Ratgeber

Fertighaus vs. Architektenhaus Ein unkonventioneller Test

Ein Anzug von der Stange kostet weniger als ein Maßanzug. Das trifft jedenfalls sehr häufig zu. Doch wie sieht es aus beim Immobilienkauf aus? Für den Bauherrn heißt das übertragen: Fertighaus oder Architektenhaus? Das wollten wir wissen und haben mal ganz subjektiv getestet.

Die Familie Ruppert hatte ein Grundstück in nordrhein-westfälischen Overath und wollte darauf ein Haus errichten lassen. Der Fertighaus-Entwurf war schnell zur Hand. Doch damit wollten sich die Bauherren alleine nicht zufrieden geben. Deshalb hat er das Architekturbüro Bernhardt und Lesser gegen einen Fertighaus-Entwurf antreten lassen. Einzige aber entscheidende Vorgabe: Das Architektenhaus darf nicht mehr als das Fertighaus kosten.

Keine Standardmaße

Wer von der Stange kauft hat Probleme, wenn er nicht die Standardmaße aufweisen kann. Das Grundstück der Rupperts ist eher schmal und dafür etwas länger. Das vorgeschlagene Fertighaus war quadratisch und deshalb gar nicht so praktisch - für das Grundstück viel zu breit. "Wir hatten uns sogar ein Modell gebaut, welches wir auf einem Stück Papier hin- und her geschoben haben. Wir waren gerade in dem Stadium, wo wir nicht mehr wussten, wo denn die Garage überhaupt noch hinkommen könnte", erzählt Bauherr Jan Ruppert.

Die Architekten haben dem Bauherren dann erst einmal den Keller ausgeredet, da das Grundstück in einem Hochwassergebiet liegt. Das Haus war nicht mehr die feste Größe in der Planung, sondern entscheidend waren die Lage des Grundstücks, der Lichteinfall und die Aussicht. Die Architekten haben den Bauherrn schließlich überzeugt, dass auf ein längliches Grundstück auch ein längliches Haus gehört. "Der Grundunterschied ist, dass Architekten die Hausplanung als Prozess begreifen und zusammen mit den Bauherrn entwickelen", erklärt Architektin Anne-Julchen Bernhardt. "Man muss eben erst mal Maß nehmen. Ein Fertighausbauer hat die Sachen in der Schublade und liefert sofort - aber eben immer das Gleiche."

Panoramablick von der Leiter

Um ein Haus zu entwerfen, was sich gut in das Grundstücksbild einfügt, sind die Architekten erst einmal auf eine Leiter gestiegen, um zu sehen, aus welchem Fenster man was sieht und wann die Sonne wo steht. Denn die landschaftliche Umgebung hat einiges zu bieten. Das Ergebnis hat die Bauherren überzeugt. Ihr neues Heim bietet Panorama-Ausblicke aus breiten, optimal angeordneten Klappfenstern. Große Fensterflächen im Erdgeschoss machen die Grenzen zwischen Drinnen und Draußen durchlässig. Auch in der Küche herrschen gute, natürliche Lichtverhältnisse.

Das Treppenhaus ist als offene Halle gebaut, die in den Wohnbereich der Kinder führt. Von oben haben sie einen praktischen Sichtbezug zur Küche. Den fehlenden Stauraum des Kellers haben die Architekten unters Dach verlegt. "Natürlich ist das Bauen mit dem Architekten viel intensiver und auch anstrengender. Dafür wird man beim Ergebnis aber auch entsprechend entlohnt", ist Architekt Jörg Leeser überzeugt.

Neben der Flussaue im bergischen Overath steht jetzt der Neubau der Familie Ruppert. Das Haus fügt sich gut ein ins Umfeld - und fällt auch auf. Auch die Preisvorgabe der Bauherren - nicht teuerer als das Fertighaus - wurde eingehalten. Kosten inklusive Grundstück: 380.000 Euro.

Quelle: ntv.de