Ratgeber

Private Krankenversicherung Die Kostenbremse drücken

Manchmal kommen sie schleichend und manchmal knüppeldicke: Beitragserhöhungen in der privaten Krankenversicherung. Wer sich die steigenden Gesundheitskosten nicht mehr leisten kann oder will, hat mehrere Möglichkeiten.

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Bei Privatpatienten werden gerne mal teurere Behandlungsmethoden angewendet, auch wenn diese nicht zwingend nötig sind.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Medizinischer Fortschritt sorgt nicht nur dafür, dass die Menschen immer älter werden, sondern auch dafür, dass ihre Gesundheitsversorgung immer teurer wird. Beides bekommen die privaten Krankenversicherer zu spüren, allein im Jahr 2009 sind deren Ausgaben um 4,6  Prozent gestiegen. Die Kosten tragen letztlich die Versicherten. In den letzten Monaten haben zahlreiche Privatversicherer wieder ihre Beiträge erhöht – im Schnitt um 7,5 Prozent, im manchen Fällen hat die Stiftung Warentest aber auch weit über 20 Prozent ermittelt. Das ist mehr, als sich mancher leisten kann.

 

Wenn eine gesetzliche Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erhöht, können sich die Betroffenen einfach einen neuen Anbieter suchen. In der PKV ist das nicht so einfach. Zwar haben die Versicherten auch hier ein Sonderkündigungsrecht, ein Wechsel kann aber teuer werden:  Bei Verträgen, die vor 2009 abgeschlossen wurden, gehen sämtliche Kapitalrückstellungen verloren. Das fällt einem dann im Alter auf die Füße. Wer erst im letzten Jahr beigetreten ist, kann immerhin die Rückstellungen des Basistarifs mitnehmen. Doch noch ein weiterer Fakt spricht gegen die Kündigung: Die Beiträge zur PKV werden nach dem Einstiegsalter berechnet. Je später man zum neuen Anbieter wechselt, desto teurer wird es. Außerdem muss der Gesundheitsfragebogen ein weiteres Mal ausgefüllt werden – Krankheiten, die in den letzten Jahren hinzugekommen sind, könnten den Neuvertrag teurer machen.

Erste Möglichkeit: Abspecken

Wer höhere Beiträge nicht einfach hinnehmen will, hat dennoch Möglichkeiten. Dörte Elß von der Verbraucherzentrale Berlin empfiehlt zunächst einmal: "Leistung abspecken." Chefarztbehandlung, Zweibettzimmer und hochwertiger Zahnersatz sind sicher schöne Extras, machen den Tarif aber teuer. Komfortverzicht rechnet sich. Eine weitere Stellschraube: Die Selbstbeteiligung. Durch mehr Eigenleistung sinkt der Beitrag spürbar. Viele Versicherte neigen allerdings dazu, sich selbst zuviel zuzumuten, hat Elß beobachtet. "Ein junger kerngesunder Mann kann mit 1000 Euro Selbstbeteiligung vielleicht gut leben, im Alter kann das aber zum Problem werden." Zumal es schwierig wird, die einmal gewählte Erhöhung wieder rückgängig zu machen. Für angestellte Privatversicherte lohnt sich eine höhere Selbstbeteiligung weniger: Von den günstigeren Beiträgen profitiert nämlich auch der Arbeitgeber, im Krankheitsfall trägt der Arbeitgeber die höheren Kosten aber allein.

Zweite Möglichkeit: Tarifwechsel

Die zweite Variante zum Beitragssenken: Tarifwechsel. Um die attraktive junge, gesunde Zielgruppe zu ködern, legen die Versicherer gelegentlich neue Tarife mit günstigeren Einstiegskonditionen auf. Die bestehenden Tarife werden dagegen für Neuzugänge geschlossen. Die Folge: Die "schlechten Risiken" bleiben unter sich, der alte Tarif wird teurer. Doch auch wenn es die Versicherungen nicht an die große Glocke hängen: Man ist keineswegs im alten Tarif gefangen. "Umtarifierung" heißt das Stichwort, mit dem Versicherte den Wechsel in einen anderen Tarif verlangen können. Die rechtliche Grundlage ist in Paragraf 204 des Versicherungsvertragsgesetzes festgelegt. Demnach muss der  Anbieter Anträge auf Wechsel in andere Tarife mit gleichartigem Versicherungsschutz annehmen, ohne dass die Altersrückstellungen darunter leiden würden. Ist der neue Tarif umfassender als der bisherige, können die Versicherer allerdings Risikozuschläge oder Wartezeiten verlangen. Wer dem entgehen will, der kann Mehrleistungen aber auch ausschließen.

 

Der Tarifwechsel kann vor allem bei Uralt-Verträgen deutliche Ersparnis bringen. Doch trotz der eindeutigen Rechtslage, stellen sich Versicherungen bei dem Thema gelegentlich taub. Es empfiehlt sich daher, den Wechsel von einem unabhängigen Versicherungsmakler einfädeln zu lassen. Der lässt sich seine Dienste zwar mit einigen hundert Euro honorieren, angesichts der Sparmöglichkeiten sind die aber eine lohnende Investition. "Bleibt die Versicherung stur, sollte man den PKV-Ombudsmann einschalten", rät die Gesundheitsexpertin Elß.

Dritte Möglichkeit: Basistarif

Als letztes Mittel bleibt der Wechsel in den Basistarif.  Für Versicherte über 55 Jahre, denen die Rückkehr in die Gesetzliche verbaut ist, kann dies der letzte Rettungsanker sein. Während sich Privatversicherte üblicherweise als Patienten erster Klasse fühlen dürfen, entspricht das Leistungsspektrum im Basistarif im Wesentlichen dem der gesetzlichen Krankenkasse. Auch die Kosten orientieren sich an denen der GKV: Die Versicherung darf maximal den Höchstbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung verlangen, im Moment sind das gut 580 Euro. Im Vergleich zu den üblichen Kosten, die Ältere oft in der PKV tragen, kann das günstiger sein. Wer damit immer noch an die finanziellen Grenzen stößt, kann auf eine weitere Reduzierung hoffen: Bei Hilfsbedürftigkeit wird der Beitrag auf Antrag auf die Hälfte gekürzt. In Härtefällen beteiligt sich auch das Sozialamt oder der Grundsicherungsträger.

 

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Quelle: n-tv.de

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