Soldaten ein Vorbild, sondern auch für die Mehrheit der Ukrainer ein nationaler Held. Viele trauen dem populären General sogar zu, auf den derzeitigen Regierungschef Wolodymyr Selenskyj irgendwann nach dem Ende des Kriegs zu folgen - vor allem, falls die Gegenoffensive am Ende sogar in einem Sieg über Russland kulminieren sollte.

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Eine Umfrage des Nachrichtenmagazins "Ukrainska Pravda" ergab, dass der Oberbefehlshaber zum Präsidenten gewählt würde, wenn es derzeit Wahlen gäbe. Und er klingt bereits wie ein kommender Präsident, wenn er die Einigkeit der ukrainischen Nation beschwört: "Ich möchte an all jene Politiker appellieren, die aus den Städten im Hinterland 'Einschätzungen' zur operativen Lage abgeben. Mit Ihren unverantwortlichen Behauptungen, zum Beispiel, dass der Feind etwas ohne Probleme eingenommen habe oder dass die Kapitulation des Landes vorbereitet werde, beleidigen Sie unsere Soldaten", sagte er. "Wir haben den Feind von allen Seiten aufgehalten. Wir haben ihm Verluste zugefügt, wie er sie noch nie gesehen oder sich vorgestellt hat. Alle Ukrainer wissen das. Die Welt weiß es. Ich appelliere an Sie: Demütigen Sie unsere Soldaten nicht mit Ihren 'Experteneinschätzungen'. Sie stehen jetzt nicht an vorderster Front. Und es sind nicht Ihre Kinder. Wir schützen die Ukraine."

Das der zweifache Vater Saluschnyj über den Tellerrand des Militärischen hinausschaut, zeigt auch eine mitfühlende Äußerung zu den Opfern des Krieges. Bei einem Forum zu Ehren gefallener Soldaten und Veteranen in Kiew erklärte er selten offen, bislang seien auf ukrainischer Seite fast 9000 Militärangehörige ums Leben gekommen. Saluschny appellierte dabei daran, den Familien und insbesondere den Kindern der Gefallenen zu helfen. "Sie verstehen nicht wirklich etwas von dem, was passiert und brauchen unbedingt Schutz, wenn ihr Vater an die Front gegangen ist und zu den fast 9000 getöteten Helden gehört", sagte Saluschnyj. Er selbst weist alle politischen Ambition weit von sich, gibt so gut wie keine Interviews und konzentriert sich auf sein Handwerk. Er sei Soldat und habe eine Aufgabe - Russland zu besiegen.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 13. September 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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