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"Warum die SPD untergeht" Pressestimmen zur Europawahl

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(Foto: imago/Westend61)

Seit 25 Jahren war die Wahlbeteiligung an der Europawahl nicht so groß. Und selten gab es so viele Überraschungen. Für einige Zeitungen verweist das Wahlergebnis auf den bevorstehenden Untergang der SPD. Die CDU folgt zugleich. Und das starke Ergebnis der Grünen könnte die politische Landkarte dauerhaft verändern.

Der Tagesspiegel nennt die Zahlen der diesjährigen Europawahl für die SPD eine Katastrophe. "Da kann es nicht wundern, dass die Führungskrise in der SPD, der Streit um die Richtung und die Kompetenz der Parteivorsitzenden, das Fehlen einer überzeugenden Persönlichkeit an der Spitze, die Werte für die Sozialdemokraten nach unten ziehen", kommentiert die Berliner Tageszeitung. Aber auch die CDU sei getroffen.

Zum gleichen Ergebnis kommt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. "Warum die SPD untergeht", lautet der Titel zur Europawahl. Für die SPD könne es nicht schlimmer kommen, schreibt die Zeitung, aber auch die Partei Helmut Kohls gehe durch eine Riesenblamage. Im Falle der SPD heiße das: "Sie geht unter. Im Falle der CDU: Sie ist kurz davor."

Für die SPD sei die Wahl zum Desaster geworden, urteilt die Deutsche Welle. "Zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist sie bei einer bundesweiten Wahl nicht mehr auf Rang eins oder zwei gelandet, sondern auf dem dritten Platz. Das kommt einem Erdbeben gleich." Die Redakteure sehen die Schuld bei Nahles: "Den Niedergang der einstigen Volkspartei SPD hat Nahles, seit etwas mehr als einem Jahr Parteivorsitzende, nicht stoppen können. Viele in ihrer Partei sagen sogar, sie habe ihn beschleunigt."

Die Welt konzentriert sich dagegen auf das "Traumergebnis" der Grünen. Die Europawahl sei in diesem Jahr eine Klimawahl gewesen. "Alle anderen Themen schienen demgegenüber nachrangig." Allerdings seien die spektakulären Resultate sicher nicht in erster Linie den Spitzenkandidaten zuzuschreiben, sondern der "großpolitischen Wetterlage und dem Aufwind für die Öko-Partei insgesamt".

Vor allem junge Menschen haben dabei für die Grünen gestimmt. "Die Jugend hat sich politisiert", kommentiert die Süddeutsche Zeitung deren Höhenflug. Ob das an YouTuber Rezo mit seinem Anti-CDU-Video liege oder wie viel Einfluss die "Fridays for Future"-Demonstrationen hatten, lasse sich dabei nicht sagen. "Trotzdem drängt sich am Wahlabend der Eindruck auf, dass beide Initiativen bei jüngeren Wählerinnen und Wählern etwas bewirkt haben. Und das könnte die politische Landschaft für alle Parteien dauerhaft verändern." Sicher sei eine klare Präferenz für die Klimapolitik: "Selten hat sich das in einer Wahl derart krass gezeigt wie diesmal. Selten auch hat es in den Wochen davor große Initiativen gegeben, die - von jungen Menschen angestoßen - derart unmissverständlich das eine Thema nach vorne gebracht haben."

Abschließend schreibt der Tagesspiegel: "Nicht nur in Deutschland ist die Wahlbeteiligung deutlich gestiegen, sondern in fast allen Ländern der Europäischen Union. Das ist ein Signal, dass die Bürgerinnen und Bürger diese Abstimmung tatsächlich als Schicksalswahl empfanden. Die einen, weil sie den populistischen, auf Zerstörung der EU setzenden Gruppen entgegentreten wollen. Die anderen, weil sie durch ihre Stimmen für die AfDs und Rassemblements National und wie sie heißen, zeigen wollten, dass sie die Zukunft Europas nicht in der Union, sondern im Rückzug in den Nationalstaat sehen."

Zusammengestellt von Vivian Kübler

Quelle: n-tv.de

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